Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Griechenland ist weiter das beherrschende Thema an den europäischen Rentenmärkten, so die Experten von Union Investment.
Die Beteuerungen der Regierung in Athen, den Staatshaushalt mithilfe von Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen in den nächsten Jahren wieder EU-konform zu gestalten, hätten bislang keine nachhaltige Wirkung entfaltet. Die Risikoprämie griechischer Staatspapiere, ermittelt als Renditeaufschlag zu den als Bezugsmaßstab für Euro-Zinspapiere dienenden Bundesanleihen, habe sich im Januar weiter erhöht. Zum Monatsende habe der so genannte Spread bei annähernd vier Prozentpunkten und damit höher als jemals zuvor seit der Euro-Einführung in Griechenland gelegen.
Mit den starken Spreadausweitungen seien entsprechende Kursverluste verbunden gewesen. Die, nicht zuletzt dank einer sehr attraktiven Verzinsung, erfolgreiche Emission einer fünfjährigen griechischen Staatsanleihe mit einem Volumen von acht Milliarden Euro habe unterdessen nur für eine kurzfristige Stimmungsaufhellung am Markt gesorgt. Die Sorgen um die langfristige Kreditwürdigkeit würden weiter dominieren, zumal führende Vertreter der Europäischen Zentralbank und der europäischen Politik finanzielle Hilfen für Griechenland wiederholt ausgeschlossen hätten.
Im Zuge der Entwicklungen in Griechenland richte sich das Augenmerk der Investoren inzwischen auch verstärkt auf andere vermeintliche Wackelkandidaten aus dem Euroraum wie Spanien, Italien und Portugal. Vor allem Portugal rücke zusehends in den Blickpunkt, nachdem die Regierung für 2009 ein Haushaltsdefizit von acht Prozent habe bekannt geben müssen. Die
Ratingagenturen Moody's und S&P hätten bereits vor möglichen Bonitätsherabstufungen gewarnt.
Je mehr Skepsis den Peripherieländern an den Märkten entgegengebracht werde, desto stärker würden als sicher angesehene Bundesanleihen nachgefragt. Infolgedessen sei die Rendite zehnjähriger deutscher Staatspapiere im Januar um beachtliche 20 Basispunkte auf 3,2 Prozent gesunken, was zu spürbaren Kursgewinnen geführt habe. Mit dazu beigetragen habe auch der überraschend geringe Preisniveauanstieg im Dezember, der sich lediglich auf 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert belaufe. Unter den Mitgliedstaaten der Währungsunion gelte Deutschland im Hinblick auf die Solidität der Staatsfinanzen und die wirtschaftlichen Aussichten derzeit als führend.
Speziell die unterschiedliche Konjunkturdynamik in der Eurozone könnte die Europäische Zentralbank jedoch noch vor schwierige Entscheidungen stellen, da sie für den gesamten Währungsraum eine einheitliche Geldpolitik durchführen müsse. Bislang würden sich die Währungshüter in ihren Äußerungen bezüglich ihrer weiteren Vorgehensweise noch überwiegend bedeckt halten. Am Markt werde jedoch in nächster Zeit noch nicht mit Zinserhöhungen gerechnet, wie an den zuletzt wieder rückläufigen Kurzfristzinsen abzulesen sei. Die Zinsstrukturkurve behalte damit weiter ihren außergewöhnlich steilen Verlauf.
Nehme man den iBoxx Euro Sovereign Index als Maßstab, hätten Staatstitel aus dem Euroraum im Januar schließlich fast unverändert tendiert. Die Kursverluste in den Peripheriemärkten seien durch Kursgewinne in den Kernmärkten (Deutschland, Frankreich) ausgeglichen worden. Die neu begebenen Euro-Staatspapiere seien dabei auch zu Beginn des Jahres 2010 fast durchweg gut vom Markt aufgenommen worden.
Eine Verdrängung anderer Anleiheformen habe bislang jedoch noch nicht stattgefunden. So hätten etwa Pfandbriefe in einem Gesamtvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro untergebracht werden können, wenngleich am Primärmarkt erste Ermüdungserscheinungen zu beobachten gewesen seien. Im Rahmen ihres Ankaufsprogramms für gedeckte Schuldverschreibungen (Covered Bonds) habe die EZB bis Ende Januar 33 von insgesamt 60 Milliarden Euro ausgegeben. Der für die europäischen Pfandbriefe repräsentative iBoxx Covered Bond Index habe vor diesem Hintergrund im Berichtsmonat eine Wertentwicklung von 0,9 Prozent verzeichnet. (Ausgabe vom 05.02.2010) (08.02.2010/ac/a/m)