München (aktiencheck.de AG) - Die vorübergehende Ruhe an den Devisenmärkten hat sich gestern den von den
Analysten von UniCredit Research verliehenen Zusatz "trügerisch" wahrlich verdient.
Zunächst habe der recht nette Stimmungsaufschwung bei den Einkaufsmanagern des Service-Sektors in der Eurozone das Währungspaar EUR/USD über 1,40 gehievt. Danach sei das Abnicken des griechischen Sparprogramms durch die EU-Kommission gefolgt, freilich mit dem Zusatz, das Land müsse zu weiteren Einschnitten bereit sein und alle zwei bis drei Monate über die Fortschritte des Schuldenabbaus berichten.
Genau genommen hätten die Märkte mit den Stellungnahmen des EU-Wirtschaftskommissars Almunia nichts Rechtes anzufangen gewusst. Einerseits seien bereits zu Wochenanfang einzelne Auflagen der EU-Kommission durchgesickert, so z. B. die Kosten im öffentlichen Dienst drastisch zu kürzen. Andererseits wisse im Grunde genommen jeder, der eins und eins zusammenzählen könne, dass Griechenland das ehrgeizige Ziel, die Neuverschuldung innerhalb lediglich drei Jahren von 12,7 auf 2,8% zu senken, vorsichtig gesagt, kaum erreichen könne. Da würden Anspruch und Realität wohl doch einigermaßen weit auseinander klaffen; etwa vergleichbar mit dem Ansinnen einer mittelmäßigen Bundesliga-Mannschaft, wie beispielsweise dem HSV, noch dieses Jahr um die deutsche Meisterschaft mitspielen zu wollen.
Außerdem, und das könnten die Analysten an dieser Stelle immer nur wieder extra betonen, würden sich die Zweifel hinsichtlich eines probaten Defizitsmanagements nicht nur um Griechenland, sondern um die ganze EWU-Peripherie ranken. Die Analysten würden davon ausgehen, dass sich die Devisenmärkte in Bezug auf diese Thematik letztlich am Urteil der Rating-Agenturen orientieren würden. Eine latente Belastung für den Euro würden die Verschuldungsproblematiken aber allemal bleiben. Dies möge ein Grund für die späteren Kursverluste in EUR/USD am gestrigen Tag gewesen sein.
Ein anderer Grund für die erneute Destabilisierung von EUR/USD sei der abermals einsetzende Dollar-Zuspruch gewesen, nachdem ADP einen Stellenabbau in der Privatwirtschaft von lediglich 22k veröffentlicht habe. Diese Zahl habe den Märkten Hoffnung gemacht, dass es im Falle eines Stellenaufbaus im öffentlichen Dienst zum Zwecke einer geplanten Volkszählung in den USA bei einem Jobzuwachs insgesamt bleibe.
Die Kombination aus latenter Euro-Schwäche aufgrund der Defizitproblematik in den PIGS und des grundsätzlichen Dollar-Zuspruchs angesichts der Hoffnung auf einen verbesserten US-Arbeitsmarktbericht dürfte das Handelsgeschehen in EUR/USD auch heute bestimmen. Mit einer wiederholten Annäherung an die Marke von 1,40 rechnen die Analysten von UniCredit Research vor Bekanntgabe des morgigen US-Arbeitsmarktberichts nicht mehr. Umwerfend neue geldpolitische Erkenntnisse werde uns Herr Trichet heute ebenfalls nicht vermitteln. Sehr wohl aber werde er der leidigen Defizitdiskussion allein in Anbetracht der aufkommenden Reporterfragen nicht ausweichen können. In der Tat reiche in der gegenwärtigen Stimmungslage schon ein Aufgreifen dieses Themas aus, um weiter am Image des Euro zu kratzen. Weitere Kursverluste seien daher heute recht wahrscheinlich.
Wie die Analysten bereits am Dienstag erwähnt hätten, finde heute auch die MPC-Sitzung der BoE statt. Hier stünden natürlich (noch) nicht etwaige Leitzinsdiskussionen oder gar Zinsentscheidungen im Mittelpunkt, sondern es gehe aus Sicht der Märkte einzig und allein um die Frage, ob das Programm zum Ankauf von britischen Staatsanleihen fortgesetzt und damit ausgeweitet oder beendet werde. Je nachdem, wie der Beschluss zur quantitativen Lockerungspolitik ausfalle, würden die Analysten EUR/GBP Ende der Woche entweder am oberen oder unteren Ende der gegenwärtigen Trading-Range von 0,8610 bis 0,8820 erwarten.
Ihre Zinsen erwartungsgemäß unverändert gelassen habe gestern die Norges Bank. Die Zentralbank habe zudem betont, dass eine sehr feste Landeswährung weitere Zinsanhebungen zumindest verzögern, wenn nicht sogar den einen oder anderen Schritt erübrigen könnte. Andererseits habe Norwegens Finanzminister gemeint, man solle sich auf weitere Zinsanhebungen einstellen. Die Analysten von UniCredit Research rechnen mit einer Anhebung auf 2,00% für den 24. März. (04.02.2010/ac/a/m)