Großbritannien Moody's lässt schwarze Rosen regnen


14.02.12 14:37
Meldung
 
Hannover (aktiencheck.de AG) - Die amerikanische Ratingagentur Moody's senkte über Nacht den Ausblick bzw. das Rating für mehrere europäische Länder, darunter auch für Großbritannien, so die Analysten der Nord LB.


Die Topnote habe das Königreich jedoch (vorerst) behalten können. Ebenfalls negativ sehe Moody's das Rating der Bank of England.

Zur Begründung des negativen Ausblicks auf der Insel verweise die Agentur auf mehrere Punkte. Bisher habe die britische Regierung mit ihrem Sparpaket und der konsequenten Umsetzung punkten können. Dieses Faktum werde auch weiter positiv gesehen. Allerdings stehe die Unsicherheit über die weitere Umsetzungsgeschwindigkeit mittlerweile infrage. Eine Haushaltskonsolidierung bis zum Ende der Legislaturperiode (März 2015) hätten die Analysten bereits 2010 für unmöglich gehalten, das Ziel sei bis 2017 geschoben worden.

Das Verhältnis Gesamtverschuldung zu BIP sehe Moody's bis 2014/15 auf rund 95% anwachsen. Insbesondere vor dem Hintergrund der schwächeren Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre sehe Moody's das BIP-Wachstum ebenso wenig rosig wie die Analysten. Manch Ratgeber der Regierung sei für zukünftige Wachstumsprojektionen hingegen deutlich optimistischer.

Neben den positiven Aspekten auf der Insel (geringstes Refinanzierungsrisiko aller großen AAA-Staaten, durchschnittliche Fälligkeitsstruktur der Staatsanleihen von fast 14 Jahren, starker Binnenkonsum, die Unterstützung der Bank of England) sehe Moody's einige Gefahren für ein Verlust der Topbonität: schwächeres Wachstum, ein Zurückrudern der Regierung in Bezug auf das Sparpaket, ansteigende Finanzierungskosten sowie neuerliche Verspannungen im Bankensektor mit ausstrahlenden Effekten auf die Realwirtschaft.

Die Staatsverschuldung werde zunehmend zum Problem. Schatzkanzler George Osborne begrüße die heutige Entscheidung als "Realitätscheck" und sehe seinen eingeschlagenen Sparkurs als vordringlichstes Ziel bestätigt. Die Opposition sei naturgemäß für eine andere Marschrichtung als die Regierung, jedoch habe die Labour-Partei stets vor einem Kaputtsparen der Ökonomie gewarnt.

Mit dem aktuellen Wirtschaftsabschwung im vierten Quartal und der bevorstehenden technischen Rezession aufgrund eines erneut kontraktiven ersten Quartals würden die zur Konsolidierung dringend benötigten Steuereinnahmen nicht wie erwartet sprudeln. Die Arbeitslosenquote trage dazu ihr Übriges bei: Monat für Monat würden immer weniger Briten Steuern und Lohnabgaben zahlen, der Höhepunkt mit einer Quote von über 9% stehe zudem erst noch bevor.

Seit Monaten versuche die Regierung um David Cameron, das schwache Wachstum auf der Insel mit der europäischen Staatsschuldenkrise zu begründen. Obwohl viele Probleme hausgemacht seien (Beamtenapparat, Jugendarbeitslosigkeit, zu starke Fokussierung auf den Finanzdienstleistungssektor etc.), lasse sich nicht von der Hand weisen, dass die handels- und finanzwirtschaftlichen Verflechtungen mit Kontinentaleuropa immens seien und somit über das Wohl oder Wehe der wirtschaftlichen Entwicklung auf der Insel entscheiden könnten. Dies bekomme Premier Cameron nun auch als einen der Gründe für den negativen Ausblick von Moody's bescheinigt. Konsequenterweise sei der negative Ausblick zum selben Zeitpunkt wie die schlechtere Neubewertung mehrerer Euro-Staaten erfolgt.

Passend zum Valentinstag habe Moody's gerade noch so eine Rose für Großbritanniens Kreditwürdigkeit, jedoch keine rote mehr, sondern eine schwarze. Der Ausblick sei in der Nacht auf negativ gesenkt, die Topbonität allerdings bei AAA belassen worden. Die Begründung sei in den Augen der Analysten schlüssig, gerade vor dem Hintergrund der Verflechtungen zu Kontinentaleuropa und den dort ebenfalls schlechteren Beurteilungen diverser Staaten. (14.02.2012/ac/a/m)


 
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