Berlin (aktiencheck.de AG) - Das Thema Griechenland bewegte in den zurückliegenden zwei Wochen weithin die internationalen Kapitalmärkte, so die
Analysten der Weberbank.
Einerseits hätten die Zweifel an der Spar- und Reformwilligkeit der Griechen für Verstimmung der Marktteilnehmer gesorgt, andererseits sei vielen bewusst geworden, dass Griechenland kein Einzelfall sei. Um dem Finanzsystem zu helfen und die brachliegende Konjunktur anzukurbeln, seien weltweit kräftig Schulden gemacht worden. Länder, die auch vorher schon auf "großem Fuß" gelebt hätten, bringe das langsam in spürbare Finanzierungsprobleme. Aber auch Länder mit vermeintlich solideren Staatshaushalten, wie den USA, müssten künftig deutliche Anstrengungen unternehmen, um das Verhältnis von Schulden zu Wirtschaftsleistung im Griff zu behalten.
Der von US-Präsident Obama geplante Haushalt für das Jahr 2010 weise ein Haushaltsdefizit von fast 10% aus und die Schulden würden 100% des Bruttoinlandsproduktes überschreiten. Zur Erinnerung, die Maastricht-Kriterien für die Eurozone würden bei einem Haushaltsdefizit von 3% und bei einer Verschuldungquote von 60% liegen. Doch auch in der Eurozone werde kaum ein Land 2010 diese Kriterien einhalten können. Enorme Anstrengungen würden also in den kommenden Jahren notwendig sein, um den Schuldenstand auf ein langfristig finanzierbares Niveau zurückzuführen.
Um die Dringlichkeit der Haushaltskonsolidierung zu unterstreichen, sei Griechenland durch die EU mit deutlicher Härte an die kurze Leine genommen worden. Monatlich müssten die Griechen jetzt der EU-Kommission Rede und Antwort stehen. Versprechungen und Worte würden künftig nicht mehr ausreichen, denn getreu dem griechischen Sprichwort "Taten sind Früchte, Worte sind nur Blätter" erwarte man jetzt die Umsetzung des Konsolidierungskurses.
Die Indikatoren zur amerikanischen Konjunktur hätten sich zuletzt verbessern können. Sowohl die Stimmungslage als auch die Auftragseingänge hätten positive Signale senden können. Belastend wirke jedoch weiterhin der am Boden liegende US-Immobilienmarkt. Jedes Fünkchen Hoffnung auf eine Besserung habe sich bisher als Strohfeuer erwiesen. Zuletzt habe sogar die US-Notenbank öffentlich vor einer erneuten Wohnungsbaurezession gewarnt. Wie von den Analysten der Weberbank bereits antizipiert, erwarten jetzt auch viele Marktteilnehmer Zinserhöhungen erst im Jahr 2011. In Europa sei ein ähnliches Konjunkturbild zu beobachten und somit seien Zinserhöhungen vorerst kein Thema.
Den Rentenmärkten fehle es derzeit weiter an Eigendynamik. Steige die Risikoaversion deutlich an, könnten sie kurzfristig zulegen. Ein nachhaltiger Kurstrend sei aber schwer auszumachen. Die Risikoaufschläge, die Investoren für Anleihen von finanzschwächeren Euroländern verlangen würden, hätten sich zuletzt erhöht. Neben Griechenland hätten auch Länder wie Portugal, Irland, Italien und Spanien zunehmend im Fokus gestanden. Aktuell schwinde der Vertrauensbonus, der durch den Beitritt zum Euroraum für diese Länder entstanden sei.
Der Euro habe weiterhin unter den Diskussionen zur Haushaltslage einiger Euroländer gelitten. Seit Dezember habe der Euro dadurch ca. 9% an Wert gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Da es zur Lösung der Finanzierungsprobleme keine kurzfristige Alternative gebe, werde auch in nächster Zeit der Euro unter Druck bleiben.
Die Aktienmärkte würden sich weiter auf Konsolidierungskurs befinden. Nach dem Bruch des mittelfristigen Aufwärtstrends habe sowohl in Europa, als auch in Amerika keine neue Stärke gewonnen werden können. Die Berichtssaison zum vierten Quartal 2009 sei positiv gestartet und die Mehrzahl der Unternehmen habe bisher gute Zahlen melden können. Jedoch sei ein Großteil davon bereits durch die Aktieninvestoren antizipiert worden. Neue Impulse würden von dieser Seite also bisher ausbleiben und das eingetrübte Stimmungsumfeld sorge für weitere Kursrückgänge.
In den kommenden Wochen würden die Analysten mit einer Fortsetzung dieser Bewegung rechnen. Betrachte man die derzeitigen Kursentwicklungen einmal im Detail, so könne ein Favoritenwechsel festgestellt werden. Während in der Aufwärtsphase des letzten Jahres vor allem zyklische Werte, Titel mit niedrigen Dividenden und geringer Gewinnqualität deutlich hätten zulegen können, verschiebe sich der Fokus nun zunehmend in Richtung von Unternehmen mit attraktiven Dividendenrenditen und stabilen, guten Gewinnen. Die Analysten seien der Meinung, dass dieser Trend keine kurzfristige Modeerscheinung sein sollte, sondern im Gesamtjahr 2010 anhalten werde.
Gold habe seinen Konsolidierungskurs fortgesetzt. Interessanterweise korrigiere Gold derzeit im Gleichlauf mit den Aktienmärkten, ähnlich wie es 2009 mit den Aktienkursen gestiegen sei. Eine logische Erklärung ist nach Meinung der Analysten der Weberbank, dass im letzten Jahr auch viel spekulatives Geld in das Edelmetall geflossen ist, das jetzt bei steigender Risikoaversion teilweise wieder entzogen wird. Die langfristigen Argumente für Gold, auch mit Hinblick auf die hohen weltweiten Schuldenstände der Staaten, seien jedoch weiter intakt. (05.02.2010/ac/a/m)