Bank of England in abwartender Haltung


04.02.10 14:08
Meldung
 
Hannover (aktiencheck.de AG) - Die Mitglieder des Monetary Policy Committees (MPC) haben auch in diesem Monat zwei Tage lang ihre Köpfe zusammengesteckt und über den Leitzins auf der Insel beratschlagt, so die Analysten der Nord LB.


Als wenig überraschendes Ergebnis dürfe auch im Februar vermeldet werden: Die Bank Rate für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland bleibe ein Niedrigstzins. Damit dürfte es bei der nächsten Sitzung Anfang März mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zum einjährigen Jubiläum des historisch niedrigen Niveaus kommen. Jedenfalls habe zuletzt die auftretende Einstimmigkeit darauf hingedeutet. Denn im Gegensatz zu den USA herrsche diese "unanimous decision" auf der Insel vermutlich noch vor! Die Erfahrung zeige, dass Zinsschritte auf dem Zentralbankpfad gern vorab verbal eingeläutet würden.

Gegen eine mögliche Zinserhöhung in (sehr) naher Zukunft spreche das aktuelle "Wachstum" in Großbritannien. Das vierte Quartal sei vorläufig mit einem bescheidenen Plus von 0,1% (Q/Q) vermeldet worden. Nicht nur, dass dieses zarte Pflänzchen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, mehr noch: Es könnte Ende des Monats zu einer Abwärtsrevision kommen, die unwillkommener nicht sein könnte. Bereits jetzt könne konstatiert werden, dass es sich aus sechs aufeinander folgenden Quartalen zusammengenommen um eine BIP-Schrumpfung von 6,0% handle und somit die heftigste Rezession seit Beginn der Datenaufzeichnung in UK darstelle.

Zudem erhalte das Jahr 2009 mit -4,8% einen Eintrag in die Geschichtsbücher für die heftigste jemals gemessene BIP-Kontraktion. Dies habe nicht nur die Arbeitslosenquote auf den höchsten Stand seit Ende 1996 schnellen lassen, sondern ziehe auch wegbrechende Steuereinnahmen nach sich. Gepaart mit dem beachtlichen Haushaltsdefizit wahrlich keine gesunde Mischung für eine schnelle Genesung des englischen Patienten. Ein Double-Dip-Szenario könnte drohen.

Unverändert, aber vorerst gestoppt seien die Maßnahmen des Quantitative Easings (QE) im Umfang von 200 Mrd. GBP (230 Mrd. Euro). Die sich daraus ergebende, jedoch niemals zu beantwortende Frage zum QE-Progamm dürfte lauten: Wenn 200 Mrd. GBP 0,1% Q/QWachstum generieren würden, wie schlimm wäre es ohne das Ankaufprogramm geworden? Auch wenn Wachstum sicherlich nicht primäres Ziel dieser unkonventionellen Methode sei.

Für eine moderate Zinserhöhung würden die aktuellen Inflationszahlen sprechen. 2,9% im Dezember nach 1,9% im November würden für die Januarzahlen durch die Rückkehr zum höheren Mehrwertsteuersatz nichts Gutes erahnen lassen. Ein Sprung auf über 3% scheine wahrscheinlich.

Großbritannien befinde sich in einem Zustand der Stagflation. Wenig Wachstum, viel Inflation - das seien derzeit die zwei Seiten derselben (Leitzins)Medaille. Die BoE werde sich hüten, das grad erst aufkeimende Wachstum im Ansatz zu unterdrücken. Andererseits bleibe den Zinswächtern in Anbetracht der in den kommenden Monaten wohl aus dem Ruder laufenden Inflation kaum eine andere Wahl als eine baldige Zinserhöhung durchzuführen.

Die Analysten würden daher davon ausgehen, dass nicht mehr allzu viel Wasser die Themse hinabfließen werde, bis die Bank Rate moderat höher notiere. Des Weiteren würden sie perspektivisch das Britische Pfund Sterling mit Aufwertungspotenzial als Profiteur einer solchen Entscheidung sehen, z.B. gegenüber dem Euro. Die Analysten würden für die kommenden Monate eine Schwankungsbreite von 1,11 bis 1,21 Euro pro Pfund erwarten. (04.02.2010/ac/a/m)


 

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