Rentenmarkt im Blickpunkt


17.03.10 14:53
Meldung
 
Hannover (aktiencheck.de AG) - Das erste Quartal des Jahres nähert sich seinem Ende und wird nicht viele Marktteilnehmer zufrieden gestellt haben, so die Analysten der Nord LB.


Die im Vorjahr reichlich verwöhnten Aktienmarktstrategen hätten seit Jahresbeginn praktisch gar kein Geld verdient. Immerhin: Der DAX habe zwischenzeitlich auch schon einmal fast zehn Prozent unter Wasser gelegen und sich wieder erholt.

Aber auch die Rentenmarktspezialisten hätten unruhige Zeiten durchlebt und würden ihre Einschätzungen bislang nur teilweise bis gar nicht erfüllt sehen. Wenn steile Kurven die Erwartung künftig steigender Zinsen reflektiert hätten, dann hätte zumindest der deutsche Markt nicht viel Zählbares zustande gebracht. Zehnjährige Bundesanleihen würden zehn Basispunkte unter dem Niveau vor zwölf Monaten rentieren. Zweijährige seien gar von 1,40% auf 0,98% gesunken.

Ganz anders sehe es in den USA aus, wo 10-Y-US-Treasuries einen deutlichen Anstieg von 2,53% auf 3,66% generiert hätten. Bei den Zweijährigen sei es von 1,03% hinab auf 0,92% gegangen, so dass die US-Kurve noch steiler als vor zwölf Monaten sei. Fazit: Portfoliomanager, die auf eine Verflachung der Kurve setzen würden, hätten mit dieser Strategie seit Monaten weder in Europa noch in den USA Erträge generiert.

Europäische Rentenportfoliomanager würden dem Ende des ersten Quartals aber noch aus einem näher liegenden Grund mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Soweit sie in Titeln der europäischen Peripherieländer investiert gewesen seien, würden sie sogar neidisch auf die Möglichkeiten der Kollegen auf der Aktienseite schauen.

Ein Aktienportfoliomanager, der seine Gewinne habe absichern wollen, ohne die Bestände zu veräußern, habe dies ganz einfach getan, indem er einen liquiden Aktienindex-Future verkauft und die Trades als "Absicherung" deklariert habe. Den zwischenzeitlichen Wertverlust der Bestände habe der Future im Idealfall komplett aufgewogen. Selbst wenn diese Verfahrensweise nur bis zu einem gewissen Prozentsatz des Gesamtvolumens erlaubt gewesen wäre, so sei allein die Möglichkeit des aktiven Handels nicht hoch genug einzuschätzen.

Schließlich sei die Wahl des Zeitpunktes, eine solche Strategie umzusetzen, noch immer schwierig genug. Ein aktiver Rentenportfoliomanager habe ein viel größeres Handicap: Ihm habe schlicht der adäquate Future für eine Absicherung früherer Kursgewinne von Staatsanleihen der Peripherieländer gefehlt. Dort seien schlicht keine liquiden Rentenmarkt-Futures zu finden. Das zentrale Instrument in Europa sei der Bund-Future.

Im Gegensatz zum Kollegen auf der Aktienseite hätte ex post jedoch nicht der Verkauf, sondern der Kauf des Bund-Futures Kursgewinne generiert, die den Verlusten griechischer Anleihen gegenüberzustellen gewesen wären. Eine aus der Long-Position im Bund-Future resultierende Verlängerung der Portfolio-Duration wäre vor diesem Hintergrund vertretbar gewesen. Absicherungen mithilfe von CDS oder den italienischen BTP-Future hätten sich aufgrund der Illiquidität dieser Instrumente nicht angeboten.

Die eleganteste Option für einen in der Peripherie übergewichteten Anleger habe somit in der rechtzeitigen Verringerung der Bestände bestanden. Da aber die wenigsten Portfoliomanager den Ausstieg aus den Peripheriepapieren geschafft haben dürften, würden viele Marktteilnehmer auf Buchverlusten sitzen, die am nahenden Ende des ersten Quartals nach HGB und IFRS quantifiziert würden.

Speziell diejenigen Marktteilnehmer, die Kursschwankungen in der Peripherie durch kein geeignetes Instrument abzufedern vermocht hätten, würden einer Lösung der Griechenland-Thematik sehnsüchtig und weitgehend zur Passivität verurteilt entgegensehen. Die Analysten würden bei ihrer Auffassung bleiben, dass Phasen der Erholung zum Ausstieg aus griechischen Papieren genutzt werden sollten. Diese Zeitfenster werde es geben. Die gestrige Meldung von Standard and Poor's, Griechenland von der Watch List zu nehmen, habe einen solchen Fensterspalt geöffnet.

Neben der puren Hoffnung auf die Erholung der Peripherie-Spreads bleibe den Investoren die Erkenntnis, dass die grundsätzlich wünschenswerte Diversifizierung zum Alptraum werde, wenn einzelne Portfoliobestandteile fortgesetzt Performance kosten und weder neutralisiert noch veräußert würden. Die jüngeren Entwicklungen hätten einmal mehr gezeigt, dass Marktrichtungsentscheidungen die größte Bedeutung bei der erfolgreichen Steuerung von Portfolios zukomme.

Insofern werde der weitere Verlauf des Bund-Futures wichtige Implikationen für die strategische Ausrichtung von Rentenportfolios liefern. Zuletzt habe sich der Juni-Kontrakt äußerst wankelmütig gezeigt. Vor Wochenfrist habe er an die Tür zur 123,00 geklopft und sei so heftig abgewiesen worden, dass er am vergangenen Freitag gedroht habe, unter die Marke von 122,00 zu rutschen.

Gestern sei es dann wieder vehement in Richtung der Widerstandszonen gegangen. Selbst die von Standard and Poor's lancierte Nachricht zur Griechenland-Thematik habe den Juni-Kontrakt nur kurz aufgehalten, so dass das gestrige Tageshoch auf 123,24 geschraubt worden sei. Die in letzter Woche formulierte Analysteneinschätzung, dass der Bund-Future über Aufwärtspotenzial verfüge, würden sie somit als bestätigt ansehen. Aus technischer Sicht werde nun die Luft etwas dünner.

Deutsche Staatsanleihen würden gefragt bleiben. Schwächephasen des Bund-Futures würden tendenziell Gelegenheiten für temporäre Long-Positionen bieten. Spread-Produkte hätten hingegen einen Teil ihrer im vorigen Jahr bewiesenen Attraktivität eingebüßt. Die Unterschiede zwischen Credits unterschiedlicher Emittenten, Branchen oder Ratingklassen hätten sich in den vergangenen Monaten angenähert. Grundsätzlich sei jedoch an die Stelle von deutlichen Spread-Einengungen eine Seitwärtsbewegung getreten, die sich fortsetzen sollte. (17.03.2010/ac/a/m)


 

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