Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Die Analystin vom Bankhaus Lampe, Leslie Iltgen, stuft die
Celesio-Aktie (
ISIN DE000CLS1001 /
WKN CLS100 ) von "verkaufen" auf "halten" herauf.
Nach dem Kursrückgang der vergangenen Wochen gehe man davon aus, dass der negative Newsflow vollständig eingepreist sei. Hinzukomme, dass sich mittelfristig etwa mit der möglichen Einführung der 15. AMG-Novelle in Deutschland und dem Ausbau des Dienstleistungsbereichs (zum Beispiel Homecare) neue Wachstumschancen eröffnen würden.
Sollte die AMG-Novelle ohne weitere Änderungen beschlossen werden, würde der Rabattkampf im deutschen Großhandel zum Ende kommen. Der Gesetzentwurf sehe derzeit vor, dass Medikamentenhersteller künftig alle Präparate über Großhändler zu vertreiben hätten. Dazu würden auch wieder hochpreisige Medikamente gehören, die derzeit tendenziell gerne direkt an Apotheken abgegeben würden. Durch die vorgesehene feste Vergütung in Höhe von 0,93 Cent je Packung plus 3% des Herstellerabgabepreises, würde auch das Geschäft mit Generika (würden schätzungsweise rund 60% des Gesamtvolumens ausmachen) für Großhändler wieder attraktiver.
DTP-Verträge (wie in Großbritannien) wären ebenfalls kein Thema mehr. Sollte der Gesetzentwurf dieses Jahr beschlossen werden und ab 01.01.2010 in Kraft treten, wäre im Großhandelssegment von Celesio insgesamt mit einem Volumenzuwachs zu rechnen plus es würde zu einer EBITDA-Margenverbesserung in Deutschland wieder auf ein Niveau von mindestens 2,2/2,3% kommen.
Mittelfristig könnte auch der Ausbau des Homecare-Bereichs in Großbritannien Wachstumschancen bieten. Celesio strebe an, verstärkt als Dienstleister für die Pharmaunternehmen zu agieren, indem etwa entsprechend geschultes Fachpersonal zur Verfügung gestellt werde, das Patienten im eigenen Zuhause etwa die notwendige Medikation verabreichen könne. Da durch dieses System auch Krankenhauskosten eingespart würden, werde das System von der NHS unterstützt. Zwar sehe man darin für Celesio keinen kurzfristigen Gewinnbringer (entsprechende Investitionen seien erst nötig), doch mittelfristig biete dieses Modell durchaus attraktive Wachstumschancen. Sollte es sich in Großbritannien bewähren, schließe man nicht aus, dass es auch Modellcharakter in anderen europäischen Ländern haben könnte.
Die Entscheidung bezüglich der Liberalisierung des Apothekenmarktes in Deutschland und Italien werde in Q2 2009 erwartet. Nach dem Plädoyer des Generalanwalts im Dezember stünden die Chancen pro Liberalisierung statistisch gesehen bei rund 20%. Ein positives Urteil käme daher unerwartet und würde der Aktie Upside-Potenzial eröffnen. Rückenwind komme derzeit aus Schweden, wo das Apoteket-Monopol aufgehoben werden solle. Doch selbst, wenn das EU-Gericht sich gegen eine Liberalisierung in Deutschland und Italien aussprechen sollte, bedeute dies noch nicht das Ende der Liberalisierungstendenzen in Deutschland. Gebe die EU die Entscheidung wieder an die Länder zurück, wäre in der Folge mit einem Verfassungsgerichtsverfahren zu rechnen.
Währenddessen dürfte Celesio wieder verstärkt in den Ausbau der Markenpartnerschaften investieren und die Zahl der DocMorris-Franchise-Apotheken deutlich ausbauen (von derzeit 200 auf dann über 500 in den kommenden drei Jahren). Ferner rechne man mit einem Ausbau des Vertriebs mit Eigenmarken (zum Beispiel Schmerzmittel, Blutdruckgeräte).
Währungsrisiken, der Nachfragerückgang im OTC-Geschäft, der Margendruck im deutschen Großhandel, höhere Investitionen für den Ausbau des Apothekengeschäfts und den Homecare-Bereich dürften die Ergebnisentwicklung vor allem in Q1/Q2 2009 belasten. 2010 sehe man Chancen auf Ertragsverbesserungen.
Das Anlageurteil der Analysten vom Bankhaus Lampe wird daher von "verkaufen" auf "halten" geändert. Das
Kursziel werde von 16,00 EUR auf 17,00 EUR erhöht. (
Analysevom 04.03.2009) (04.03.2009/ac/a/d)