US-Dollar im zyklischen Vorteil


18.03.10 15:47
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Sorgen um Griechenland haben sich zuletzt etwas gelegt, berichten die Analysten der Helaba.


Spekulationen, dass sich das hochverschuldete Mitglied der Währungsunion nahe am Staatsbankrott befinde, hätten sich vorerst nicht bewahrheitet. Griechenland sei in der Lage gewesen, am Kapitalmarkt mit einer Anleihe neue Gelder aufzunehmen. Zuvor habe die Regierung drastische Sparmaßnahmen angekündigt. Zudem würden sich vonseiten der EU bzw. einzelner Regierungen die Aussagen häufen, dass den Griechen im Notfall geholfen werden würde. Die Risikoprämien auf griechischen Staatsanleihen hätten sich entsprechend verringert. Der Euro habe sich deshalb gegenüber dem US-Dollar von 1,35 auf 1,38 erholt.

Die akuten Ängste um die schuldengeplagten Länder der Eurozone dürften allmählich abebben. Die strukturellen Ungleichgewichte würden aber bestehen bleiben. Die Haushaltsprobleme in einzelnen Teilnehmerländern seien noch nicht gelöst. Die Konsolidierung werde das Wachstum der Eurozone insgesamt dämpfen und eröffne der EZB somit einen größeren zeitlichen Spielraum für die Zinswende. Die Wettbewerbsfähigkeit habe sich in den letzten Jahren sehr unterschiedlich entwickelt, so dass einige Staaten der Währungsunion in der Leistungsbilanz sehr hohe Defizite, andere wiederum sehr hohe Überschüsse erwirtschaften würden. Die notwendige und zum Teil schmerzliche Anpassung der Ungleichgewichte könnte die EZB mit einer laxeren Geldpolitik abmildern.

Die spezifischen Schwierigkeiten einer Währungsunion würden den US-Dollar zwar nicht betreffen. Jedoch sei das Haushaltsdefizit bzw. die Staatsverschuldung in den USA nicht weniger prekär als in der gesamten Eurozone. Eine langfristige Lösung zeichne sich derzeit nicht ab, was das Abwärtspotenzial des Euro/Dollar-Kurses begrenze. Kurzfristig befinde sich aber die US-Währung in einem zyklischen Vorteil. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2010 mit rund 3% in etwa doppelt so stark wachsen wie in der Eurozone.

Die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt sei derzeit noch schwierig, eine Verbesserung sei jedoch bereits in Sicht. Auch wenn die Federal Reserve noch keine konkreten Signale sende, werde sie angesichts der konjunkturellen Verbesserung im zweiten Halbjahr eine Zinswende vollziehen, und damit vor der EZB. An den Kapitalmärkten würden sich die Zinsdifferenzen deswegen auch zugunsten des Greenbacks bewegen. Der Euro/Dollar-Kurs dürfte somit in den kommenden Monaten auf 1,30 zurückgehen.

Das Britische Pfund sei im Sog Griechenlands unter Druck geraten, da die Finanzlage des britischen Staatshaushalts ebenfalls sehr angespannt sei. Jedoch sei Großbritannien aufgrund der eigenen Währung flexibler. Nach der deutlichen Abwertung in den letzten beiden Jahren sei das Pfund Sterling bereits sehr günstig bewertet. Mit dem Beginn einer Haushaltskonsolidierung nach den Parlamentswahlen im Mai bzw. dem Rückgang der übertriebenen Sorgen um Großbritannien dürfte das Pfund sich gegenüber dem Euro allmählich erholen. Umgekehrt würden nachlassende Ängste um den Euro die Fluchtwährungen Schweizer Franken und Japanischen Yen belasten. (18.03.2010/ac/a/m)


 

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