Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Im August kam es am US-Aktienmarkt per saldo zu Kursverlusten, so die Experten von Union Investment.
Marktteilnehmer hätten sich über die oftmals unter den Erwartungen liegenden Konjunkturdaten sehr verunsichert gezeigt. Die Dynamik des Aufschwungs habe deutlich abgenommen, was sogar Befürchtungen hinsichtlich eines Double Dip, eines erneuten Abgleitens in die Rezession, hervorgerufen habe.
So hätten etwa die Einzelhandelsumsätze weniger zugelegt als erwartet, die Produktivität in der Industrie und im Dienstleistungssektor sei überraschend deutlich gesunken und der Philly-FED-Index, der die Wirtschaftsleistung in der wichtigen Region Philadelphia messe, sei sogar ins Minus gedreht. Auch habe die Schwäche am Immobilienmarkt vier Monate nach Auslauf der Steuerunterstützung weiter angehalten und am Arbeitsmarkt sei die Situation nach wie vor labil. Hier sei die Zahl der neu geschaffenen Stellen im Juli um 131.000 gefallen, während Volkswirte lediglich mit einem Abbau von 65.000 Arbeitsplätzen gerechnet hätten.
Schließlich hätten auch die BIP-Zahlen auf eine Konjunkturverlangsamung zur Jahresmitte hingewiesen. Während das Bruttoinlandsprodukt in Q1 noch um annualisiert 3,7 Prozent gewachsen sei, habe es in Q2 nur noch um 1,6 Prozent zugelegt. Die Abwärtstendenzen seien zudem durch den jüngsten Konjunkturbericht der US-Notenbank, dem Beige Book, bestätigt worden. Zwar wachse die US-Wirtschaft weiterhin, doch hätten von den zwölf FED-Bezirken nur zwei von einer stabilen Tendenz gesprochen, zwei weitere hingegen von einer kürzlich erfolgten Abkühlung und die restlichen acht jeweils nur von moderater Entwicklung.
Ungewöhnlich deutlich habe sich deshalb die FED zum Makroszenario geäußert. Klar und unmissverständlich habe die Notenbank die Konjunkturabschwächung anerkannt und werde in diesem Zusammenhang das Wertpapierankaufprogramm nicht wie geplant zurückfahren, sondern die Gelder, die aus Fälligkeiten stammen würden, in Staatsanleihen reinvestieren. Selbst Präsident Obama habe weitere Konjunkturprogramme nicht ausgeschlossen.
Angesichts der Wachstumsängste seien gute Unternehmensnachrichten letztendlich in den Hintergrund getreten. Vor allem M&A-Aktivitäten hätten nicht wie gewohnt die Stimmung der Marktteilnehmer aufhellen können. Dabei habe es eine Fülle von Fusionsabsichten gegeben. So werde der Halbleiterhersteller Intel (
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WKN 855681 ) den Anbieter von Sicherheitssoftware McAfee (
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WKN A0B6WS ) für 7,7 Milliarden US-Dollar übernehmen und für 1,1 Milliarden Euro die Handysparte von dem deutschen Mitbewerber Infineon (
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WKN 623100 ) kaufen. Zudem zahle die Regionalbank First Niagara (
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WKN 164606 ) für den Konkurrenten New Alliance 1,5 Milliarden US-Dollar.
Darüber hinaus biete der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis (
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WKN 920657 ) 18,5 Milliarden US-Dollar für das Biotechnologieunternehmen Genzyme (
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WKN 871137 ), doch die Offerte sei abgelehnt worden. Ein Bieterkampf sei zudem zwischen den Computerherstellern Dell (
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WKN 121092 ) und Hewlett-Packard (
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WKN 851301 ) um den Datenspeicheranbieter 3Par (
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WKN A0M7KV ) entbrannt.
Schließlich wolle der Verpackungskonzern Rank Group aus Neuseeland den amerikanischen Mülltütenproduzenten Pactiv (
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WKN 929051 ) für 4,6 Milliarden US-Dollar kaufen. Für eine Überraschung habe zudem General Motors (
ISIN US62010A1051 /
WKN A0X900 ) gesorgt. Der Automobilbauer, der im Zuge der Finanzmarktkrise Insolvenz habe anmelden müssen, plane nach guten Q2-Ergebnissen seinen Börsengang. Schockiert habe hingegen der Netzwerkausrüster Cisco Systems (
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WKN 878841 ) bei der Vorlage der Quartalszahlen. Nicht nur dass der Umsatz hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, das Unternehmen habe sich auch verhalten für die Zukunft gegeben und in diesem Zusammenhang von einer ungewöhnlichen Unsicherheit bei seinen Kunden gesprochen.
Ende August habe der
Dow Jones Industrial Average (
ISIN US2605661048 /
WKN 969420 ) bei 10.015 Punkten notiert, was im Monatsvergleich einem Rückgang um gut vier Prozent entsprochen habe. (Ausgabe August 2010) (07.09.2010/ac/a/m)