Hannover (aktiencheck.de AG) - Das Betätigungsfeld der international orientierten Baukonzerne ist traditionell vielfältig, so die
Analysten der Nord LB.
Die Angebotspalette umfasse das klassische Baugeschäft in den Bereichen Hoch-, Tief- und Infrastrukturbau. Hinzu komme der Dienstleistungsbereich (z.B. Bauplanung, Logistik, Asset Management, Facility Management, Industrial Services sowie das Versicherungsgeschäft), der immer wichtiger werde. Eine wichtige Geschäftssparte sei auch der Bereich Konzessionen bzw. Betreiberprojekte. Dazu würden z.B. die Geschäftsfelder Mautstraßen, Soziale Infrastruktur/Öffentlicher Hochbau, Flughäfen, sowie weitere Public-Private-Partnership (PPP)-Projekte zählen.
Vor dem Hintergrund der amerikanischen Immobilienkrise sei auch die Baubranche weltweit stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Trotzdem habe sich der Umsatz- und Ertragsrückgang der Baukonzerne im ersten Halbjahr 2009 in Grenzen gehalten. Teilweise habe es sogar Verbesserungen gegeben. Deutlich gestützt würden die Geschäftsaktivitäten der Bauunternehmen durch die Konjunkturprogrammen der Regierungen sowie den verstärkten Ausbau der Dienstleistungssparten.
Im Vorfeld der Jahresergebnisse sei die Lage der meisten international orientierten Baukonzerne vergleichsweise gut. Die weltweite Wirtschaftskrise habe zwar auch die Bauwirtschaft erfasst. Die Branche profitiere jedoch in zunehmendem Maße von den staatlichen Konjunkturprogrammen. Der Bau komme damit - verglichen mit anderen Industriebereichen - noch "mit einem blauen Auge" davon. Die Aktienkurse der großen Bauunternehmen (z.B. Bilfinger Berger und HOCHTIEF) hätten sich in den letzten Monaten sogar besser entwickelt als die entsprechenden Indices. Ein Großteil der neuen Aufträge sei wie immer aus dem Ausland gekommen, womit sich die starke internationale Positionierung wieder einmal ausgezahlt habe. Ertragsstützend sei auch die Fokussierung auf das Dienstleistungsgeschäft.
Die Konjunkturprogramme der Bundesregierung würden langsam Wirkung in der Baubranche zeigen. Darauf weise der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hin. Danach sei der baugewerbliche Umsatz im November 2009 nur leicht zurückgegangen (nominal -0,3%), die Auftragseingänge hätten sogar leicht im Plus gelegen (nominal +0,1%, real +0,5%). Für die Monate Januar bis November ergebe sich jedoch weiterhin ein Umsatz- bzw. Auftragsminus von nominal 4,2% bzw. 6,3%.
Der Öffentliche Bau sei auch im November die wichtigste Stütze der Baukonjunktur gewesen. Hier habe es ein Auftragsplus von nominal 7,1% gegeben. Über den gesamten Zeitraum von Januar bis November seien die Auftragseingänge um 2,6% gestiegen. Inzwischen würden die Aufträge bei den Bauunternehmen auch umsatzwirksam: Die Betriebe hätten im November für den Öffentlichen Bau ein Umsatzplus von 7,8% ausgewiesen (Jan. bis Nov.: +3,1%). Die Belebung sei dabei vor allem aus dem Öffentlichen Hochbau gekommen. Der Auftragseingang habe um 27,6% (Jan. bis Nov.: -1,3%), der Umsatz um 18,7% (Jan. bis Nov.: 8,4%) über Vorjahr gelegen. Optimistisch stimme auch, dass von Januar bis November das Baugenehmigungsvolumen, gemessen an den veranschlagten Baukosten, um 34,2% gestiegen sei.
Der Wirtschaftsbau stecke weiter in der Krise, auch wenn sich das Tempo der Abwärtsentwicklung verringert habe: Die Auftragseingänge seien im November um 6,0% zurückgegangen und damit das vierzehnte Mal in Folge gesunken. Für die ersten elf Monate ergebe sich ein Orderminus von 15,9%. Stabilisiert habe sich der Wohnungsbau, wo der Auftragseingang im November mit nominal 2,2% im Plus gelegen habe (Jan. bis Nov.: -1,2%) und die Baugenehmigungen sogar um 19% angestiegen seien (Jan. bis Nov.: -0,2%).
Der gescheiterte Börsengang der Sparte Consessions habe HOCHTIEF kaum geschadet, obwohl ein Platzierungsvolumen zwischen EUR 880 Mio. und EUR 1,0 Mrd. geplant gewesen sei. Als erkennbar gewesen sei, dass dieser Erlös - nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Dubai-Krise - nicht habe erzielt werden können, habe der Vorstand konsequenterweise die Reißleine gezogen. Trennen wolle sich auch Bilfinger Berger von einem Großteil des riskanten und schwankungsanfälligen Baugeschäfts (überwiegend in Australien). Der Erlös (ca. EUR 800 Mio.) aus dem Börsengang solle in das margenträchtigere Dienstleistungsgeschäft fließen. Erst kürzlich sei der österreichische Industrie- und Kraftwerksdienstleister MCE übernommen worden. Das Schuldenmanagement bei HeidelbergCement mache große Fortschritte, so dass der Wert sogar als potenzieller DAX-Kandidat gehandelt werde.
Die Aktien der Baubranche würden sich nach einem zehnmonatigen stabilen Aufwärtstrend nun eher in einer Konsolidierungsphase befinden. Auch wenn mit dem vergleichsweise hohen Kursniveau bereits teilweise die vermeintlich gute Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten vorweggenommen werde, würden sich die Bewertungen und damit auch das Risiko für diese Titel noch in Grenzen halten. Die steigenden Chancen in Schwellenländern, insbesondere im asiatischen Raum, würden das Bild hier noch abrunden. Per saldo bleiben die Analysten der Nord LB daher für den Sektor positiv gestimmt, obwohl das Rückschlagspotenzial bzw. die hohe Volatilität der Bau-Aktien nicht unterschätzt werden sollte. (04.02.2010/ac/a/m)