Hannover (aktiencheck.de AG) - Die Analysten der Nord LB stufen den Einzelhandel weiterhin mit "neutral" ein.
Der Einzelhandel vertreibe seine Waren an den Endverbraucher.
Dabei reiche die Spanne von Vollsortimentern wie Warenhäusern bis zum spezialisierten Fachhandel. Zum Einzelhandel im engeren Sinne würden Geschäfte gehören, die Lebensmittel, Bekleidung, Kosmetik, Sportartikel, Elektronik, Bücher usw. anbieten würden. Zum Einzelhandel im weiteren Sinne würden außerdem noch der KfZ-Handel, Tankstellen und Apotheken gerechnet. Unterschieden werde außerdem noch zwischen dem stationären Handel und dem Versandhandel, zu dem auch der Internethandel und das Tele-Shopping gehören würden.
In den letzten 15 Jahren habe der Anteil des Einzelhandels an den gesamten Konsumausgaben stetig abgenommen. So habe der Anteil in Deutschland im Jahr 1995 noch bei 35,2% gelegen und in 2009 nur noch 28,4% erreicht.
Vom Konjunktureinbruch sei der Einzelhandel nur unterdurchschnittlich und zeitverzögert tangiert worden. Allerdings erfolge auch die Nachfragerholung später und mit geringerem Schwung als in anderen Branchen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sei der deutsche Einzelhandelsumsatz im Juli nach vorläufigen Angaben im Vorjahresvergleich um nominal 2,4% und real um 0,8% gestiegen. Gegenüber dem starken Vormonat habe sich ein leichter Rückgang um nominal 0,1% und real 0,3% ergeben. In den ersten sieben Monaten 2010 hätten die Umsätze nominal um 1,9% und real um 0,9% zugenommen. Nachdem bis November 2009 die Einzelhandelspreise rückläufig gewesen seien, würden sie seitdem wieder anziehen. Durch eine Umstellung der Statistik im Juni, durch die die Angaben wesentlich repräsentativer würden, hätten sich die Zuwachsraten deutlich erhöht. Für die ersten sechs Monate 2010 habe die Wachstumsrate nominal wie real um 1,3 Prozentpunkte höher als nach der alten Berechnungsweise gelegen.
Überraschend gut entwickle sich weiterhin der deutsche Arbeitsmarkt. Im August 2010 sei die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 17.000 auf 3,188 Mio. gesunken. Dies seien 283.000 weniger als ein Jahr zuvor gewesen und entspreche einer Arbeitslosenquote von 7,6%. Damit liege die Zahl der Beschäftigungslosen wieder auf dem Niveau von vor der Krise. Auch die Zahl der Erwerbstätigen und der gemeldeten freien Stellen habe sich bis zuletzt weiter erhöht. Da im zweiten Halbjahr 2010 und im kommenden Jahr mit einer Abflachung des zuletzt sehr starken Wirtschaftswachstums gerechnet werde, dürfte sich die Verbesserung am Arbeitsmarkt aber verlangsamen. Die Volkswirte der Nord LB würden nach einer Arbeitslosenquote von 8,2% im Vorjahr für 2010 von 7,7% und im nächsten Jahr von 7,4% ausgehen.
Seit einem Zwischentief im März bei 3,2 habe sich der GfK-Konsumklimaindex wieder erholen können. Im August sei er von 3,7 auf 4,0 geklettert. Deutlich verbessert hätten sich vor allem die Konjunkturerwartungen, die sich um 9,8 gegenüber dem Vormonat und um 54,1 im Vorjahresvergleich auf 46,6 erhöht hätten. Das überraschend starke Wirtschaftswachstum im 2. Quartal und die anhaltend positive Entwicklung am Arbeitsmarkt dürften sich hier widerspiegeln. Die Einkommenserwartungen hätten gegenüber Juli um 6,9 und im Vergleich zum Vorjahr um 27,2 auf 36,0 zugenommen. Hier dürften die Zunahme der Beschäftigung, die Abnahme der Kurzarbeit, wieder höhere Lohnforderungen der Gewerkschaften und die anhaltend günstige Preisentwicklung die Stimmung positiv beeinflusst haben.
Die Anschaffungsneigung sei mit 27,9 konstant, aber 3,2 unter dem Vorjahresstand geblieben. Der langjährige Durchschnittswert liege aber nur bei 0. Offenbar würden die Konsumenten dem Aufschwung wegen auslaufender Konjunkturprogramme, Sparmaßnahmen der Regierung und der schwachen Konjunkturmeldungen aus den USA, Japan und Südeuropa, die den Export beeinträchtigen könnten, noch nicht völlig trauen und ihr Geld lieber zusammen halten. Für September werde ein weiterer leichter Anstieg des GfK-Konsumklimaindex auf 4,1 prognostiziert.
Während sich der ifo-Konjunkturklimaindex in den letzten zwölf Monaten stetig verbessert habe, habe der Teilindex für den Einzelhandel lange Zeit hinter dieser Entwicklung hergehinkt. Erst in den letzten zwei Monaten habe er sich spürbar erholen und wieder Anschluss an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung finden können. Im August sei er auf 9,1 nach 3,8 im Juli und -9,8 im Juni gestiegen. Hier könnten die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt, das aufgehellte Konsumklima und das bessere Wetter eine Rolle spielen.
Der spätzyklische Einzelhandel scheine den Tiefpunkt der Umsatzentwicklung inzwischen hinter sich gelassen zu haben. Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt, niedrige Inflationsraten und ein aufgehelltes Konsumklima würden sich positiv auswirken. Auf der anderen Seite habe sich die Anschaffungsneigung der Konsumenten wegen der unsicheren konjunkturellen Aussichten noch nicht verbessert, und die volkswirtschaftlichen Prognosen würden für den privaten Konsum weiterhin eine deutlich schwächere Entwicklung als für die Gesamtwirtschaft voraussagen. Auch in Osteuropa, wo einige börsennotierte Einzelhandelskonzerne stark engagiert seien, würden die kurz- und mittelfristigen Aussichten nicht sehr viel versprechend erscheinen. Die Analysten würden bei ihrer neutralen Brancheneinschätzung bleiben. (01.09.2010/ac/a/m)