EUR/CHF rutscht weiter ab


19.03.10 12:01
Meldung
 
München (aktiencheck.de AG) - Wir könnten es uns relativ einfach machen und sagen: Die Schweiz hat die Rezession schneller als erwartet überstanden und auch haben sich die Deflationsgefahren deutlich gemindert, so die Analysten von UniCredit Research.


Diese Entwicklung habe sogar die SNB überrascht, die alsbald beginnen dürfte, ihre ultra-lockere Zinspolitik zu korrigieren. Da dieser Effekt auch durch einen festeren CHF-Wechselkurs herbeigeführt werde, könnte EUR/CHF durchaus weiter in Richtung 1,40 rutschen und diese Marke auch locker durchbrechen. Zu dieser These würde auch der gestrige Auftritt des SNB-Direktoriumsmitgliedes Danthine passen. Danthine habe auf einer Veranstaltung in Zürich gesagt, Verbraucher und Unternehmen sollten allmählich wieder auf höhere Kreditkosten und einen durch Marktkräfte bestimmten Wechselkurs einstellen.

Zu diesem Pseudoszenario passe allerdings nicht, dass die SNB nach wie vor an ihren Interventionswarnungen festhalte und diese in ihrem Statement zur geldpolitischen Lagebeurteilung sogar in den Anfangsparagraph aufgenommen habe. Gleichwohl der Interventionspassus nicht mehr die Schärfe wie im März letzten Jahres beinhalte und im Dezember 2009 modifiziert worden sei, laute er immerhin noch: Sie (die SNB) werde einer übermäßigen Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro entschieden entgegenwirken.

Gestern habe sich EUR/CHF zwischenzeitlich unter 1,44 abgeschwächt. Seit März letzten Jahres habe das Währungspaar 6,5% an Wert verloren. Man könnte zwar argumentieren, dies sei durchaus im Rahmen der Schwankungen anderer Währungspaare, obwohl EUR/CHF, wie übrigens vormals auch CHF/DEM, bislang durch relative Stabilität hervorgetreten sei. Allerdings seien von dem Wertverlust allein seit Dezember 2009 4,7% und seit 11. März, dem Tag der jüngsten geldpolitischen Sitzung, immerhin 1,7% eingefahren worden. Zumindest die letzten beiden Zahlen würden aus Sicht der Analysten dem Terminus "übermäßig" entsprechen.

Indes habe sich die SNB seit Wochen keinen Deut vom Fleck bewegt. Der Franken liege gegenwärtig nach allen denkbaren Maßstäben, diverse handelsgewichtete Indices eingeschlossen, auf Höchstniveau. Im früheren stabilen CHF/DEM-Verhältnis, das jahrelang bei 1,25 gelegen habe, entspräche der Kurs jetzt 1,36.

Wenngleich nicht nur die Analysten von UniCredit Research das Verhalten der SNB angesichts ihrer selbst gestellten Vorgaben überrascht, meinen sie weiterhin, dass sie sich daran messen lassen muss und auch wird. Wie die SNB ihren Terminus "übermäßig" selbst definiere, würden die Analysten nicht wissen. Doch wenn sie dann die Untergrenze in EUR/CHF erreicht sehe und sie "entschieden" entgegenwirke, dürfte es von dann an nur wieder eine Richtung geben. Damit würden die Analysten nicht unbedingt Kurse zwischen 1,55 und 1,60 meinen, die sich vielleicht erst wieder einstellen würden, wenn Carry-Trades Hochkonjunktur hätten und der Franken als Finanzierungswährung herhalten müsse, aber eine Rückkehr zu einem Niveau knapp unterhalb oder um 1,50 sollte dann durchaus wieder anzustreben sein.

Sofern allerdings Herr Denthines Aussagen den offiziellen Charakter der SNB-Währungspolitik repräsentieren würden, müsste die SNB ihre Interventionswarnungen normalerweise aus ihren offiziellen Stellungnahmen streichen. (19.03.2010/ac/a/m)


 

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