Hannover (aktiencheck.de AG) - Von den Tiefständen Anfang März bei 1,3550 USD konnte sich der Euro in den vergangenen Tagen wieder etwas erholen, so die
Analysten der Nord LB.
So habe die Gemeinschaftswährung wieder auf über 1,3750 USD angezogen - heute Morgen sei sogar kurzzeitig die Marke von 1,38 USD überschritten worden. Dabei sei ihr erstens zugute gekommen, dass sich die Krise um Griechenland nicht noch weiter verschärft - am gestrigen Nachmittag sogar marginal entspannt habe. Außerdem habe die Federal Reserve in ihrem gestrigen Statement im Anschluss an die FOMC-Sitzung signalisiert, dass die Leitzinsen zunächst einmal und für gewisse Zeit unverändert bleiben würden.
Bereits vor dem gestrigen Tage sei das Land der Hellenen etwas aus dem direkten Schussfeld der Marktakteure geraten, nachdem die Refinanzierungen bisher nach Plan verlaufen seien. Als ein weiterer Grund für die gewisse Entspannung um Griechenland sei die gestern Nachmittag erfolgte Ankündigung von S&P aufzuführen, das Land zunächst einmal wieder von der Watch List zu nehmen. Zudem habe die Gemeinschaftswährung eine Unterstützung durch den Hinweis des Luxemburgischen Finanzministers Jean-Claude Juncker erfahren. Er sei nach dem vorgelegten Rechenschaftsberichts der Griechen zuversichtlich, dass die Griechen keine Hilfen der anderen Länder in Anspruch nehmen werden müssten.
Auch der EZB-Notenbanker Axel Weber habe den griechischen Haushaltsplan für "glaubwürdig" gehalten. Die Diskussionen um einen möglichen Bailout-Plan, der unter anderem von Deutschland abgelehnt worden sei, hätten damit keine neue Nahrung erhalten. Insofern habe beim Euro in USD eine nicht zuletzt auch technisch motivierte gewisse Gegenbewegung zu der Abwärtstendenz der letzten acht Wochen eingesetzt, wobei sicherlich auch Gewinnmitnahmen von einigen Marktakteuren durchgeführt worden seien.
Während in Europa eurofreundliche Nachrichten bekannt geworden seien, könne nicht davon gesprochen werden, dass auch auf der anderen Seite des Atlantiks für eine Unterstützung für die Gemeinschaftswährung gesorgt worden sei. Die veröffentlichten US-Daten hätten nämlich nicht unbedingt für die erfolgte Abwertung des US-Dollars gesprochen. Schließlich seien in den USA die Einzelhandelsumsätze für den Monat Februar mit einem Plus von 0,3% M/M besser als befürchtet ausgefallen - besonders vor dem Hindergrund der im letzten Monat wütenden Schneestürme. Gleiches habe für die Industrieproduktion gegolten, die mit einem Plus 0,1% den achten Monat in Folge habe zulegen können.
Auch die Umfrage der New Yorker FED unter Unternehmen des Verarbeitenden Sektors in der Region habe eine anhaltende Aufhellung der Stimmung signalisiert. Diese moderat positive Einschätzung zur US-Konjunktur werde auch von dem gestern Abend veröffentlichten FOMC-Statement untermauert. Zwar habe es keine ganz so großen Änderungen im Vergleich zum Statement von vor sieben Wochen gegeben, doch beim Arbeitsmarkt und vor allem bei den Investitionen hätten sich die US-Notenbanker zunehmend optimistischer gezeigt.
Damit seien vom amerikanischen Konjunkturbild vorerst keine Hinweise für eine fundamental gerechtfertigte Wende bei der Einschätzung für den Euro in US-Dollar auszumachen. Die Federal Reserve werde - deutlich früher als die EZB - eine geldpolitische Wende in Form einer Zinsanhebung durchführen. Dabei dürfte zunächst der Diskontsatz auf 1,00% oder 1,25% angehoben werden, und ab Juni sei dann auch mit einer Anpassung beim derzeit wichtigsten US-Leitzins, dem Einlagensatz, zu rechnen. Die EZB dürfte dagegen noch viel länger mit einer geldpolitischen Wende warten, da erstens das Konjunkturbild schlechter aussehe und zweitens die Inflation ein weitaus geringeres Problem darstelle.
Die Analysten der Nord LB bleiben insofern bei ihrer Einschätzung, dass sich die Abwertung des Euro in den kommenden Monaten in einem deutlich gemäßigteren Tempo als in den vergangenen Monaten aber trotzdem weiter fortsetzen wird. Sie würden den Euro in zwölf Monaten bei unveränderten 1,32 USD erwarten. (17.03.2010/ac/a/m)