Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Was wurde vor dem Beginn der aktuellen Quartalssaison nicht alles gesagt und geschrieben - auch von uns: Die Unternehmen müssten die Vorschusslorbeeren rechtfertigen und die gestiegenen Kurse mit ebenfalls gestiegenen Gewinnen untermauern, so die Experten vom "
DAXVestor".
Nun würden viele Unternehmen nicht nur im Rahmen der Erwartungen berichten, sondern diese zum Teil sogar deutlich übertreffen. Manche Unternehmen würden sogar ihre Prognosen für das laufende und das nächste Geschäftsjahr erhöhen. Dennoch würden die Aktienmärkte angeschlagen bleiben.
Dabei sei auffällig, dass vor allem die Tech-Werte mit guten Zahlen auftrumpfen könnten. Ob Nokia, Microsoft, Intel oder jetzt Cisco Systems: Eine ganze Reihe von Unternehmen habe die Erwartungen des Marktes übertroffen. Der ehemalige Musterdepotwert der Experten, Cisco Systems, habe das zweite Geschäftsquartal besser abgeschlossen als erwartet. Mit 1,9 Mrd. USD sei der Gewinn um fast ein Viertel gestiegen, während der Umsatz um acht Prozent auf 9,8 Mrd. USD angewachsen sei. Cisco-Chef John Chambers habe die Zahlen mit dem Satz kommentiert, dass die zweite Phase der wirtschaftlichen Erholung begonnen habe.
Vermeintlich konservative Unternehmen wie etwa der US-Pharmakonzern Pfizer hätten dagegen Enttäuschungen publizieren müssen. Der Viagra-Konzern habe im vierten Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,10 USD und einen Umsatz von 16,5 Mrd. USD verbucht. Während der Umsatz über den Erwartungen gelegen habe, habe der Gewinn die Prognosen der
Analysten deutlich verfehlt. Ein weiterer Tiefschlag sei zudem der verhaltene Ausblick des Unternehmens.
Auch hierzulande habe es bemerkenswerte Unternehmenszahlen gegeben, allen voran von der Deutschen Bank. Das Finanzinstitut habe mit einem unerwartet hohen Milliardengewinn überrascht. Im vierten Quartal sei dank des Investmentbankings und einer Steuergutschrift ein Nettogewinn von 1,3 Mrd. Euro erzielt worden. Analysten hätten ein Nettoergebnis von im Schnitt 650 Mio. Euro erwartet. Im Gesamtjahr habe die Deutsche Bank 5,4 Mrd. Euro nach einem Verlust von knapp vier Mrd. Euro 2008 verdient.
Allerdings habe Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf die rhetorische Bremse getreten. Die hohen Margen würden nicht so schnell wiederkehren, ebenso das günstige Marktumfeld. Das habe der Aktie nicht gut bekommen, ebenso wie Analystenkommentare, die nach dem Haar in der Suppe gesucht und es im Eigenhandelsergebnis offenbar gefunden hätten.
Die Tatsache, dass man auch bei augenscheinlich guten Zahlen solange nach dem Haken suche, bis man diesen auch finde, zeige, dass das Risikobewusstsein weiterhin sehr ausgeprägt sei. Eine Mitschuld daran trage das Haushaltsdesaster in Griechenland, das den Euro belaste und eine Kettenreaktion in anderen Wackelländern wie Portugal, Spanien, Italien und Irland auslösen könnte. Da es ein Insolvenzrecht für Staaten nicht gebe und es auch in der EU und zwischen den Euroländern keine Vereinbarungen gebe, sei die Verunsicherung groß.
Griechenland an sich sei ein kleines Land, das den Euro wohl nicht gefährden könnte, wenn es klare Regeln für den Fall einer Staatspleite gäbe. Zwar wolle Brüssel Griechenland jetzt genauer kontrollieren, doch das ändere ja an den Verhältnissen dort nichts. Letztlich könnten sich die Griechen nur selbst helfen, da eine Hilfe der EU ein fatales Signal an die anderen Wackelkandidaten wäre. Eine Hilfe scheine nur dann sinnvoll, wenn sie für die betreffenden Länder mit so schmerzhaften Folgen verbunden wäre, dass diese auf die Hilfe nach Möglichkeit verzichten würden, so zum Beispiel den vorübergehenden Verlust der Souveränität in Haushaltsfragen.
Schon jetzt seien die Folgen sichtbar. Die betreffenden Staaten bekämen zunehmend Probleme bei neuen Anleiheemissionen. Portugal habe am Mittwoch nur kurzfristige Papiere im Volumen von 300 Mio. Euro untergebracht und nicht die geplanten 500 Mio. Euro. Der Grund sei einfach: Das Risikobarometer, die Zinsen, seien den Investoren zu niedrig gewesen.
Weder die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag noch die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag hätten positive Impulse gebracht. Dabei dürfte in Griechenland eine Eskalation vermieden werden und die Arbeitslosenquote in den USA sei überraschend von 10,0 auf 9,7 Prozent gefallen. Der DAX sei sogar unter die Unterstützungszone bei 5.480 Punkten gerutscht und könnte nun die Marke von 5.330 Punkten anvisieren.
Die guten Unternehmenszahlen würden von makroökonomischen Belastungen überlagert. An den Börsen bleibe die Lage daher angespannt. (05.02.2010/ac/a/m)