Indien Regierung führt Haushaltsdefizit zurück


11.03.10 17:00
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Das indische Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal 2009 mit 6,0% yoy überraschend schwach gewachsen (Bloomberg-Konsensus: 6,9%; DekaBank: 8,0%), so die Analysten der DekaBank.


Das Wachstum habe damit deutlich unter dem Niveau des Vorquartals (+7,9%) gelegen. Nach der Berechnung der Analysten bedeute dies, dass die Wirtschaft saisonbereinigt um 0,6% qoq geschrumpft sei. Im Kalenderjahr 2009 habe das BIP-Wachstum rechnerisch bei 6,5% gelegen, wobei keine offiziellen Zahlen zum Kalenderjahr ausgewiesen würden.

Die schwache Entwicklung sei überwiegend auf zwei Sonderfaktoren zurückzuführen. Erstens habe der schwache Monsun dazu geführt, dass die landwirtschaftliche Produktion, die 17% des BIP ausmache, um 2,8% yoy geschrumpft sei. Zum anderen seien die Staatsausgaben überraschend gesunken, was allerdings auf Zahlungsrückstände zurückzuführen sei und daher im Folgequartal einen entsprechenden Schub bringen sollte.

Betrachte man den Privatsektor außerhalb der Landwirtschaft, habe die Konjunktur jedoch nicht an Dynamik eingebüßt. Hierfür würden neben den heute veröffentlichten BIP-Zahlen die starke Entwicklung der Industrieproduktion sowie die Einkaufsmanagerindices sprechen. So habe das Verarbeitende Gewerbe im vierten Quartal um 14,3% yoy zugelegt.

Die Industrieproduktion sei im Dezember um 16,8% yoy gestiegen, was nach der Berechnung der Analysten einen saisonbereinigten Anstieg von 3,6% mom bedeute und damit einen kräftigen statistischen Überhang für das laufende Quartal. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im Januar auf 58,5 gestiegen und habe damit noch 0,9 Punkte über dem Januarwert gelegen. Der Index für das Dienstleistungsgewerbe habe sich im Februar um 1,9 Punkte auf 60,9 Punkte verbessert.

Da die Bremseffekte aus Landwirtschaft im ersten Quartal 2010 nicht mehr nachwirken sollten, dürfte die Wirtschaft wieder kräftig expandieren. Ihre Prognose für das Fiskaljahr 2009/10, das am 31. März ende, würden die Analysten daher nur leicht von 7,5% auf 7,2% senken. Durch die von ihnen erwartete Aufholbewegung im ersten Quartal würden die Analysten ihre Prognose für das Kalanderjahr 2010 dagegen auf 8,7% (von 8,0%) anheben. Grund zur Besorgnis gebe derweil die Inflationsentwicklung.

Die Großhandelspreise seien im Januar um 8,6% yoy gestiegen, und der Anstieg im Februar dürfte noch mal höher sein. Bislang sei der Preisanstieg auf überwiegend schwache Ernte und die damit einhergehenden höheren Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Insbesondere um Zweitrundeneffekte zu verhindern, dürfte die Zentralbank auf ihrer nächsten Sitzung am 20. April den Leitzins anheben, nachdem bereits im Januar der Mindestreservesatz von 5% auf 5,75% erhöht worden sei.

Aus Bonitätssicht erfreulich sei die geringe Auslandsverschuldung (15% des BIP), die durch die Währungsreserven deutlich überdeckt werde. Weniger positiv sei der Zustand der öffentlichen Finanzen. Die Staatsverschuldung liege bei rund 60% des BIP, und das Haushaltsdefizit belaufe sich im laufenden Fiskaljahr auf knapp 7% des BIP. Der Budgetentwurf für das kommende Fiskaljahr liege jedoch bei nur noch 5,5%. Die Ratingagenturen, die die Entwicklung in Indien sehr kritisch betrachtet hätten, hätten sich positiv geäußert, und die Gefahr einer Herabstufung sei deutlich gesunken. (11.03.2010/ac/a/m)


 

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