US-Aktienmarkt mit herben Kursverlusten


05.02.10 15:31
Meldung
 
Wien (aktiencheck.de AG) - Der US-Aktienmarkt geht erneut mit herben Verlusten aus der abgelaufenen Handelswoche, so die Analysten der Erste Bank.


Der S&P 500 verliere 1,98% auf 1.063 Punkte, der NASDAQ Composite büße 2,46% ein und handle aktuell bei 2.125 Punkten. Der Dow Jones sei erstmals seit November 2009 wieder unter die 10.000-Punkte-Marke gefallen. Am Ende habe er hauchdünn über der psychologisch wichtigen Marke bei 10.002 Punkten schließen können. Der Ölpreis notiere 1,29% schwächer, ein Barrel WTI koste aktuell USD 72. Gold zeige weiterhin relative Stärke und verliere 1,26% auf USD 1.064.

Der Baltic Dry Index knicke knapp 10% ein, Kupfer (-7%) und Aluminium (-3%) würden ihre Talfahrt ebenfalls fortsetzen. Wegen der Sorgen um die Euro-Mitglieder Griechenland, Spanien und Portugal seien Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen des US-Dollars geflüchtet. Seit Jahresbeginn habe der Greenback knapp 5% zum Euro gewonnen, ähnlich hoch sei auch der Verlust im S&P.

Die Arbeitsmarktdaten laut ADP seien deutlich besser als prognostiziert ausgefallen, der Rückgang der Beschäftigung habe sich nur noch mit geringem Tempo fortgesetzt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe seien indes um 8.000 auf insgesamt 480.000 gestiegen. Der Arbeitsmarktindex des Online-Jobvermittlers Monster.com habe hingegen ein Minus in Höhe von 3% im Vergleich zum Vorjahr gemeldet. Die Online-Jobsuche sei in allen 28 Großstädten gefallen.

Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe sei im Januar auf 58,4 nach 54,9 im Dezember geklettert. Die Markterwartungen von 56,6 seien somit deutlich übertroffen worden, der Index sei auf den höchsten Stand seit August 2004 gestiegen. Das BIP-Wachstum von 5,7% in Q4 habe die Erwartungen ebenso übertroffen. Der ISM-Dienstleistungsindex sei von 49,8 auf 50,5 Punkte gestiegen, die Erwartungen hätten bei 51 gelegen.

Die Präsentation des US-Haushalts sei hingegen kaum wahrgenommen worden. Präsident Obama habe ein Gesamtvolumen von USD 3.800 Mrd. bei einem erwarteten Defizit von USD 1.056 Mrd. gemeldet, dies entspreche 8,6% der Wirtschaftleistung beziehungsweise der höchsten Neuverschuldung seit dem Zweiten Weltkrieg. Bis 2020 werde sich die Neuverschuldung auf unglaubliche 8.500 Mrd. belaufen. Pikanterweise sei das Budget für das Verteidigungsministerium auf einen neuen Rekordstand von USD 708 Mrd. angehoben worden. Der Haushaltsentwurf werde nun im Senat sowie im Repräsentantenhaus besprochen und adaptiert, sodass schlussendlich beide Kammern zustimmen würden.

Der Uransektor habe von Aussagen Obamas profitiert, wonach man wieder verstärkt auf Atomkraft setzen wolle. Im Budget werde es keine Steuergutschriften mehr für Ölkonzerne wie Exxon Mobil, Chevron oder Conoco Philips geben. Damit werde man im Laufe der nächsten zehn Jahre USD 37 Mrd. einsparen. Das Schließen von steuerlichen Schlupflöchern sei ursprünglich mit einem Volumen von USD 210 Mrd. in der nächsten Dekade angesetzt worden, nun erwarte man aber "nur noch" USD 120 Mrd. Konkret gehe es um Ertragssteuern aus ausländischen Geschäften, die dem US-Fiskus hätten gestundet werden können. Man wolle so die Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer umkehren und neue Jobs in den USA schaffen.

Amazon.com tendiere 7,7% schwächer. Obwohl die Zahlen der Vorwoche deutlich besser als erwartet ausgefallen seien, seien Befürchtungen hochgekommen, das iPad könne dem Kindle im E-Book Segment Marktanteile streitig machen. Bei Apple könnten die Verlage die Preise für E-Books bestimmen, weshalb beispielsweise Macmilan-E-Books erwäge, seine Produkte nur noch über den Apple Store zu vertreiben. Cisco Systems habe Zahlen und Ausblick deutlich über Erwartungen gemeldet. Der Umsatz habe um 8% auf knapp USD 10 Mrd. zugelegt.

