EWU-Peripherie lässt den Euro bröckeln


08.02.10 13:16
Meldung
 
München (aktiencheck.de AG) - Das Massaker an den Devisenmärkten gegenüber dem Euro wurde am Freitag fortgesetzt, so die Analysten von UniCredit Research.


Das klinge zwar recht martialisch, aber jede andere Beschreibung würde der Stimmungslage nicht annähernd gerecht werden. Zunächst sei alles noch recht zahm verlaufen, habe doch die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichtes im absoluten Fokus des Marktinteresses gestanden. Die veröffentlichten Zahlen, eine Arbeitslosenrate von 9,7% (anstatt 10%), 20k Stellenstreichungen (anstatt eines Zuwachses von 20k) und eine Korrektur des Vormonates von -85k auf -150 seien insgesamt weder ein Grund gewesen, die US-Zinsfantasie anzuheizen noch die globale Risikoaversion zu beschleunigen.

So schienen sich die Marktteilnehmer dann auch für eine Bodenbildung in EUR/USD zu entscheiden, ohne jedoch besonders aggressiv in die Gegenrichtung zu tendieren, so die Analysten von UniCredit Research. Wie vermutet, habe der USD-Zuspruch etwas nachgelassen. Im späteren Tagesverlauf hätten sich die Marktteilnehmer dann jedoch für eine weitere Attacke gegen den Euro entschieden, die dem Währungspaar voll die Luft abgedrückt habe. Auch EUR/JPY sei komplett unter die Räder geraten.

Da diese Woche mit Einzelhandelsumsätzen und Uni Michigan-Index nur zwei relevante US-Daten auf dem Kalender stünden, gelte die ganze Aufmerksamkeit erneut dem EWU-Defizitdesaster. Natürlich spiele das Thema Griechenland als auslösender Faktor eine wesentliche Rolle. Nur kämen die Märkte mit Griechenland allein nicht mehr weiter. Einerseits gelte es die Entwicklung des angekündigten Reformkurses abzuwarten, andererseits sei jedem halbwegs normal denkenden Menschen die Ausweglosigkeit des Ansinnens einer starken Defizitreduktion völlig klar, und drittens würde selbst eine komplette Pleite Griechenlands den Euro nicht aus den Angeln heben.

Daher hätten sich die Märkte schon seit einigen Tagen an der Ansteckungstheorie festgebissen and die gesamte geographische EWU-Peripherie aufs Korn genommen, einschließlich des Halbschwergewichtes Spanien und des Schwergewichtes Italien. Ungeachtet der Tatsache, dass man die unterschiedlichen Defizitstrukturen und die Ursachen der einzelnen Budgetschieflagen kaum miteinander vergleichen könne, werde vermutlich die EWU einschließlich der gemeinsamen Währung noch einige Zeit lang fortwährend abgestraft.

Hier würden auch handelstechnische Faktoren eine Rolle spielen, die bereits in den vergangenen Tagen so genannte "Schläge" bei den Europaritäten verursacht hätten. Das seien z. B. Optionsfälligkeiten, Stop/Loss-Orders oder die Signalfunktionen der zahlreichen im Einsatz befindlichen Cross-Asset-Handelsmodelle. Das heiße, dass z. B. im Falle eines Rückgangs in den Rohstoffpreisen, oder bei leicht schwächeren Aktienkursen, oder anziehenden Volatilitäten, sofort ein Verkaufssignal für EUR/USD oder EUR/JPY ertöne und alle Modelle dieser Welt dann sozusagen Euro "schütten" würden. Für rationale Entscheidungen bleibe somit immer weniger Zeit. Es sei denn, es komme zu einem Wash-Out, in dessen Folge dann in der Tat erst einmal Neuorientierung angesagt sei.

Anhaltend fragile Aktienmärkte, weiterhin steigende Renditeaufschläge und Risikospread-Ausweitungen für Staatsanleihen der Peripherie-Staaten dürften als anhaltende Begleitumstände für ein weiteres Abgleiten bei EUR/USD fungieren. Als psychologische Zielzonen hätten die Marktteilnehmer zunächst die Werte von 1,35 und 120 (EUR/JPY) im Blickfeld. (08.02.2010/ac/a/m)


 

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