Wien (aktiencheck.de AG) - Die positiven Meldungen aus der WIFO-Schnellschätzung kommen zu einer Zeit, in der die Gefahr eines Rückfalles in die Rezession oder auch "double dip" genannt international sehr ernsthaft diskutiert wird, so die Analysten der Erste Bank.
Im Vergleich zum Vorquartal sei das österreichische BIP im zweiten Quartal 2010 jedenfalls um 0,9% angestiegen. Betrachte man die Veränderung des BIPs gegenüber dem Vorjahr, so sei im zweiten Quartal (+1,9%) nach der Stagnation im ersten Quartal (0,0%) und den Rückgängen in den vier Quartalen des Vorjahres erstmals wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen gewesen.
Wesentlich für die erfreuliche Entwicklung sei die erhebliche Ausweitung der Sachgüterproduktion (+3,0% gegenüber dem Vorquartal) dank der lebhaften Auslandsnachfrage gewesen. Einen Rückgang habe es nach wie vor bei den Investitionen gegeben (-0,9%), die aber immerhin eine gewisse Verlangsamung der Abwärtsdynamik im Vergleich zu den Vorquartalen hätten erkennen lassen.
Die Privaten Konsumausgaben hätten wie schon in den Vorquartalen ihr Wachstum (+0,2%) fortgesetzt und der Staat seine Ausgaben im zweiten Quartal ebenfalls um 0,2% erhöht. Während die anhaltenden Konsumausgaben sowie die Umsatzanstiege im Einzelhandel (im Juni real +0,3% gegenüber dem Vorjahr) Ausdruck einer intakten Konsumneigung der privaten Haushalte darstellen würden, müsse man beim öffentlichen Konsum auf die angekündigten Einsparungsmaßnahmen der Regierung verweisen, welche die Nachhaltigkeit der Entwicklung infrage stellen würden.
Die Gesamtexporte seien gegenüber der Vorperiode um 2,2% gestiegen, wobei besonders der Warenausfuhr die kräftige Belebung der Auslandsnachfrage nach heimischen Produkten zugute gekommen sei. Bei den Importen hingegen habe sich die Wachstumsrate im zweiten Quartal (+0,4%) im Unterschied zu den drei Vorquartalen (von jeweils um die +1%) deutlich reduziert. Hinter der Abflachung bei der Einfuhr könnte auch der schwache Euro gesteckt haben, der im zweiten Quartal auf unter 1,20 zum USD gefallen sei.
Neben der Sachgütererzeugung (+3,0%) seien auch Vermögens- und Unternehmensdienstleistungen expandiert (wie schon im Vorquartal: +0,7%). Etwas weniger dynamisch hätten sich Handel, Gastgewerbe und Verkehr entwickelt (+0,5%). Nach der Schrumpfungsserie aus den Vorquartalen habe aber auch dieser Wirtschaftsbereich erstmals das Ende der der Rezession bestätigen können. Obwohl die Bauwirtschaft im Niedrigzinsumfeld über eine (von mehreren) gute Voraussetzung für eine Ausweitung der Produktion verfügen sollte, sei das Bauwesen im zweiten Quartal nach wie vor rückläufig gewesen (-0,6%). Die Land- und Forstwirtschaft habe nach drei positiven Quartalen im zweiten Quartal wieder mit einem kleinen Minus geschlossen (-0,2%).
Wesentlich zur leicht positiven Einschätzung trage nach wie vor der von der Europäischen Kommission für Österreich publizierte Gesamtindikator bei. Allerdings würden sich die Zeiten relativ rasch ändern, wie die mittlerweile fragile Verfassung der amerikanischen Wirtschaft zeige. Es sei zu hoffen, dass sich der europäische Wachstumsspurt vom zweiten Quartal nicht als vorübergehend erweise. Man gehe aber davon aus, dass der erneute Rückfall Europas in eine Rezession eher den Status eines besonders pessimistischen Szenarios habe. Die Wachstumsprognose für Österreich bedürfe daher aus heutiger Sicht keiner Revision nach unten.
