Wien (aktiencheck.de AG) - In China verdichten sich die Argumente für eine baldige Zinserhöhung, so die
Analysten der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB Österreich).
Laut Umfrage einer Notenbankstudie seien 50% der Haushalte mit den derzeitigen Preissteigerungen nicht zufrieden. Die Realverzinsung auf Spareinlagen sei mit dem letzten Preisanstieg ins Minus gerutscht: 2,25% Einlagenzinsen, 2,7% mache der letzte Inflationswert aus.
Die historischen Zeitreihen würden zeigen, dass negative reale Einlagenzinsen Zinserhöhungen zur Folge hätten. Zudem werde die 3%-Grenze, die von der Notenbank vorgegeben werde, in den nächsten Monaten überschritten werden. Auch die Inflationserwartungen seien weiter nordwärts gerichtet, wenngleich das Ausmaß abgenommen habe.
Dass Zinserhöhungen von 27 oder 54 Basispunkten bei Wachstumsraten zwischen 8 und 10% und einem Basisausleihesatz von 5,31% effektiv wenig ausrichten würden, liege auf der Hand. Die effizientere Form der geldpolitischen Steuerung finde über die Liquiditätssteuerung via Mindestreserven und über die direkte Kreditkontrolle statt, und diese Instrumente seien bereits seit Jahresanfang im Einsatz.
Dass eine Zinserhöhung dennoch im ersten Moment einen Aufschrei in den internationalen Medien verursachen und die Ängste vor einem abrupten Wachstumsrückgang intensivieren werde, liege nahe. Das regierungsnahe Research-Institut bestätige hingegen, dass das BIP-Wachstum dieses Jahr im Schnitt über 9,0% liegen dürfte. Das Exportwachstum werde mit durchschnittlich 10% angenommen, eine Untergrenze von dem, was laut Handelsminister verkraftbar sei.
Die jüngst veröffentlichten Daten für Februar würden insgesamt für eine leichte Abschwächung des Wachstums sprechen (sollte jene Prognostiker, die eine Überhitzung sehen würden, beruhigen). Die Daten seien aber mit Vorsicht zu interpretieren, da der Neujahrseffekt in diesen Zeitraum falle.
Skeptisch zum Thema Wachstum habe sich auf dem letzte Woche zu Ende gegangenen National People's Congress geäußert: Die Wirtschaftslage werde als kompliziert eingestuft: externe Risiken, gepaart mit Überkapazitäten in einigen Sektoren, Druck am Arbeitmarkt bei gleichzeitiger struktureller Arbeitsverknappung etc. würden die Regierungsbehörden bei ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung (proaktive Fiskalpolitik und moderate Geldpolitik) bleiben lassen. Der Schwerpunkt sei auf die strukturelle Balance verschoben worden (Stärkung des Privaten Konsums).
Das Budgetdefizit werde sich im Jahr 2010 weiter ausweiten (von CNY (Chinesischer Yuan) 750 Mrd. 2009 auf CNY 850 Mrd. 2010). Das Defizit der lokalen Gebietskörperschaften solle gleich bleiben. Investitionsprojekte, die 2009 initiiert worden seien, würden aufrecht bleiben; der Förderschwerpunkt dürfte auf die ländlichen Gebiete verlagert werden.
Das Inflationsziel sei von 4,0% auf 3,0% reduziert worden. Das Ziel der Kreditvergabe sei bei CNY 7,5 Bio bestätigt worden, M2 solle mit 17% wachsen. Schwerpunkt der Kreditvergabe solle beim landwirtschaftlichen Sektor und den kleineren Unternehmen liegen.
Währungspolitisch habe Premier Wen festgelegt, den Yuan grundsätzlich stabil halten zu wollen. Er wehre sich jüngst einmal mehr gegen den internationalen Druck zur Währungsanpassung: "Der Yuan sei fair bewertet." 2009 sei dieser Punkt nicht angesprochen worden, 2008 sei festgehalten worden, die Yuan-Flexibilität erhöhen zu wollen. Der Handelsminister spreche von einer graduellen, kontrollierten Aufwertung. Die deutlichsten Signale habe die Notenbank geliefert, die eine Währungsanpassung von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig mache.
Die Aussagen innerhalb der Währungsverantwortlichen zum Thema Aufwertung würden nach wie vor differieren, ein exaktes Timing des Abgehens von der derzeitigen Währungspolitik könne daraus nicht abgeleitet werden. Man rechne mit dem Beginn einer graduellen Aufwertung ab dem zweiten Halbjahr 2010. (18.03.2010/ac/a/m)