Wien (aktiencheck.de AG) - Das BIP konnte in der Eurozone im vierten Quartal um nur 0,1% gegenüber dem relativ starken dritten Quartal, das teilweise durch temporäre Effekte (PKW-Umweltprämie) unterstützt war, verbessert werden und blieb so unter den Erwartungen von +0,3%, so die
Analysten der Erste Bank.
Während die Konsumausgaben der privaten Haushalte gegenüber dem Q3 unverändert geblieben seien, hätten sich die Investitionen weiter verringert. Da sich die Importe (+0,9%) weniger stark erhöht hätten als die Exporte (+1,7%), hätten die Nettoexporte einen positiven Beitrag zum BIP liefern können.
Betrachte man die zuletzt veröffentlichten volatilen Makrodaten, so erkenne man, dass die wirtschaftliche Erholung nur äußerst langsam voranschreite. Die Endnachfrage sei immer noch nicht robust. Die Einzelhandelsumsätze hätten im Januar im Jahresvergleich noch keine positive Wachstumsrate verzeichnen können und auch gegenüber Dezember (m/m) habe sich das Absatzvolumen des Einzelhandels um 0,3% reduziert.
Während der Absatz von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren im Januar 2010 gegenüber Dezember nur mit -0,1% rückläufig gewesen sei, habe der Nicht-Nahrungsmittelsektor mit -0,6% noch stärkere Rückgänge hinnehmen müssen. Nach dem Wegfall der PKW-Umweltprämie in einigen Eurozone-Mitgliedsländern im Spätherbst und dem Weihnachtsgeschäft habe das neue Jahr mit einer gedämpften Stimmung begonnen.
Hinzukomme, dass die schlechten Wetterbedingungen dazu beitragen würden, dass sich ein Teil der Wirtschaftsleistung in das zweite Quartal hinein verlagern könnte. Der Index des Konsumentenvertrauens habe von -15,8 im Februar wieder stärker in den negativen Bereich auf -17,4 gedreht, nachdem er sich seit März 2009 kontinuierlich verbessert habe.
Seit den enttäuschenden Zahlen für das Q4-BIP und der Dezember Industrieproduktion sei klar geworden, dass die Wirtschaftsdaten die optimistischen Markterwartungen nicht hätten erfüllen können. Ein Aufschwung sei zwar absehbar, sollte aber nur sehr langsam erfolgen. Kurzfristig könnten Lager, die im vierten Quartal zum Beispiel in Deutschland noch negativ beigetragen hätten, und Konjunkturpakete das Wachstum unterstützen. Man habe dennoch Zweifel daran, dass etwa der starke Anstieg des in der Vergangenheit sehr zuverlässigen Leading Indicators der OECD für die Eurozone Industrieproduktion sich auch in einem gleichstarken Anstieg der Produktion widerspiegeln werde.
Das Auseinanderklaffen von Frühindikatoren (zum Beispiel dem ZEW- oder dem ifo-Index in Deutschland) mit den realwirtschaftlichen Daten habe sich im Verlauf der Krise herausgebildet und stelle die Aussagekraft der Frühindikatoren momentan in Frage. Der Leading Indicator für die Eurozone sei ein gewichteter Durchschnitt jener der Mitgliedsländer und der Indikator für Deutschland sei besonders stark gestiegen.
Der Leading Indicator für Deutschland setze sich aus folgenden Komponenten zusammen: ifo-Geschäftsklima, ifo-Auftragseingänge, ifo-Exportauftragseingänge, ifo-Lagerbestände (invertiert), Zinsneigung und Auftragseingänge. Deshalb werde ein übermäßig starker Anstieg der ifo-Umfragen auch im Leading Indicator der OECD widergespiegelt. Da die Umfragen teilweise auf subjektiven Einschätzungen beruhen würden und das erwartete Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung übertrieben sein könnte, könnte auch die Zuverlässigkeit des Leading Indicators momentan beeinträchtigt sein. Man habe deshalb versucht, die deutsche Industrieproduktion den Auftragseingängen alleine gegenüberzustellen, was derzeit aus Sicht der Analysten ein realistischeres Bild biete und auf sehr langsame Zuwächse hindeute.
Durch die nur langsame Erholung der Industrieproduktion sei davon auszugehen, dass auch die Kapazitätsauslastung noch einige Zeit auf niedrigem Niveau verharren werde. Daher rechne man auch in diesem Jahr mit einer schwachen privaten Investitionstätigkeit. Der Private Konsum sollte keine positiven Impulse für das BIP bringen, lediglich die Nettoexporte und öffentlichen Ausgaben sollten einen positiven Beitrag liefern können. Man bleibe daher bei der vorsichtigen Prognose für das BIP der Eurozone im Jahr 2010 von +0,7%.
Die Inflation habe sich wie erwartet durch Basiseffekte bei den Energiepreisen im Februar auf 1% verbessert. Nichtsdestotrotz erwarte man ausgehend von der moderaten wirtschaftlichen Erholung und der steigenden Arbeitslosigkeit im Jahr 2010 eine im Durchschnitt nur niedrige Inflationsrate von 1,1%. Laut EZB seien die mittelfristigen Inflationserwartungen aber immer noch gut im Sinne der Preisstabilität verankert. (11.03.2010/ac/a/m)