Der arbeitstägig bereinigte Produktionsindex der Industrie habe im Juni einen um 9,1% über dem Vorjahr liegenden Wert angezeigt, nachdem er im Vormonat mit +11,3% zweistellig expandiert sei. Seit Mai des Vorjahres habe sich der Index sukzessive verbessert. Laut Statistik Austria habe sich im Juni in den einzelnen Verwendungskategorien folgende Entwicklung ergeben: Vorleistungsgüter: 13,4%, Energie: 7,8%, Investitionsgüter: 6,5%, kurzlebige Konsumgüter: 3,7%, langlebige Konsumgüter: 1,7%.
Im Juni sei der Produktionsindex des Bauwesens (nach Arbeitstagen bereinigt) um 6,3% gefallen. Seit dem Spätsommer 2007 seien im Bauwesen keine nachhaltig positiven Veränderungsraten mehr zu sehen gewesen, denn die Entwicklung sei nahe, meistens sogar unter der Nulllinie verlaufen.
Die Ankünfte von in- und ausländischen Gästen hätten in der bisherigen Sommersaison (bis Juli) mit einem Anstieg von 5,3% einen neuen Rekordwert erreicht. Das Plus bei den Übernachtungen habe 1,4% betragen, immerhin der zweitbeste Wert in den letzten zehn Jahren. Die gute Nächtigungsentwicklung sei auch insofern bemerkenswert, als sie trotz eines Rückganges im wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland (-4,1%) habe erreicht werden können.
Die Inflationsrate für Juli 2010 habe nach Berechnungen der Statistik Austria 1,9% betragen und sei damit etwas niedriger als im Juni gewesen (2,0%). Ungefähr die Hälfte der Inflationsrate sei durch teureres Wohnen und Treibstoffpreise verursacht worden. Hauptpreistreiber im Jahresabstand sei "Wohnung, Wasser und Energie" gewesen (+2,8%). Beispiele für Preisanstiege in dieser Ausgabengruppe seien Wohnungsmieten (+4,2%), Heizöl (+23%), Strom (+1%) und Instandhaltung von Wohnungen (+2,6%) gewesen. Die Gaspreise hätten sich jedoch um 4% reduziert.
Beim Großhandelspreisindex hätten stark gestiegene Energie- und Stahlpreise zu einer deutlichen Erhöhung im Juli 2010 um 5,0% geführt (gegenüber dem Vorjahr). Die industriellen Erzeugerpreise seien um 3,5% gestiegen. Der Anstieg der Tariflöhne habe auch im Juli unverändert nur 1,5% betragen. Man dürfe aber nicht darauf vergessen, dass die Tariflöhne bereits in den Krisenjahren 2008 (+3,1%) und 2009 (+3,4%) quasi spiegelbildlich zur niedrigen Inflation (2009: 0,5%) und zum allgemeinen Wirtschaftswachstum (2009: -3,9%) sehr stark angestiegen seien.
Im europäischen Vergleich habe Österreich mit 3,8% (im Juli 2010) die geringste Arbeitslosenquote laut Eurostat, hinter den Niederlanden mit 4,4% und Luxemburg mit 5,3%. Die Arbeitslosigkeit sei in Österreich im August um 8,5% auf 218.398 Personen gesunken. Die Schulungen seien aber um 5.171 auf 62.865 gestiegen, womit 281.263 Menschen ohne Job gewesen seien, ein Rückgang um 5,1% im Jahresvergleich.
Die stärksten Rückgänge der Arbeitslosigkeit hätten wie in den Vormonaten Salzburg (-17,2%) und die Steiermark (-16,4%) verzeichnet, den kleinsten Rückgang habe es in Niederösterreich (-6,2%) und in Wien (-1,8%) gegeben. Insgesamt gebe es in Österreich 34.445 offene Stellen, ein Plus von 15% gegenüber dem Vergleichszeitraum. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit habe in Österreich im August 97 Tage betragen, um sieben Tage oder 6,3% weniger als im Vorjahreszeitraum. (02.09.2010/ac/a/m)