Hannover (aktiencheck.de AG) - Wie erwartet hat die Federal Reserve auf ihrer gestrigen Sitzung die Leitzinsen unverändert gelassen, so die Analysten der Nord LB.
Das bedeute, dass sowohl die FED-Funds-Target-Rate als auch der Einlagensatz bei 0,25% belassen worden seien. Der Diskontsatz notiere unverändert bei 0,75%. Der Fokus der Kapitalmärkte liege deswegen eindeutig auf dem veröffentlichten FOMC-Statement und den Veränderungen gegenüber dem Statement vom 27.Januar. Besonders auf die Wortwahl und den Tenor in dieser üblicherweise knappen Stellungnahme der FED zur konjunkturellen und preislichen Tendenz hätten sich die Central Bank Watcher bei der
Analysezu konzentrieren.
Am wichtigsten dürfte im nun vorliegenden FOMC-Statement gewesen sein, dass die Notenbanker zwar Fortschritte bei der konjunkturellen Erholung konstatieren würden, was aber bisher noch nicht zu dem angestrebten Beschäftigungsaufbau geführt habe, sodass die Leitzinsen unverändert geblieben seien. Für die Marktteilnehmer scheinen mittlerweile vor allem zwei Ausdrücke von höchster Relevanz zu sein, welche diesmal beibehalten wurden, so die Analysten der Nord LB. So sei das FOMC weiterhin der Meinung, dass die Inflation "wahrscheinlich für einige Zeit gemäßigt" bleiben dürfte. Außerdem rechtfertige die Wirtschaftslage "besonders niedrige Niveaus in der FED-Funds-Target-Rate für eine längere Zeit". So scheine sich zunächst einmal die grundsätzliche Haltung der Notenbanker kaum von dem FOMC-Statement vor sieben Wochen zu unterscheiden.
Ein genauerer Blick auf beide FOMC-Statements lasse dann aber doch noch so einige Änderungen zum Text vom 27. Januar erkennen. So sei nicht mehr "ein Nachlassen der Arbeitsmarktschwäche" wie Ende Januar zu beobachten, sondern bereits eine "Stabilisierung des Arbeitsmarktes". Die Haushalte hätten sich unverändert mit Ausgaben zurückgehalten, nicht wegen eines "schwachen Arbeitsmarktes", sondern aufgrund der "hohen Arbeitslosigkeit". Offenbar sehe das FOMC also im höchstrelevanten Bereich der Beschäftigung eine gewisse Aufhellung, was die zur Verfügung stehenden Daten auch seit Anfang des Jahres durchaus belegen würden.
Eine tatsächlich starke Verbesserung sehe das Gremium im Unternehmensbereich. So seien die Investitionen nicht mehr nur "scheinbar angesprungen", sondern sie seien "signifikant angestiegen". Ersatzlos gestrichen worden sei der Satz, dass die Unternehmen ihre Lagerbestände "in besserer Übereinstimmung" mit den Verkaufszahlen gebracht hätten. Neu hinzugekommen sei ein Halbsatz zum Thema Immobilienmarkt, dass die "Baubeginne unverändert auf niedrigem Niveau" seien. Unverändert sei darauf hingewiesen worden, dass die "Kreditvergabe zurückgegangen" sei.
Thomas Hoenig sei weiter der einzige Abweichler im FOMC. Der FED-Präsident von Kansas City vertrete die Ansicht, dass sich die Konjunktur mittlerweile ausreihend erholt habe, sodass der Ausdruck "niedrige Zinsen für eine längere Zeit" im FOMC-Statement nicht mehr angebracht sei. Diesmal werde auch eine Begründung mitgeliefert. Hoenig befürchte, dass zu lange auf einem zu niedrigem Niveau gehaltene Zinsen zu einem "Aufbau von finanziellen Ungleichgewichten" führen und die "Risiken für langfristige makroökonomische und finanzielle Stabilität erhöhen" könne. Wir freuen uns, dass uns bei der Wahrnehmung dieser Risiken so prominente Zeitgenossen zur Seite stehen, so die Analysten der Nord LB.
Gestern habe das erste FOMC-Treffen seit September 2008 stattgefunden, welches nur einen Tag gedauert habe. Traditionell sei im Verlauf des Jahres die Hälfte der acht stattfindenden Sitzungen über einen, die andere Hälfte über zwei Tage angesetzt. Doch seit mittlerweile 18 Monaten hätten die Notenbanker offenbar aufgrund der Krisensituation zwei Tage für die Dauer der Treffen angebrachter gefunden. Der Übergang zu einer nun wieder kürzeren Sitzung könne als weiterer Beleg für eine Normalisierung der Entwicklung in den USA aufgefasst werden.
Als überraschend könne dieses FOMC-Statement nicht bezeichnet werden. Der Grundtenor sei erneut marginal freundlicher als Ende Januar ausgefallen. Damit setze die Federal Reserve fort, was sie bereits im letzten FOMC-Statement angedeutet habe: einen langsamen Umschwung. Die Fortsetzung diese Wende ist nach Erachten der Analysten der Nord LB durchaus angebracht. Es sei schließlich zu beachten, dass seit der letzten Notenbanksitzung am 27. Januar einige neue und recht positive Konjunkturzahlen auf den Tisch gekommen seien, welche erst in der gestrigen Notenbankentscheidung Berücksichtigung hätten finden können.
So habe beispielsweise Ende Januar das (annualisierte) BIP-Wachstum für das dritte Quartal 2009 von "nur" +2,2% vorgelegen, bevor wenige Tage später das BIP-Wachstum bereits für das vierte Quartal über (mittlerweile weiter nach oben revidierte) bemerkenswerte +5,9% veröffentlicht worden sei. Zur letzten FOMC-Sitzung habe die Arbeitslosenquote noch bei 10,0% gelegen, mittlerweile bei 9,7%. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe habe sich einiges getan: Die Industrieproduktion habe in den vergangenen zwölf Monaten um +1,7% zugelegt, verglichen mit dem vorliegenden Wert von Ende Januar von -2,3%.
Ähnliches gelte für die Auftragseingänge langlebiger Güter mit derzeitig +9,3%, verglichen mit -5,8% zur letzten FOMC-Sitzung. Weniger Veränderungen habe es dagegen beim Preisumfeld gegeben: Die Inflation habe bereits Ende Januar bei 2,7% gelegen, derzeit bei ähnlich hohen 2,6%. Hier habe sich also nicht mehr viel getan - der Turnaround habe bereits in den Monaten November und Dezember stattgefunden.
Die aktuellen Zahlen zur US-Industrieproduktion hätten mit einem Anstieg um 0,1% M/M zumindest nicht negativ überrascht. Die Kapazitätsauslastung habe im Berichtmonat Februar entsprechend auf 72,7% zugelegt. Ähnliches gelte für den Empire State Manufacturing Survey, der im März nur leicht auf 22,86 Punkte gefallen sei, damit aber weiterhin eine signifikante Expansion der Wirtschaftsaktivität anzeige. Dies mache Hoffnung für den Philadelphia-Index, der am morgigen Donnerstag veröffentlicht werde. (17.03.2010/ac/a/m)