Britisches Pfund spürbar unter Druck


10.03.10 14:25
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Als die Sorgen um Griechenland und andere Schuldner am Devisenmarkt in den Fokus rückten, konnte das Britische Pfund zunächst noch gegenüber dem Euro zulegen, so die Analysten der Helaba.


Mittlerweile stehe aber die britische Währung spürbar unter Druck. Der Euro/Pfund-Kurs sei über 0,90 gestiegen, gegenüber dem US-Dollar sei die Abwertung noch stärker ausgefallen. Zur Verkaufswelle des Pfund Sterling hätten wohl auch die neuesten Wahlumfragen in Großbritannien beigetragen. Eine fehlende klare Mehrheit könnte die Haushaltskonsolidierung erschweren. Dadurch würden die Ängste vor einer Zahlungskrise des britischen Staates wachsen. Erinnerungen an Griechenland oder auch die eigene Vergangenheit in den siebziger Jahren würden aufkommen. Darüber hinaus könnte die Bank of England dann zur Haushaltsfinanzierung das Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen und dadurch mittelfristig Inflation erzeugen.

Die Gefahr des Staatsbankrotts sei in Großbritannien gering. Eine merklich höhere Inflation sei zwar mittelfristig möglich, aber keinesfalls gesichert. Es gebe aber noch andere Argumente, weshalb Großbritannien merklich besser als Griechenland da stehe. Griechenland leide unter einer massiven Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit. Dies zeige sich an dem hohen Leistungsbilanzdefizit rund 10% am Bruttoinlandsprodukt. Zwar weise auch Großbritannien hier einen Fehlbetrag auf. Die Leistungsbilanz liege aber nur gut 1% im Minus. Außerdem sei das Land zu einem deutlich geringeren Anteil im Ausland verschuldet.

Großbritannien habe im Gegensatz zu Griechenland die Möglichkeit, seine Währung gegenüber den wichtigsten Handelspartnern abwerten zu lassen und damit das Außenhandelsdefizit noch weiter zu reduzieren. Dieses Argument spreche dafür, dass sich Großbritannien auf die Dauer von der Krise erholen könne. Die Option einer Währungsabwertung müsse das Land im Grunde auch nicht mehr ziehen, denn sie sei schon gezogen worden. Das Pfund habe seit 2007 handelsgewichtet gut 27% an Wert verloren. Die Anpassung von Wechselkursänderungen auf den Gütermärkten erfolge zumeist zeitverzögert. Deshalb könnte die bisherige Abwertung schon ausreichen, um das Außenhandelsdefizit Großbritanniens entscheidend zu verringern. Gemäß Kaufkraftparitäten sei der Euro-Pfund-Kurs zu hoch. Deshalb sollte sich das britische Leistungsbilanzdefizit weiter verringern.

Bis zu den Wahlen werde sich das Pfund vermutlich recht volatil entwickeln; einzelne Wahlumfragen könnten die Wechselkurse beeinflussen. Richtungweisend für das Pfund Sterling werde aber erst der Amtsbeginn einer neuen Regierung sein. Dann zeige sich, wie intensiv diese - ob nun Allein- oder Koalitionsregierung - die Haushaltskonsolidierung vorantreibe. Sollte diese aus Sicht des Marktes unzureichend ausfallen, würde das Pfund unter Druck geraten. Allerdings gehe man davon aus, dass merkliche Sparmaßnahmen vorgenommen würden und dass die Notenbank keine zusätzlichen Käufe vornehmen werde. Die Ängste dürften sich im Jahresverlauf vermindern und das Pfund sowohl gegenüber Euro als auch US-Dollar aufwerten. Der Euro/Pfund-Kurs könnte am Jahresende bis auf 0,83 zurückgehen. Großbritannien sei eben nicht Griechenland. (10.03.2010/ac/a/m)


 

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