Euroraum Industrieproduktion zum Jahresende gesunken


14.02.12 15:07
Meldung
 
München (aktiencheck.de AG) - Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat heute mitgeteilt hat, ist die Industrieproduktion (Produzierendes Gewerbe ohne Bau) im Euroraum im Dezember gegenüber Vormonat saisonbereinigt um 1,1% gesunken, so die Analysten der BayernLB.


Die von Bloomberg befragten Volkswirte hätten mit einem Rückgang dieser Größenordnung gerechnet (Konsens: -1,2%; BayernLB: -1,0%). Damit habe die Produktion 2,0% unter dem Niveau des Vorjahres gelegen.

Besonders kräftig sei die Produktion bei den Versorgern (Energie) mit -2,0% zum Vormonat gesunken. Dies dürfte teilweise auf die ungewöhnlich milden Temperaturen und den folglich geringeren Heizbedarf in einigen Regionen zurückzuführen sein. Im Bereich der konjunkturell vorlaufenden Gruppen der Investitions- und Vorleistungsgüter sei das Minus geringer ausgefallen (-0,8% bzw. -0,7%).

Die regionale Betrachtung zeige den stärksten Rückgang der Produktion gegenüber Vormonat in Deutschland (-2,9%). Dies sei wohl auch auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Die Lage der Weihnachtsfeiertage an einem Wochenende habe dazu geführt, dass ungewöhnlich viele Urlaubstage genommen worden seien und somit weniger produziert worden sei. Dieser Effekt werde vom Saisonbereinigungsverfahren nicht berücksichtigt. Auch in Griechenland, Portugal und Frankreich sei der industrielle Output spürbar gesunken. Demgegenüber sei die Produktion in Irland, Italien und Spanien im Dezember leicht angestiegen.

Allerdings seien die monatlichen Veränderungsraten der Industrieproduktion in allen Regionen sehr volatil. Der aussagekräftigere Quartalsdurchschnitt zeige, dass sich die konjunkturelle Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe in den großen Volkswirtschaften des Euroraumes im vierten Quartal 2011 spürbar eingetrübt habe. So sei die Industrieproduktion in Deutschland, Spanien und Italien um jeweils rund 2% und in Spanien um rund 1% gesunken.

Am stärksten seien die Rückgänge in den Niederlanden (-4%) und Griechenland (-8%) gewesen. Im Euroraum-Durchschnitt sei die Produktion um 1,8% gesunken. Dies unterstütze die Prognose der Analysten, dass die Wirtschaftsleistung insgesamt im vierten Quartal um 0,3% gesunken sei. Die Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im Schlussquartal 2011 würden am morgigen Mittwoch von Eurostat veröffentlicht.

Im Durchschnitt des Jahres 2012 würden die Analysten derzeit einen leichten Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes im Euroraum um 0,1% erwarten. Zwar würden die Umfragedaten eine allmähliche Verbesserung der konjunkturellen Aussichten anzeigen. Dies korrespondiere mit der Analystenerwartung, dass die Wirtschaftsleistung ab der Jahresmitte wieder expandieren werde.

Allerdings werde die Staatsschuldenkrise eine dynamische Erholung der Wirtschaft verhindern, da umfangreiche staatliche Konsolidierungsmaßnahmen insbesondere in den südlichen Ländern des Euroraumes die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bremsen würden. Im Jahr 2013 dürfte die Wirtschaftsleistung dann wieder mit moderatem Tempo expandieren. (14.02.2012/ac/a/m)


 
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