Fresenius Medical Care grundsolide, aber dennoch lukrativ


31.08.10 10:45
Meldung
 
Wolfratshausen (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "Smart Investor" halten die Aktie von Fresenius Medical Care (FMC) (ISIN DE0005785802 / WKN 578580 ) auch jetzt noch für günstig bewertet.


Zuletzt habe der im DAX (ISIN DE0008469008 / WKN 846900 ) gelistete Dialysespezialist seine Expansion konsequent vorangetrieben. Um über den Ausbau des Kliniknetzwerkes weiter wachsen zu können, sei in der russischen Region Krasnodar der private Klinikbetreiber KNC gekauft worden. Er solle jährlich rund 25 Mio. USD zu den Erlösen beitragen. In Asien sei für 3,5 Mrd. USD der Dialysedienstleister Asia Renal Care mit 100 Kliniken vom thailändischen Krankenhausbetreiber Bumrungrad übernommen worden. Hier rechne FMC mit einem jährlichen Umsatzbeitrag von etwa 80 Mio. USD.

Die Akquisitionen sollten schon 2011 positiv zur Bilanz beitragen. Mit der Übernahme von Nikkiso Medical Korea Co. Ltd, einer Tochter der japanischen Gesellschaft Nikkiso Co. Ltd (ISIN JP3668000007 / WKN 859005 ), habe FMC zudem sein Geschäft in Korea gestärkt. Die Strategie scheine klar: Der Dialysespezialist wolle sich aus der starken Abhängigkeit vom US-Markt allmählich befreien und das Wachstum in Europa, Afrika, Lateinamerika und im Nahen Osten beschleunigen.

FMC habe im Geschäftsjahr 2009 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6% auf 11,25 Mrd. USD gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sei um 5% auf 1,76 Mrd. USD geklettert. Während sich der Free Cashflow vor Akquisitionen und Dividenden um stolze 127% auf 777 Mio. USD erhöht habe, sei die EBlT-Marge leicht auf 15,6% gesunken. Mit einer auf 44% verbesserten Eigenkapitalquote sei der Gesundheitskonzern bei der Finanzierung weiterer Zukäufe erst einmal nicht auf Banken angewiesen. Der Etat für Akquisitionen sei von 400 auf bis zu 500 Mio. USD angehoben worden.

Trotz eines sehr starken zweiten Quartals rechne die Konzernleitung weiterhin mit einem Umsatz von mehr als 12 Mrd. USD und einem Überschuss zwischen 950 und 980 (Vorjahr: 891) Mio. USD. Bis zum Jahresende dürfte FMC die Ende 2009 bei 5,57 Mrd. USD liegenden Finanzverbindlichkeiten weiter leicht senken können. Im Gegensatz zum größten US-Mitbewerber habe FMC im zweiten Quartal den US-Umsatz je Behandlung gesteigert. Künftig sollte eine Medicare-Behandlung um einige Dollar profitabler werden, so dass sich die operative Gewinnmarge verbessern könnte.

Da sich angesichts knapper Kassen öffentlicher Haushalte weltweit immer mehr Gesundheitssysteme öffnen dürften, würden die Wachstumsaussichten auch außerhalb der Vereinigten Staaten rosig bleiben. Schließlich müssten sich weltweit knapp 1,9 Millionen Patienten regelmäßig einer Dialysebehandlung unterziehen. Und gelänge es FMC, innovative Behandlungsmethoden voranzutreiben, dürfte sich auch dies auf die Ergebnissituation günstig auswirken. Eine erneute Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar würde sich allerdings nachteilig auswirken, da der Konzern in der US-Währung berichte und sich rechnerisch somit ein niedrigerer Wert der in Euro erzielten Bilanzwerte ergäbe.

Mit einem Anteil von fast 60% trage FMC zum Ergebnis des ebenfalls im DAX enthaltenen Gesamtkonzerns bei, der rund 36% der Stammaktien halte. Seit August 2002 habe die vor 14 Jahren gegründete Dialysetochter mit einer robusteren Kursentwicklung und einem durchschnittlichen Jahresertrag von 19% gut 12 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der deutsche Blue-Chip-lndex. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate habe der Titel sogar um 50% zugelegt. Dem Vorstandschef scheine der Gipfelsturm nicht ganz geheuer zu sein: Er habe bereits Anfang August ein Aktienpaket für gut 7 Mio. EUR verkauft. Wer hohe Dividenden erwarte, werde von der Aktie enttäuscht. Auf Basis einer für 2010 erwarteten Ausschüttung von 0,65 EUR pro Stammaktie errechne sich eine Dividendenrendite von gerade einmal knapp 1,5%.

Fresenius Medical Care sei von der konjunkturellen Entwicklung kaum betroffen und gelte wegen des robusten Verlaufs des operativen Geschäfts als vergleichsweise defensives Investment unter den deutschen Blue Chips. Das Geschäftsmodell sei grundsolide, aber dennoch lukrativ - ein Plus in unsicheren Börsenzeiten wie diesen. Langfristig sollte FMC als Weltmarktführer von der US-Gesundheitsreform und der Expansion in andere Wachstumsmärkte profitieren.

Allerdings könnte die auch jetzt noch vernünftig bewertete Fresenius Medical Care-Aktie zunächst einmal eine Verschnaufpause einlegen, so die Experten von "Smart Investor". (Ausgabe 09) (31.08.2010/ac/a/d)

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