Europ. Renditen könnten noch etwas zurückgehen


08.02.10 15:51
Meldung
 
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die Marktteilnehmer sind vollkommen verunsichert - sie scheinen nur noch die strukturellen Probleme der Eurozone im Blick zu haben, so die Analysten der HSH Nordbank AG.


Zuletzt habe das Portugal spüren müssen. Das portugiesische Treasury sei nicht in der Lage gewesen, 500 Mio. EUR an Bills zu einem für das Land akzeptablen Spread zu platzieren. Weniger Schwierigkeiten habe dagegen Spanien mit der jüngsten Bondemission gehabt. Die Sorge der Marktakteure vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone gepaart mit den Gewinnmitnahmen auf den Aktienmärkten lasse den Euro massiv unter Druck kommen. Man sollte jedoch nicht verkennen, dass ein etwas schwächerer Euro den europäischen Exporteuren nicht ungelegen komme. Dadurch werde die Auslandsnachfrage wieder angekurbelt.

Es habe außerdem nicht wenige Länder gegeben, die sich für eine moderatere Bewertung der europäischen Devise stark gemacht hätten. Der Wertverlust der Währung sei zwar rapide verlaufen. Anlass für ein Unwohlsein bereite das jedoch nicht. Man denke immer daran, dass der Euro bereits unterhalb der Parität zum USD notiert habe.

Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen: EZB-Chef Trichet habe es weitestgehend vermieden, sich während der Pressekonferenz zu einzelnen Euroländer zu äußern. Er habe jedoch hinsichtlich des Defizits gemessen am BIP darauf verwiesen, dass die Eurozone als Ganzes ein erheblich niedrigeres Defizit aufweise als beispielsweise die USA oder UK. Er habe die Euroländer zugleich ermahnt, Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen anzustrengen. Dazu würden sich vermutlich Aussagen im EZB-Monatsbericht finden lassen, der diese Woche veröffentlicht werde. Beruhigt habe das die Marktakteure nicht, zumal sich z.B. der erwartete Widerstand der griechischen Bevölkerung gegenüber den einschneidenden Maßnahmen zur Haushaltkonsolidierung formiere und in ersten Streiks manifestiere.

Dass es der EU-Kommission ernst mit dem Monitoring der Sparbemühungen Griechenlands sei, sei der Fristsetzung für den ersten Bericht über Fortschritte und Konkretisierung der eingeleiteten Berichte zu entnehmen, denn bereits am 16. März 2010 müsse Griechenland berichten. Allerdings zeichne sich erwartungsgemäß ab, dass die Umsetzung von Sparhaushalten in anderen Ländern ebenfalls alles Andere als ein Selbstgänger werde.

Die Suche nach Mehrheiten für die drastischen Kürzungen gestalte sich in Portugal und Spanien sehr schwierig. Die EU-Kommission habe zwar noch kein ähnlich enges Monitoring der Sparbemühungen wie für Griechenland angekündigt. Doch ohne zählbare Fortschritte könne man davon ausgehen, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, wann es komme. Allerdings sei noch offen, was passieren werde, wenn die EU-Kommission feststelle, dass unzureichende Fortschritte bei den Konsolidierungsmaßnahmen gemacht würden. Der politische Druck könne erhöht werden. Mittel aus den Strukturfonds könnten auf Eis gelegt werden. Der Markt werde die Länder dann ebenfalls abstrafen, in dem (noch) höhere Risikoprämien verlangt würden und sich die Refinanzierung verteuere.

Dass es hinsichtlich Konsolidierungsanstrengungen auch anders gehe, habe wiederum EZB-Chef Trichet festgestellt. Er habe die Erfolge von Irland gelobt. Nichtsdestotrotz würden die Marktteilnehmer die strukturellen Probleme der Eurozone weiterhin fest im Visier behalten, was tendenziell für anhaltenden Druck auf den Euro und einer Suche nach Bunds und OATs sorgen werde. Nennenswerte Spreadeinengungen seien jedenfalls nicht zu erwarten.

Die letzte Woche veröffentlichten Konjunkturdaten hätten ebenfalls nicht für Begeisterung gesorgt. Vielmehr hätten die deutschen Auftragseingangs- und Produktionsdaten die Sorge vor einer Abschwächung des Wachstums geschürt, obwohl die Markit Einkaufsmanagerindices überwiegend besser ausgefallen seien als ihre Vorabschätzungen. Datenseitig sei es diese Woche ansonsten eher ruhig.

Im Laufe der Woche würden die Schätzungen für das BIP für Q4 für mehrere Länder der Eurozone vorgestellt. Dass sich am grundsätzlichen Bild, die Rezession liegt hinter uns, etwas ändern wird, ist nicht zu erwarten, so die Analysten der HSH Nordbank AG. Vielmehr würden die Marktteilnehmer etwas mehr Klarheit zur Qualität des Wachstums erhalten. Der Lageraufbau werde zwar eine wichtige Rolle gespielt haben. Allerdings sollten die anderen Komponenten im Vergleich beispielsweise zu den USA auch eine hohe Bedeutung gehabt haben.

Vieles spreche dafür, dass sich die Renditen im Wochenverlauf auf dem aktuellen Niveau behaupten oder gar noch etwas zurückgehen sollten. Der zuletzt massiv unter Druck geratene Aktienmarkt sei aber die wildcard der Woche. Es sei durchaus denkbar, dass der eine oder andere Anleger im Wochenverlauf das niedrigere Kursniveau zum Einstieg nutze, weil er unterinvestiert sei und auf einen Rückgang der Aktienkurse gewartet habe. (08.02.2010/ac/a/m)


 

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