Hamburg (aktiencheck.de AG) - Ein Blick auf die letzten Wochen zeigt, dass die Nervosität am Aktienmarkt unverändert hoch ist. Seit Mai 2010 befinden sich viele Aktienindices in einem volatilen Seitwärtstrend, so die
Analysten der Berenberg Bank.
Der Aktienmarkt habe geschwankt, da zum einen Ängste vor potenziellen Staatsbankrotten und Sorgen vor einem erneuten Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession aufgekommen seien, andererseits aber die Unternehmen mit positiven Quartalsberichten überrascht hätten.
Unterstützend dürften die anziehenden Transaktionen im Bereich M&A (Mergers & Acquisitions = Fusionen und Unternehmenskäufe) wirken. Bereits Mitte August habe das weltweite Transaktionsvolumen laut Bloomberg bei 1.300 Mrd. USD gelegen. Damit liege es nicht mehr weit entfernt vom Wert des gesamten Jahres 2009 (1.700 Mrd. USD) und deutlich höher als zum Beispiel nach dem Platzen der Internet-Blase in den Jahren 2002 (1.100 Mrd. USD) und 2003 (1.200 Mrd. USD). Aus heutiger Sicht sollte der Vorjahreswert im Jahresverlauf noch übertroffen werden.
Weltweit würden Firmenchefs den Fokus wieder zunehmend auf Wachstum durch Übernahmen setzen. Über die erforderlichen finanziellen Mittel dazu würden sie reichlich verfügen: Börsennotierte europäische Unternehmen würden zum Beispiel mit 800 bis 900 Mrd. EUR Barmittelbestände ausweisen, die so hoch wie seit 1995 nicht mehr lägen (
ISIN US6174464486 /
WKN 885836)). Auch wenn die jüngst verkündeten Transaktionen zu den sehr großen (
ISIN GB0000566504 /
WKN 908101) für den weltgrößten Düngemittelhersteller Potash (
ISIN CA73755L1076 /
WKN 878149 ); Wert circa 40 Mrd. USD) beziehungsweise großen (
ISIN US5790641063 /
WKN A0B6WS) durch Intel (
ISIN US4581401001 /
WKN 855681 ); Wert circa 7,7 Mrd. USD) zu zählen seien, dürften in naher Zukunft eher Übernahmen mit kleineren Volumina die Regel sein.
Laut Thomson Reuters seien im ersten Halbjahr 2010 40% mehr Firmenkäufe bis 500 Mio. USD Volumen durchgeführt worden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Um mehr als die Hälfte hätten die Transaktionen zugelegt, bei denen eines der beiden Unternehmen aus den Schwellenländern (Emerging Markets) stamme. Es sei davon auszugehen, dass dieser Trend anhalten werde, weil es Unternehmen die Möglichkeit eröffne, durch Übernahmen von prosperierenden lokalen Unternehmen am starken Wachstum in den Emerging Markets zu partizipieren.
Für Privatinvestoren sei es allerdings nicht einfach, potenzielle Übernahmekandidaten ausfindig zu machen. Vieles spreche aber für eine anhaltende Übernahmewelle im IT-Sektor. So würden IT-Unternehmen weltweit laut Datendienstleister FactSet über Barmittelbestände von rund 380 Mrd. USD verfügen. Da sich ihre organischen Wachstumsraten im Kerngeschäft tendenziell verringern würden, dürften sie bestrebt sein, auch über Firmenkäufe weiter zu wachsen.
Des Weiteren würden Investments in Banken, die M&A-Transaktionen begleiten würden, eine Alternative bieten. Bei der Auswahl sollte allerdings darauf geachtet werden, dass diese eine solide Bilanz aufweisen würden. Zu den Top-Playern im M&A-Geschäft würden die amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs (
ISIN US38141G1040 /
WKN 920332 ), J.P. Morgan Chase (
ISIN US46625H1005 /
WKN 850628 ) und Morgan Stanley gehören. Auch die Deutsche Bank (
ISIN DE0005140008 /
WKN 514000 ) zähle mit einem Marktanteil von 13% zu den gefragten Adressen in der Branche (Quelle: Bloomberg). Deren M&A-Abteilung habe in diesem Jahr bereits 132 Firmenkäufe im Gesamtwert von 168 Mrd. USD abgewickelt, darunter auch den Erwerb des Spezialisten für mobile Unternehmenssoftware Sybase (
ISIN US8711301007 /
WKN 882582 ) durch den Softwarekonzern SAP (
ISIN DE0007164600 /
WKN 716460 ).
Anleger sollten vor Engagements bedenken, dass es manchmal länger dauern könne, bis aus Marktspekulationen über mögliche Akquisitionen Realität werde. Das florierende M&A-Geschäft sollte neben der hohen am Markt verfügbaren Liquidität, den niedrigen Zinsen, fehlenden Anlagealternativen und der positiven Unternehmensentwicklung zu wieder anziehenden Notierungen an den Aktienmärkten führen. (01.09.2010/ac/a/m)