Wien (aktiencheck.de AG) - Insbesondere die Sorge um die Staatsverschuldung in Griechenland, Spanien und Portugal führte diese Woche zu weiteren, teils massiven Kursverlusten an den europäischen Aktienmärkten, berichten die
Analysten der Erste Bank.
Weiters würden die unklaren Wachstumsaussichten in China die Investoren verunsichern. Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten habe sich daher fortgesetzt. Basismetalle wie Kupfer (-7%), und Aluminium (-3%) seien abermals gefallen und hätten damit den Durchbruch durch ihre längerfristigen Trendlinien bestätigt.
Der STOXX 600 verliere 0,78% auf Wochensicht und liege seit Anfang 2010 nun 4% im Minus. Dabei sei es zu einer massiven Divergenz innerhalb Europas gekommen: Während der DAX, der FTSE und der CAC unverändert geblieben seien, sei der IBEX 35 um 5,4% (YTD: -14%) gesunken. In Lissabon sei es für den PSI 20 um 6% (YTD: -12%) nach unten gegangen. In Athen sei der Leitindex um 4% (YTD: -13%) gesunken. Innerhalb des STOXX 600 sei lediglich der Technologiesektor (+2%, YTD: +6%) gestiegen. Banken (-3%, YTD: -10%) und Versorger (-2%, YTD: -7%) seien die Schlusslichter gewesen.
Die Verteuerung von Energie und Kraftstoffen habe im Januar zu einem deutlichen Anstieg der Einkaufspreise in Deutschland geführt. Dennoch habe die Industrie Anfang des Jahres erneut kräftig zugelegt. So sei der EMI von 52,7 Punkten im Dezember auf 53,7 Punkte im Januar geklettert. Nachdem sich der Teilindex "Produktion" im Dezember mit saisonbereinigt 56,6 Punkten auf hohem Niveau stabilisiert habe, habe er im Januar 58,1 Punkte, den höchsten Wert seit über zwei Jahren erreicht. Sehr positiv: Global Player und KMU hätten im Berichtsmonat so viele Neuaufträge verbucht wie seit drei Jahren nicht mehr.
Angesichts der nur langsamen wirtschaftlichen Erholung und der moderaten Inflation habe die EZB den Hauptrefinanzierungssatz bei dem historisch niedrigen Niveau von 1% belassen. Hinsichtlich der erweiterten geldpolitischen Maßnahmen (Liquiditätsbereitstellung) werde der EZB-Rat Anfang März eine Entscheidung treffen. Die letzte Sechs-Monats-Repoauktion zu fixen Sätzen und voller Zuteilung werde Ende März 2010 angeboten werden. Dies bedeute, dass die Liquiditätsbereitstellung durch die EZB ab dem 2. Quartal nicht mehr in unbegrenztem Ausmaß erfolgen werde.
Der Ölkonzern BP habe im 4. Quartal die Markterwartungen verfehlt. Zwar sei der Gewinn vor Bestandswertveränderungen im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel auf USD 3,45 Mrd. gestiegen. Vor Sonderposten habe BP mit USD 4,38 Mrd. indes die Erwartungen verfehlt, die im Schnitt von USD 4,65 Mrd. ausgegangen seien. Außer dem Rivalen Shell hätten auch die anderen Größen der Branche wie Exxon Mobil und Chevron deutliche Gewinneinbußen verzeichnet. Shell habe im 4. Quartal einen Gewinn von USD 2,77 Mrd. (Konsens: USD 2,87 Mrd.) geschafft. Um die Schwächen bei der Versorgung von Raffinerien zu überwinden, plane man nun den Verkauf oder die Schließung von 15% der existierenden Anlagen für die Erdölverarbeitung. Shell habe zudem fürs laufende Jahr weitere Sparmaßnahmen in Höhe von USD 1 Mrd. angekündigt.
Spaniens Banco Santander habe einmal mehr demonstriert, wie krisenfest sie sei. Trotz der Rezession im Heimatland habe die Bank ihren Nettogewinn im 4. Quartal um 13,4% gesteigert. Damit habe sie die Erwartungen übertroffen. Im Gesamtjahr sei der Gewinn um 1% auf EUR 8,9 Mrd. gestiegen. Dazu seien außerordentliche Einnahmen in Höhe von EUR 2,59 Mrd. gekommen - vor allem aus dem Börsengang der Brasilien-Tochter. Die Kreditausfallrate sei moderat von 3% auf 3,2% gestiegen. Die Kernkapitalrate habe deutlich von 7,5% vor einem Jahr auf 8,6% zugelegt. Damit sei die Banco Santander eine der am besten kapitalisierten europäischen Banken. Die Spanier seien nahezu ohne Blessuren durch die Finanzkrise gekommen und hätten ihre Gewinne für Zukäufe genutzt.
Die Vollübernahme seiner US-Biotechtochter Genentech habe den Gewinn von Roche gedrückt. Der Pharma- und Diagnostikkonzern habe 2009 CHF 8,5 Mrd. (-22%) verdient. Die Schließung von Standorten in den USA und andere Aufwendungen in Zusammenhang mit der Integration von Genentech hätten mit CHF 2,4 Mrd. zu Buche geschlagen. Der Umsatz sei in lokalen Währungen gerechnet aber um 10% gestiegen. Den größten Beitrag zum Wachstum habe Tamiflu geliefert, dessen Umsatz sich verfünffacht habe. Roche rechne im laufenden Jahr mit einem Wachstum in Lokalwährungen im mittleren einstelligen Bereich. 2015 wolle der Konzern, der für Genentech rund CHF 53 Mrd. auf den Tisch gelegt habe, wieder schuldenfrei sein.
Der dänische Diabetesspezialist Novo Nordisk sei 2009 profitabel gewachsen. Die Umsätze hätten sich gegenüber dem Vorjahr um 12% erhöht. Das operative Ergebnis sei um 21% gestiegen und unter dem Strich sei das Nettoergebnis um 12% gewachsen. Für das laufende Jahr rechne das Unternehmen mit einem Umsatzanstieg um 6 bis 10% und einem Anstieg des operativen Gewinns um 10% - gemessen in lokalen Währungen.
Die Spekulation um eine mögliche Fusion von Telefónica und Telecom Italia gehe weiter. Für Telecom Italia wäre ein Zusammenschluss interessant. Der Konzern sei mit EUR 35 Mrd. verschuldet. Es würden die Mittel fehlen, um im In- und Ausland zu investieren. Telefónica - schon seit knapp drei Jahren der größte Aktionär von Telecom Italia - könnte durch eine Fusion eine starke Stellung in Italien bekommen sowie Zugriff auf das Geschäft in Südamerika erhalten.
Vodafone habe das untere Ende ihrer Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2009/10 sowie den Ausblick für den freien Cashflow erhöht. Die schleppenden Einnahmen in Europa würden die Entwicklung jedoch weiterhin belasten. Der bereinigte operative Gewinn im Gesamtjahr dürfte nun zwischen GBP 11,4 Mrd. und 11,8 Mrd. liegen. Zuvor habe Vodafone eine Bandbreite von GBP 11 Mrd. bis 11,8 Mrd. erwartet. Vodafone habe den verbesserten Ausblick teilweise auf den starken Datenumsatz aufgrund der gestiegenen Nachfrage in Europa nach Smartphones zurückgeführt.
Nächste Woche berichte die UBS, Credit Suisse, Sanofi-Aventis, Rio Tinto, und Diageo. Die Industrieproduktion in Europa am Freitag sei das Highlight am Makrokalender. (05.02.2010/ac/a/m)