Konjunkturflaute und niedrige Zinsen halten an


08.02.10 09:20
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die führenden Aktenmärkte haben im Verlauf des Januars ihr hohes Niveau von Jahresanfang nicht behaupten können, so Dr. Eberhardt Unger vom "fairesearch".


Die anfängliche Euphorie über Konjunktur und Unternehmensgewinne sei wieder einer nüchterneren Einschätzung gewichen. Der IWF schätze unter vielen Vorbehalten das Wachstum der Weltwirtschaft auf 3,9%. Wegen der Zunahme der Weltbevölkerung sei nur zur Erhaltung des Status quo ein Wachstum von 3,0% erforderlich. Beachte man außerdem, dass die Wachstumsraten allein für Indien und China auf 7,5 bis 10% geschätzt würden, dann hätten die Industrieländer nur eine fortgesetzte Konjunkturflaute vor sich.

Von der staatlichen Seite her seien für die Nachfrage keine sonderlichen Impulse mehr zu erwarten: Das "deficit spending" stoße wegen Überschuldung an seine Grenzen, Sparen sei angesagt. Auf den Privaten Verbrauch als neuen Treibriemen zu setzen, sei vergebens. Die Kredite der Banken an diesen Sektor würden seit einem Jahr fallen. Aus -berechtigter- Sorge um den Arbeitsplatz würden die Haushalte den Gürtel enger schnallen. In Indien und China sei die Kreditvergabe noch lebhaft, doch die dortigen Zentralbanken hätten die Kredite zu verteuern begonnen.

So würden viele Volkswirtschaften auf den Export setzen. Doch in einer solchen Konjunktursituation sei sich erfahrungsgemäß jeder selbst der nächste. Es würden zumindest protektionistische Maßnahmen und Manipulationen an den Devisenmärkten drohen. Alle Welt halte den Renminbi für unterbewertet, doch China sträube sich gegen eine Aufwertung. Die Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte würden bleiben und würden verschärft, wenn Finanzagenturen das Rating einzelner Länder wie im Falle Griechenlands herabsetzen würden.

Für die USA rechne der IWF mit einem BIP-Wachstum von 2,7%. Die Eurozone könne 2010 etwa 1,0 und 2011 rund 1,6% erwarten. In Deutschland werde die Wirtschaftsleistung um 1,5% zulegen. Wegen der mangelnden Dynamik würden sich die Konsumentenpreise, von Basiseffekten abgesehen, relativ stabil entwickeln. Die Notenbanken hätten im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise die Märkte mit Liquidität geflutet. Drohe damit mehr Inflation?

Die EZB unterscheide zwischen Liquidität an den Geldmärkten und Liquidität, die für die Preisentwicklung relevant sei (M3). Erstere könne aber sehr wohl inflationäre Entwicklungen auslösen, z.B. bei den Vermögenswerten. Auch bei den Rohstoffpreisen sei kaum mit einer Beruhigung zu rechnen. Außerdem gebe es noch die nicht zu übersehende Schuldeninflation. Die Notenbanken, allen voran die FED, hätten vor allem die Arbeitslosenquote im Visier. Ben Bernanke wolle die Geldmarktzinsen noch für eine längere Zeit ("extended period") niedrig halten.

Die Zinsen noch für längere Zeit niedrig zu halten, sei keine Lösung der Probleme. Deshalb könne mit einem selbsttragenden Konjunkturaufschwung, einem stabilen Rentenmarkt und einem nachhaltigen Aufwärtstrend am Aktienmarkt nicht gerechnet werden. (08.02.2010/ac/a/m)


 

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