US-Arbeitsmarkt äußerst konträre Signale


05.02.10 16:29
Meldung
 
Hannover (aktiencheck.de AG) - Soeben wurden in den USA die Arbeitsmarktdaten für den Berichtsmonat Januar veröffentlicht, berichten die Analysten der Nord LB.


Die Arbeitslosenquote sei überraschend von 10% auf 9,7% gefallen. Dagegen sei es aber bei einem Beschäftigungsabbau geblieben: Die neu geschaffenen Stellen seien mit einem Minus von 20.000 schlechter als erwartet ausgefallen. Während der Dezemberwert nach unten revidiert worden sei (-150.000 nach -85.000), sei es beim Novemberwert zu einer Revision nach oben gekommen (64.000 nach 4.000). Die Stundenlöhne hätten mit +0,3% deutlich angezogen, die Wochenstunden leicht.

Diesmal sei beim Arbeitsmarktbericht wieder einmal für jeden Marktteilnehmer etwas dabei gewesen. Sowohl Optimisten als auch Pessimisten seien quasi zufrieden gestellt worden. So habe der deutliche Rückgang der Arbeitslosenquote auf 9,7% ein echtes Ausrufezeichen gesetzt, hätten doch selbst die größten Optimisten nicht damit gerechnet. Die Analysten der Nord LB waren ebenfalls davon ausgegangen, dass es in diesen Wintermonaten immer mal wieder zu einem zwischenzeitlichen Anstieg der Quote hätte kommen können. Insofern stelle das Ergebnis der Haushaltsbefragung eine richtige positive Überraschung dar.

Anders sehe es bei den neu geschaffenen Stellen aus: Der Stellenabbau um 20.000 sei unerfreulich, gerechnet worden sei schließlich mit einem leichten Anstieg der Beschäftigung. Dies müsse als eine klar negative Überraschung bezeichnet werden. Der Unterschied zwischen den Prognosen und der tatsächlichen Zahl sei allerdings angesichts der ohnehin vorhandenen Unschärfe dieser Zahlen auch wiederum nicht so groß, dass er überbewertet werden sollte. Auch die deutliche Revision des Dezemberwerts nach unten relativiere sich angesichts der ähnlich hohen Revision des Novemberwerts nach oben.

Zudem sollte berücksichtigt werden, dass es im Verarbeitenden Gewerbe im Januar zu einem unerwarteten Stellenaufbau gekommen sei. Im Endeffekt würden die Daten der Unternehmensbefragung kein Signal für eine Aufhellung am Arbeitsmarkt liefern, aber auch keine so schlechte Einschätzung wie auf dem ersten Blick. Die Belastungen aus der Wirtschaftskrise würden für den Arbeitsmarkt in jedem Fall bestehen bleiben, wenngleich nicht mehr so massiv, wie vor einigen Monaten.

Auf zwei weitere Veröffentlichungen sollte ebenfalls geschaut werden. So hätten die Stundenlöhne unerwartet deutlich um 0,3% M/M zugelegt, die Jahresrate sei auf 2,5% gestiegen. Die konstante Einkommensentwicklung der Beschäftigten stelle damit - wie bereits in den vergangenen Quartalen - einen wichtigen Stabilisierungsfaktor für den privaten Konsum dar. Auch der Anstieg der durchschnittlichen Wochenstunden müsse positiv interpretiert werden, schließlich deute dies auf Kapazitätsengpässe hin, die durch Mehrarbeit der Beschäftigten oder eine Umstellung von Teilzeit- auf Vollzeitkräfte aufgefangen würden. Mittelfristig könnte dies dann auch wieder zu Neueinstellungen führen.

Der amerikanische Arbeitsmarktbericht liefere äußerst konträre Signale und damit für jeden Marktteilnehmer viel Interpretationsspielraum. Fakt sei, dass der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 9,7% positiv und der anhaltende Stellenabbau negativ überrascht hätten. Man würde die Zahlen der neu geschaffenen Stellen aber nicht zu negativ sehen wollen, schließlich erscheine die Abweichung von den Prognosen nur aufgrund des Vorzeichenwechsels größer als sie sei, und die massive Revision des Dezemberwerts werde durch eine gegenläufige des Novemberwerts ausgeglichen. Eindeutig positiv würden dagegen die Stundenlöhne und die Wochenstunden stimmen.

Insgesamt bleibe die Lage auf dem Arbeitsmarkt aber kritisch. Schwierig werden dürfte es für die Federal Reserve, die sowohl die konjunkturelle Entwicklung als auch die Inflationsraten (Inflation bei 3%) im Auge behalten müsse. (05.02.2010/ac/a/m)


 

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