Nervosität hat den Markt fest im Griff


08.02.10 13:51
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Angst hat wieder Oberhand: Griechenland ist dabei nicht mehr das einzige Problemkind, Sorgen machen sich die Börsianer auch um die Staatsschulden Portugals und Spaniens, so die Deutsche Börse AG.


Die beiden Länder hätten zuletzt Schwierigkeiten bei Anleiheauktionen gehabt. Ähnliches könnte in dieser Woche Italien und Irland drohen, werde befürchtet.

Dass die Nervosität am Markt wieder deutlich gestiegen sei, zeige auch der VDAX-NEW, der als "Angstbarometer" betrachtet werde. Der Volatilitätsindex für deutsche Bluechips sei inzwischen auf ein Zwei-Monats-Hoch geklettert. Am Montagvormittag liege der DAX selbst mit einem leichten Plus bei knapp 4.670 Punkten. In Tokio sei der Nikkei 225 mit einem Minus von 1,05 Prozent unter die wichtige Marke von 10.000 Zählern auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten gefallen.

Nach Ansicht der Landesbank Baden-Württemberg sei die Lage allerdings besser als die Stimmung. Zwar hätten in der derzeitigen Marktverfassung auch fortgesetzt gute Unternehmenszahlen wenig Chance, den Markttrend zu drehen, wie Marc-Gregor Czaja meine. Dennoch sehe der Analyst die Möglichkeit einer Trendwende, wenn sich die Nervosität im Zusammenhang mit den Euro-Peripherieländern lege. "Angesichts des häufig kurzen Gedächtnisses des Kapitalmarktes besteht unseres Erachtens die Hoffnung, dass Griechenland und Co an Präsenz verlieren", glaube Czaja. Dann werde sich der Blick wieder auf die realwirtschaftliche Entwicklung und insbesondere die Unternehmenszahlen richten: "Und die sehen zur Zeit in Summe so schlecht nicht aus."

Klaus Stabel von ICF Kursmakler wolle auch nicht einstimmen in den Chor der Pessimisten. Er weise darauf hin, dass von etwa der Hälfte der S&P-Unternehmen immerhin über drei Viertel die Ergebniserwartungen übertroffen hätten. "Auch bei den deutschen Unternehmen lassen sich die derzeitigen, massiven Kursabschläge allein mit fundamentalen Fakten nicht begründen", ergänze der Analyst. Es deute sich zwar an, dass verschiedene Zentralbanken anfangen oder verstärkt überlegt würden, die Überschussliquidität wieder einzufangen. Insofern würden neue Rahmenbedingungen gesetzt. "Die derzeitigen Abschläge sind dennoch als überzogen anzusehen", meine Stabel.

Charttechnisch sehe das Bild allerdings abermals schlechter aus, urteile Christian Schmidt von der Helaba. Reihenweise seien wichtige Marken nach unten durchbrochen worden. Für besonders bedeutsam halte der technische Analyst den Fall unter das 61,8 Prozent-Fibonacci-Retracement bei 5.611 Zählern. Daher müsse nun davon ausgegangen werden, dass das letzte Verlaufstief bei 5.312 Punkten als Kursziel in den Fokus rücke. Weitere Unterstützungsmarken würden sich Schmidt zufolge bei 5.400 und 5.371 Zählern befinden.

Was Konjunkturnachrichten angehe, sei die neue Woche eher datenarm. Interessieren würden hier voraussichtlich vor allem die BIP-Zahlen für die Eurozone und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan am Freitag sowie die aktuellen US-Einzelhandelsumsätze am Donnerstag. Ein Feuerwerk an Zahlen werde hingegen von den Unternehmen erwartet: Unter den deutschen DAX-Werten werde zwar nur ThyssenKrupp über das abgeschlossene Quartal Rechenschaft ablegen, allerdings würden zahlreiche Adressen aus der zweiten Reihe berichten. Daneben würden die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse ihre Zahlen offen legen sowie weitere große europäische und US-amerikanische Unternehmen, etwa Air France-KLM, Sanofi-Aventis und Coca-Cola. (08.02.2010/ac/a/m)


 

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