Wien (aktiencheck.de AG) - Eine langsame Erholung der österreichischen Wirtschaft ist nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario, so die
Analysten der Erste Bank.
Im vierten Quartal habe sich das Wachstum mit +0,4% gegenüber dem dritten Quartal (+0,5%, gegen das Vorquartal) nur leicht abgeschwächt. Einerseits würden die Umfrageergebnisse auf die bessere Stimmung in der Industrie und unter den Verbrauchern hinweisen, andererseits gebe es noch keine Fakten für einen selbsttragenden Aufschwung. Die positive Tendenz dürfte anhalten, aber mit kleineren Rückschlägen sei nach wie vor zu rechnen.
Laut Konjunkturtest des WIFO habe im Januar die Zahl der Unternehmen überwogen, die in den kommenden Monaten Produktionssteigerungen erwarten würden.
Der von der Europäischen Kommission für Österreich publizierte Gesamtindikator der wirtschaftlichen Einschätzung weise seit April kontinuierlich nach oben.
Der Vertrauensindikator, gegliedert nach Konsum, Industrie, Bauwirtschaft, Dienstleistungen und Einzelhandel zeige jedoch zuletzt ein etwas differenzierteres Bild. In der Bauwirtschaft zum Beispiel sei der Rückgang im Januar wohl mit dem kalten Wetter zu begründen. Im Einzelhandel sei der Rückgang im Februar noch nicht beunruhigend, da es auch in den Vormonaten immer wieder kleinere Rückschläge gegeben habe. Alle anderen Teilindices wie Konsum, Industrie und Dienstleistungen würden weiterhin nach oben weisen.
Der arbeitstägig bereinigte Produktionsindex der Industrie habe im Dezember einen um 4,2% unter dem Vorjahr liegenden Wert angezeigt. Laut Statistik Austria habe sich in den einzelnen Verwendungskategorien folgende Entwicklung ergeben: kurzlebige Konsumgüter: 0,9%, langlebige Konsumgüter: -1,5%, Vorleistungsgüter: -2,4%, Energie: -4,9%, Investitionsgüter: -9,1%.
Im Bauwesen habe die Veränderungsrate im Dezember bei -5,2% gelegen, nachdem im November (+1,6% gegenüber dem Vorjahr) bereits der positive Bereich erreicht worden sei. Im Unterschied zu den Stimmungsindikatoren könne dem Produktionsindex daher noch kein überzeugender Wachstumstrend entnommen werden.
Die erste Hälfte der Wintersaison sei bei inländischen Gästen sehr erfolgreich gelaufen. Die Zahl der Übernachtungen und der Ankünfte hätten die Vorjahreswerte um +3,6% bzw. +3,7% übertroffen, womit in der bisherigen Wintersaison ein neues Rekordniveau erreicht worden sei. Allerdings sei bei ausländischen Gästen aus den wichtigsten Herkunftsländern, wie zum Beispiel Deutschland (-2,5%) oder den Niederlanden (-0,6%) eine rückläufige Nächtigungsentwicklung zu beobachten gewesen. Insgesamt seien der Statistik Austria 27,52 Mio. Übernachtungen und 7,28 Mio. Ankünfte gemeldet worden, was einer Veränderung von -2,0% bzw. -0,1% gegenüber der gleichen Vorjahresperiode entspreche.
Gemäß dem OeNB Konjunkturindikator sei für die ersten beiden Quartale 2010 mit einem Wachstum des realen BIP von jeweils 0,5% (saison- und arbeitstägig bereinigt, im Vergleich zum Vorquartal) zu rechnen. Damit werde sich die österreichische Wirtschaft weiterhin auf dem Wachstumspfad bewegen, auf den sie im dritten Quartal 2009 eingeschwenkt sei.
Die Rückkehr auf den Wachstumspfad sei bemerkenswert, da das Kreditvolumen seit Mitte des Vorjahres im Inland leicht geschrumpft sei. Ende 2008 habe es EUR 311,1 Mrd. betragen, im Januar 2010 seien es EUR 308,4 Mrd. gewesen. Da die Banken ihre Kreditrichtlinien in diesem Zeitraum im Wesentlichen unverändert gelassen hätten, sei der Rückgang der Kreditvergabe mit rückläufiger Nachfrage nach Krediten zu begründen. Bei Unternehmen sei das Kreditvolumen von EUR 135,5 Mrd. Ende 2008 auf EUR 132,8 Mrd. im Januar 2010 zurückgegangen. Man müsse berücksichtigen, dass auch die Investitionen in allen Quartalen 2009 stark rückläufig gewesen seien.
Die Inflationsrate für Februar 2010 habe nach Berechnungen der Statistik Austria 0,9% betragen, nachdem sie im Januar 1,2% und im Dezember 1,0% betragen habe. Hauptpreisdämpfer seien die Ausgaben für Nahrungsmittel gewesen, die um 2,3% gefallen seien. Hauptverantwortlich für die immer noch deutlich unter dem Inflationsziel der EZB liegende Inflationsrate sei die Entwicklung der Treibstoffpreise gewesen, die gegenüber Februar 2009 um 10% zugelegt hätten. Ohne diesen Anstieg hätte die Inflationsrate nur 0,6% betragen. Zweitwichtigster Preistreiber seien Ausgaben für Wohnen, Wasser und Energie gewesen, die um 1,9% angestiegen seien.
Die Arbeitslosigkeit sei im Februar mit 312.906 Jobsuchenden weiter angestiegen (+3,7% oder um 11.211 Personen). Erstmals seit Beginn der Krise sei die Arbeitslosigkeit in der Industrie zurückgegangen (-7% auf 35.925 Personen). Deutlich rückläufig gewesen sei auch die Arbeitslosigkeit bei den Zeitarbeitern, und zwar um 6,8% (-2.077) auf 28.587 Betroffene. Andererseits seien im Februar 26.218 offene Stellen gemeldet gewesen, um nur 0,2% weniger als vor einem Jahr.
Neben dem Arbeitsmarkt sei auch im Bereich der Insolvenzentwicklung mit negativen Nachwirkungen der Wirtschaftskrise zu rechnen. Die Unternehmensinsolvenzen seien 2009 um 9,3% angestiegen, der KSV schätze für 2010 einen weiteren Anstieg um 12%.
Schließlich habe sich auch die Staatsverschuldung krisenbedingt verschlechtert. Eine genaue Defizitprognose werde erst bei Bekanntwerden der Maßnahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite möglich sein. (18.03.2010/ac/a/m)