Microsoft habe veritables Zahlenwerk gemeldet. Der bereinigte Gewinn sei auf 74 US-Cents/Aktie geklettert und habe die Analystenschätzungen um knapp 30% überstiegen. Die Nachfrage der Privathaushalte sei im Aufwind, während sich die Unternehmen weiter zurückhalten würden.

Weitere relative Stärke hätten die Homebuilder bewiesen. Das zweitgrößte Unternehmen der Branche D.R. Horton habe eine überraschende Rückkehr in die Gewinnzone gemeldet. Der Auftragsbestand sei um 45% gestiegen, der Gewinn habe allerdings auch von geänderten Steuerrichtlinien bezüglich Verlustvorträgen bei Unternehmen aus der Baubranche profitiert. Die Aktie klettere um 12%.

Der Paketdienstleister UPS habe einen Gewinn von USD 1,3 Mrd. vorgelegt und damit die Konsensschätzungen übertroffen. Der Jahresausblick sei geringfügig angehoben worden. Der Hersteller von Elektrosportwagen Tesla plane indes ein IPO. Gemäß SEC werde man etwa USD 100 Mio. erlösen, ein genauer Termin für den Börsengang stehe aber noch nicht fest.

Der marode Autofinanzierer GMAC habe einen Quartalsverlust von USD 5 Mrd. gemeldet, der Gesamtverlust 2009 habe sich damit auf USD 10,3 Mrd. belaufen. Besonders die Töchter ResCap und ResMor Trust hätten verheerendes Zahlenwerk geliefert. MasterCard habe ein Gewinnplus von 23% auf USD 294 Mio. gemeldet, der Umsatz sei um 6% geklettert. In erster Linie seien Währungseffekte für das robuste Zahlenwerk verantwortlich gewesen. Exxon Mobil habe enttäuscht. Die gesunkene Nachfrage nach Öl habe einen massiven Gewinnrückgang um 23% auf USD 7,82 Mrd. bewirkt.

Pfizer habe ein Umsatzplus in Höhe von 34% auf USD 16,5 Mrd. vorgelegt, der Nettogewinn habe sich nahezu auf USD 767 Mio. verdreifacht. Ohne Sondereffekte habe sich der Profit auf 49 US-Cents belaufen, der Konsens habe 50 US-Cents erwartet.

News Corp habe vom Kassenschlager "Avatar" profitiert, der bisher mehr als USD 2 Mrd. eingespielt habe. Der Quartalsgewinn des Medienkonzerns sei auf USD 254 Mio. gestiegen, vor einem Jahr habe er noch - wegen der Abschreibung auf den Verlag Dow Jones - bei - USD 6,4 Mrd. gelegen. Mediengigant Time Warner habe besser als prognostiziertes Zahlenwerk gemeldet, zudem sei die Dividende angehoben und das Rückkaufprogramm ausgeweitet worden. Time Warner habe ebenfalls von einigen Blockbustern profitiert. Im Vorjahr habe man noch aufgrund von Abschreibungen der Kabel-Sparte rund USD 16 Mrd. Verlust ausgewiesen.

In der nächsten Woche würden unter anderem Walt Disney, Coca-Cola, Sprint Nextel, PepsiCo, Philipp Morris Bericht über das vierte Quartal melden. Die Berichtssaison für Q4 sei bislang erwartungsgemäß positiv verlaufen. Bislang hätten knapp 74% der US-Unternehmen besser als erwartet abgeschnitten, dies bedeute laut Bloomberg die mit Abstand beste Berichtssaison seit 1999.

Nichtsdestotrotz sehe die Verfassung des US-Aktienmarkts bescheiden aus. Der schwache Rebound zu Wochemitte, die sukzessive schwächer werdende technische Konstitution und die hohen Volumina würden klare Ernüchterung am Markt signalisieren. Nachdem die Advance/Decline-Linie nun eine Trendumkehr signalisiere, müsse kurz- und mittelfristig wohl mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden. Insofern glaube man nicht dass die Marke von 10.000 Punkten im Dow Jones in der nächsten Woche halten werde. (05.02.2010/ac/a/m)


 

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