Paris (aktiencheck.de AG) - Positive Daten aus den USA, insbesondere zum Arbeitsmarkt und den ISM-Indices, scheinen auf ein anhaltendes, wenn auch bescheidenes Wirtschaftswachstum hinzudeuten, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners.
Der Euroraum hinke hinterher, auch bei Unternehmensgewinnen. Die Frühindikatoren in den Schwellenländern hätten sich stabilisiert, aber die Exporte hätten in mehreren Ländern nach unten tendiert. Aktien hätten zugelegt. Der US-amerikanische S&P 500 (
ISIN US78378X1072 /
WKN A0AET0 ) habe sogar beinahe seinen Höchststand seit der Rezession erreicht. Der EURO STOXX 50 (
ISIN EU0009658145 /
WKN 965814 ) liege jedoch immer noch mehr als 20%, die Schwellenländer 13% unter diesem Spitzenwert.
Im Januar hätten US-amerikanische Unternehmen 243.000 Arbeitsplätze geschafft. Das sei der größte Anstieg seit April 2011 gewesen. Die Household Survey habe einen überdimensionalen Zuwachs von 847.000 Arbeitsplätzen und einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote ergeben. Die Verbesserungen seien in ganz unterschiedlichen Bereichen zu beobachten gewesen: Die Einstellungsabsichten im Dienstleistungssektor hätten ihren höchsten Stand seit Februar 2006 erreicht. Der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe sei um ganze 3,8 auf 56,8 Punkte gestiegen. Obwohl das ein Zeichen für robustes Wachstum sei, liege er damit noch immer unter den Werten von Ende 2010/Anfang 2011.
Für die Analysten gebe es deshalb keinen Grund, die Konjunkturaussichten der USA ausschließlich optimistisch zu bewerten. Erstens sei dem Arbeitsmarkt das milde Winterwetter entgegen gekommen. Zweitens seien die Haushaltsdaten durch Korrekturen verzerrt worden. Drittens sei das Beschäftigungswachstum stärker gewesen, als das BIP-Wachstum seit mehreren Quartalen habe vermuten gelassen. Und schließlich sei das BIP-Wachstum in letzter Zeit durch Privatkonsum und steigende Lagerbestände gefördert worden.
Der steigende Konsum sei mit einem Rückgang der Sparquote und der Zunahme von Verbraucherkrediten einhergegangen. Die Analysten würden bezweifeln, dass es sich dabei um bewusste Entscheidungen gehandelt habe; sie könnten vielmehr ein Zeichen dafür sein, dass das verfügbare Einkommen der Verbraucher stagniere.
Die Frühindikatoren hätten sich zwar verbessert, aber harte Fakten hätten die nach wie vor schlechte Lage im Euroraum unterstrichen. Die Arbeitslosenquote für die gesamte Region sei auf 10,4% gestiegen und habe damit ihren Höchststand seit Ende der 1990er Jahre erreicht. Portugal, Spanien und Griechenland würden sogar eine zweistellige Quoten verzeichnen; die Jugendarbeitslosigkeit im Euroraum liege bei 21,3% und werde damit zu einem schwerwiegenden Problem.
Nach Erachten der Analysten seien die Aussichten für den Euroraum nicht rosig. Nach Ergebnissen einer von der EZB durchgeführten Umfrage hätten Banken ihre Kreditvergaberichtlinien deutlich verschärft und eine sinkende Nachfrage nach Darlehen vermeldet. In Italien und Spanien stünden die Auswirkungen der Spar- und Reformpakete noch bevor. Die Verschärfung der Fiskalpolitik in Frankreich dürfte sich etwas beschleunigen. Wenn die führenden Politiker des Euroraums keine konkreten Pläne zur Förderung des Wachstums vorlegen würden, werde die Sparpolitik die Oberhand gewinnen, wodurch die Wachstumsaussichten in einigen Ländern überschattet würden.
Die Lockerung der Geldpolitik, ein deutlich geringerer Sparbedarf und eine überwiegend steigende Binnennachfrage müssten jedoch in den Schwellenländern ein gewisses Gegengewicht schaffen. Insgesamt seien die PMI-Indices für das Verarbeitende Gewerbe gestiegen und hätten in den meisten größeren Schwellenländern bei über 50 Punkten gelegen. In zyklischen Volkswirtschaften wie Südkorea und Taiwan hätten sich die Indices verbessert, seien aber unter 50 Zählern geblieben. PMI-Indices für den Dienstleistungssektor hätten in Brasilien, Indien und Russland beeindruckende Werte erreicht.
In enger mit dem Euroraum verknüpften Volkswirtschaften, wie der Tschechischen Republik, Russland und der Türkei, seien die Indices für das Verarbeitende Gewerbe rückläufig gewesen. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Euroraum könnte die Schwellenländer in Mitleidenschaft ziehen: Zum einen durch einen Rückgang der Ausfuhren und zum anderen, falls die Banken beschließen würden, ihre Entschuldungsbemühungen auf diese Länder zu konzentrieren. Das Wachstum der Schwellenländer-Exporte habe sich insgesamt verlangsamt, obwohl es auch Ausnahmen gegeben habe. Insbesondere in Südkorea, Taiwan und Brasilien sei das Exportwachstum jedoch deutlich zurückgegangen.
Ihr Modell-Portfolio hätten die Analysten unverändert gelassen. Sie seien neutral gegenüber Aktien und hätten Aktien aus Schwellenländern gegenüber solchen aus Industriestaaten übergewichtet. Bei Anleihen seien die Analysten insgesamt neutral gewichtet, wobei sie Investment-Grade- sowie hochverzinsliche Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen in harter Währung übergewichten würden. Bei auf Lokalwährung lautenden Schwellenländeranleihen seien die Analysten neutral, bei inflationsindexierten Anleihen hingegen untergewichtet. Ihre Positionen in Staatsanleihen hätten eine lange Duration und würden der Absicherung ihres zunehmenden Engagements in risikoreichen Anlagen dienen. Bei Immobilien, Wandelanleihen und Rohstoffen seien die Analysten neutral gewichtet. (13.02.2012/ac/a/m)