Eurozone Wirtschaftsstimmung weiterhin gedämpft


17.03.10 14:43
Meldung
 
Hannover (aktiencheck.de AG) - Die konjunkturelle Erholung kommt in Deutschland aber auch in der Eurozone insgesamt weiterhin nur schwer in Gang, berichten die Analysten der Nord LB.


Die Erwartungen der vom ZEW in Mannheim befragten Analysten, Volkswirte und Fondsmanager hätten in diesem Monat sowohl mit Blick auf die deutsche Konjunktur als auch für den Währungsraum erneut leicht nachgegeben. Auffällig sei in diesem Zusammenhang vor allem, dass sich die Erwartungen für die Eurozone in den vergangenen Monaten stärker eingetrübt hätten als für Deutschland.

Die Diskussionen rund um die prekäre Haushaltslage einiger Eurolandstaaten und damit um die Stabilität der Eurozone insgesamt hätten offenbar dazu geführt, dass die Umfrageteilnehmer mittlerweile zwischen der potenziellen Wachstumslokomotive Deutschland und dem Währungsraum in Gänze unterscheiden würden. Hätten beide Zeitreihen noch vor einigen Monaten in etwa auf einem Niveau gelegen, würden sich die Konjunkturerwartungen mit Blick auf die hiesige Wirtschaft nun doch deutlich freundlicher präsentieren. Die Umfrageergebnisse würden zudem unterstreichen, dass die Erholungsdynamik in den vergangenen Wochen und Monaten um einiges nachgelassen habe. Auch wenn sich die Lagekomponente leicht habe verbessern können, verbleibe sie noch immer tief im roten Bereich.

Das erste Quartal des laufenden Jahres nähere sich allmählich dem Ende und es sei - nicht zuletzt aufgrund des harten Winters - mittlerweile so angeschlagen, dass die Wachstumszahlen wahrscheinlich den einen oder anderen enttäuschen würden. Bundesbankpräsident Axel Weber habe bereits angedeutet, dass ihn selbst ein leichter Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes im 1. Quartal nicht mehr überraschen würde. Auch sein italienischer Amtskollege Mario Draghi bleibe vorsichtig. Er halte die gesamtwirtschaftliche Entwicklung am aktuellen Rand für "zerbrechlich".

Bei der Analysemüsse man derzeit zweifelsohne den Sonderfaktor "Winterwetter" berücksichtigen. Die für mitteleuropäische Verhältnisse extreme Witterung der vergangenen Wochen habe dazu geführt, dass viele Projekte noch immer stillstünden - das wirke dämpfend. Sobald der Frühling nun aber endgültig Einzug halte, sei mit deutlichen Nachholeffekten zu rechnen. Das dürften dann - im positiven Sinne - das 2. und 3. Quartal zu spüren bekommen.

Die Finanzminister der Eurozone hätten sich offenbar über einen Notfallplan für das verschuldete Griechenland verständigt. Man habe sich - so sei es einer Erklärung zu entnehmen gewesen - auf der technischen Ebene über Art und Weise einer koordinierten Hilfe geeinigt. Allerdings sollten die Hilfen nur dann zum Einsatz kommen, falls Griechenland die Haushaltskonsolidierung nicht mehr aus eigener Kraft meistern könne. In diesem Fall würde die Gemeinschaft den Hellenen Kapital zur Verfügungen stellen. Die Mittel wären dann mit einem Zinsaufschlag versehen. Damit wolle man einen Anreiz setzen, dass sich Griechenland solange wie möglich direkt über den Kapitalmarkt mit Mitteln versorge.

Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten müssten die Pläne nun noch formal genehmigen. Skeptisch scheine diesen Plänen nun ausgerechnet die deutsche Regierung gegenüberzustehen. Bundesfinanzminister Schäuble habe erklärt, Griechenland habe bislang nicht um Hilfe gebeten - entsprechend gebe es derzeit auch nichts zu entscheiden. Die defensive Haltung der deutschen Regierung erkläre sich dadurch, dass Deutschland - als größter EU-Staat - auch die höchste finanzielle Last zu tragen hätte.

Unterdessen habe EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark seine Einschätzung eines Europäischen Währungsfonds (EWF) überdacht. Seien zunächst lediglich kritische Töne des Direktoriumsmitglieds zu diesem Thema zu hören gewesen, scheine Stark dem Projekt nun aufgeschlossener gegenüberzustehen. Mittlerweile seien viele Vorschläge zur Ausgestaltung auf dem Tisch, die einer genauen Prüfung bedürften, so Stark. Auch sein Direktoriumskollege Bini Smaghi scheine den EWF-Plänen positiv gegenüberzustehen. Skeptisch gebe sich vor allem die Deutsche Bundesbank. Sowohl Vizepräsident Zeitler als auch sein Chef Axel Weber würden nach jüngsten Äußerungen nicht gerade als Freunde eines europäischen Pendants zum Internationalen Währungsfonds (IWF) gelten.

Auch die Analysten der Nord LB bleiben kritisch, weil sie durch die Gründung eines EWF vor allem eine indirekte Aufweichung der Stabilitätskriterien fürchten. (17.03.2010/ac/a/m)


 

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