Seltene Erden: Zündet China die letzte Eskalationsstufe?


24.05.19 10:55
Meldung
 
Berlin (www.aktiencheck.de) - US-Präsident Donald Trump macht gerade kräftig Druck bei den Wirtschaftsverhandlungen mit der Volksrepublik China, so die Experten von LYNX Broker.


Fast scheine es so, als wolle das amerikanische Staatsoberhaupt eine Einigung erzwingen und brüskiere dabei die chinesische Staatsführung ein ums andere Mal. Die Strafmaßnahmen gegen den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei könnten jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Würden die Chinesen nun die Exporte von Seltenen Erden in die USA stoppen? Die Option scheine offenbar auf dem Tisch zu liegen.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping besuche in letzter Zeit auffällig oft Förderanlagen für Seltene Erden. Zufall? Nein, nichts in der chinesischen Politik sei Zufall und sollte von Trump als eindeutiges Signal verstanden werden. Angesichts des sich verschärfenden Handelskrieges zwischen den USA und China hätten kürzlich die staatlichen chinesischen Medien die Idee kolportiert, den Export von Seltenen Erden in die USA zu verbieten. Dies könnte eine von mehreren möglichen Antworten Chinas auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump sein, der gerade erst weitere milliardenschwere Zölle auf chinesische Waren erhoben habe. Darüber hinaus hätten Trumps Strafmaßnahmen gegen den Telekommunikationshersteller Huawei für Unmut im Reich der Mitte gesorgt.

Nun scheinen die Chinesen zum Gegenschlag auszuholen, so die Experten von LYNX Broker. Seltene Erden würden zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt zählen. "Der Name ist jedoch irreführend. Interessanterweise sind die Seltenen Erden etwa im Vergleich zu vielen anderen Metallen gar nicht so selten, wie es ihr Name suggeriert. Allerdings kann in unserem modernen Leben kein iPhone, kein PC, kein Hybridfahrzeug, kein Flachbildschirm und kein Windrad ohne Seltene Erden hergestellt werden", wisse Sascha Sadowski, MarktAnalyst vom Online-Broker LYNX. "Seltene Erden gehören daher, neben den Technologiemetallen, zu den wichtigsten Rohstoffen in unserer modernen Welt." Mit 70,6 Prozent (Stand 2018) der weltweiten Minenproduktion sei China das mit Abstand wichtigste Erzeugerland. Australien und die USA würden mit 11,8 Prozent, bzw. 8,8 Prozent, weit abgeschlagen dahinter folgen. "Ein Exportstopp würde die amerikanische Tech-Industrie hart treffen. Immerhin decken die USA 80 Prozent ihres Bedarfes an Seltene Erden durch chinesische Importe", sage Sadowski und ergänze: "Auch in der US-Ölindustrie kommen Seltene Erden als Katalysatoren zum Einsatz, beispielsweise, um aus Rohöl Benzin herzustellen."

Kurzum, ein möglicher Exportstopp würde viele Bereiche treffen, ob Automobilindustrie, erneuerbare Energien, Verteidigung oder Technologie. Hinzu komme, dass andere große Vorkommen, wie etwa in Brasilien, Vietnam oder Russland aufgrund fallender Weltmarktpreise nicht erschlossen worden seien. Das wiederum bedeute, dass die USA kurzfristig die Einfuhrausfälle nicht substituieren könnten. Tatsächlich sei es ein offenes Geheimnis, dass die chinesische Regierung ihre Förderstätten für Seltene Erden stark subventioniert und so eine marktbeherrschende Stellung erreicht habe.

"Wenn China jedoch nach dem greifen sollte, was man gut und gerne als Nuklearoption bezeichnet kann, würde dies einen großen Teil der US-Wirtschaft treffen, auch wenn das genaue Ausmaß eines solchen Schrittes schwer abzuschätzen ist. Die bloße Drohung Chinas, den Zapfhahn für kritische Industriematerialien zu schließen, zeigt eine Sicherheitslücke, die Analysten und Entscheidungsträger in Washington, Peking und anderen Hauptstädten zunehmend beunruhigt", gebe Sadowski zu bedenken.

Globalisierte Lieferketten würden den Verbrauchern einer Vielzahl von Produkten, Flexibilität und niedrigere Kosten bieten. Gleichzeitig habe die zentrale Position des US-Dollar und des US-Finanzsystems den Handel gestrafft und das Wachstum angeheizt. Aber in Zeiten geopolitischer Spannungen könnten dieselben Wirkungsgrade plötzlich zu tödlichen Schwachstellen werden - für alle Länder. Ob es sich nun um die Drohung Chinas handle, strategische Rohstoffe zurückzuhalten, oder um das Verbot von Technologieexporten in die USA, die Strategie sei mit Unsicherheiten und Risiken behaftet.

Huawei gebe jedes Jahr schätzungsweise 11 Milliarden US-Dollar für Waren von US-Unternehmen aus, und es sei unklar, ob sich die Trump-Regierung weiterhin für eine Politik mit schwerwiegenden Konsequenzen für große amerikanische Unternehmen wie Qualcomm (ISIN US7475251036 / WKN 883121 ), Broadcom (ISIN US11135F1012 / WKN A2JG9Z ) und Google einsetze. Dies sei einer der Gründe, warum die USA den US-Unternehmen ein 90-tägiges Zeitfenster zur Anpassung an die neuen Regeln eingeräumt hätten - ein Zeitfenster, das verlängert werden könne.

Ob China diese letzte Form der Eskalation wirklich wähle, hänge somit wieder einmal mehr von den Reaktionen ab, die aus Washington kämen. Eines sollte aber auch Donald Trump klar sein: China könnte, indem es den Export von wichtigen Metallen und Mineralien stoppe, der amerikanischen Wirtschaft schweren Schaden zufügen. (Ausgabe vom 22.05.2019) (24.05.2019/ac/a/d)


 

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