Hamburg (aktiencheck.de AG) - In Europa steht nach wie vor die Bewältigung der Schuldenkrise der europäischen Peripherieländer, inzwischen aber auch Großbritanniens auf der Agenda, so die
Analysten der HSH Nordbank AG.
Der deutsche Vorschlag, einen Europäischen Währungsfonds (EWF) ins Leben zu rufen, werde kontrovers diskutiert. Während aus der europäischen Politik viel Zustimmung komme, seien die Notenbanker doch wesentlich zurückhaltender in der Beurteilung.
Viele Marktteilnehmer würden in der Einführung eines EWF die faktische Außerkraftsetzung der no bail out-Klausel des Vertrags über die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion sehen. Letztlich komme es jedoch auf die konkrete Gestaltung des EWF an. Sollte er nämlich nach dem Vorbild des IWF konstruiert werden, so könne er durchaus als Instrument gesehen werden, künftigen Krisen effektiv vorzubeugen. Dass die Skepsis jedoch groß sei, sei in den Entscheidungswegen der europäischen Politik begründet. Wenn alle 27 Mitgliedsstaaten oder auch nur die 16 Euroländer am Aufbau des EWF beteiligt sein müssten, werde das ein erhebliches Gerangel um Statuten, Personen und die Bereitstellung der finanziellen Mittel für den Fonds geben.
Das Tauziehen um die Ratifizierung der Verträge von Lissabon sei möglicherweise ein Vorgeschmack auf die Probleme, die bei der Einrichtung eines EWF auftreten würden. Letztlich müssten zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit eines EWF jedoch mehr Details vorgelegt werden. Hier sei die Bundesregierung im driver seat. Sei der Vorschlag trotz der bereits geäußerten Kritik ernst gemeint, müssten nun konkrete Ideen vorgelegt werden. Selbst wenn der EWF als Institution gegründet werden sollte. Bei der Bewältigung der aktuellen Probleme werde er nicht mehr eingreifen können. Daher müssten die Probleme mit anderen Mitteln angegangen werden.
Immerhin habe es vielleicht den ersten kleinen Erfolg für Griechenland gegeben: Der Aufruf zum zweiten Generalstreik in Griechenland habe vor allem den öffentlichen Sektor lahm gelegt. Dennoch sehe es danach aus, als ob der griechische Präsident derzeit die Unterstützung einer Mehrheit der Bevölkerung hinter sich habe, um die Konsolidierung des Staatshaushalts in Angriff zu nehmen. Nun müsse er "liefern". Sollte jedoch der Eindruck entstehen, dass "der kleine Mann von der Straße" die Hauptlasten der Konsolidierungsmaßnahmen schultern müsse, sei eine Ausweitung der Arbeitsausstände wahrscheinlich. Ob es weitere Unterstützung von der EU für Griechenland geben werde, werde sicher Thema auf dem ECOFIN-Treffen in der laufende Woche sein.
Am vergangenen Wochenende hätten ja erneut Gerüchte die Runde gemacht, dass Griechenland mit weiterer Unterstützung in Form von Krediten und Garantien rechnen könne, wenn das Land sich nicht mehr über den Kapitalmarkt refinanzieren könne. Diese Gerüchte seien zwar prompt durch die Bundesregierung dementiert worden. Doch wären entsprechende Stützungsmaßnahmen tatsächlich die letzte Alternative, um Griechenland im Fall der Fälle zu stützen. Wichtig sei in der ganzen Diskussion um die hellenischen Schwierigkeiten jedoch, dass man die übrigen Wackelkandidaten nicht aus den Augen verliere. Nicht dass man Hellas rette und den nächsten Kandidaten fallen lasse.
Wahrscheinlich werde die Politik nicht umhin kommen, die gesamte europäische Idee zu überdenken. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass Griechenland direkte Unterstützung benötige und noch weitere Euroländer mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten, könnten das die vermeintlich stabilen Euroländer nicht schultern. Eine verstärkte Koordination von Finanz- und Wirtschaftspolitik in der Eurozone allein sei jedoch nicht die Lösung. Auch wenn es vielen Menschen nicht gefallen werde, die europäische Idee wäre wahrscheinlich nur noch durch eine Aufgabe der Nationalstaatlichkeit und dem Transfer der Macht nach Brüssel zu retten.
Obwohl die Konsolidierung der Staatshaushalte erneut in dieser Woche eine wichtige Rolle spiele, sei den Konjunkturdaten ebenfalls Aufmerksamkeit zu widmen. Immerhin zeichne sich in der europäischen Industrie ein langsames, aber stetiges Anziehen der Wirtschaftsleistung ab. Die Rezession sollte damit überwunden sein. Es werde zwar immer wieder Rückschläge geben. Die Tendenz sei jedoch aufwärts gerichtet. Zum Schwur werde es kommen, wenn die fiskal- und geldpolitischen Stimuli zurückgeführt würden. Daher werde die Dynamik des Aufschwungs auf absehbare Zeit gering bleiben.
Dass die Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung hoch sei, würden die Reaktionen auf die jüngsten chinesischen Konjunkturdaten zeigen. Der Anstieg der chinesischen Konsumentenpreise habe Erwartungen ausgelöst, chinesische Regierung und Notenbank würden weitere Maßnahmen zur Drosselung der wirtschaftlichen Aktivität einleiten, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Das wäre nicht ohne Auswirkungen auf die Nachfrage aus China und damit auf seine Handelspartner. Das könnte in den nächsten Wochen und Monaten auf die Stimmung in der Industrie in Europa und auch den USA durchschlagen.
Die Blicke würden sich im Wochenverlauf erst einmal auf die FED-Entscheidung richten, so dass der erste Wochenabschnitt ruhig und ohne klare Richtung im Bondhandel ablaufen werde. Danach seien trotz einiger Emissionstätigkeit sinkende Renditen möglich. (15.03.2010/ac/a/m)