Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die vergangene Woche wurde durch ein Phänomen geprägt: Die USA und Euroländer emittieren unermüdlich neue Staatsanleihen und sie wurden gekauft, ohne dass es einen nennenswerten Zinsanstieg gab, so die Analysten der HSH Nordbank AG.
Selbst für die Langläufer hätten sich zahlreiche Liebhaber gefunden. Bevor jetzt aber Euphorie ausbreche, weil das alles so reibungslos abgelaufen sei, sei darauf verwiesen, dass das in den vergangenen Monaten nicht immer so gewesen sei. Gerade bei langlaufenden Bonds hätten sich die Anleger bisher immer in Zurückhaltung geübt. Vergessen scheinen die Inflationsängste, die das Anlageverhalten der Investoren lange Zeit bestimmten, weil sie sich die Frage stellten, wie die Staaten ihre Verschuldung zurückführen können, so die Analysten der HSH Nordbank AG. Vergessen scheine ebenfalls, dass noch Dreiviertel des Jahres 2010 vor uns liege und dass die Staaten nicht müde würden, die Investoren mit neuem Material beglücken zu wollen.
Immerhin werde vom US-Treasury abgesehen von den üblichen Bills kein Material in der laufenden Woche angeboten. Selbst in der Eurozone gebe es vergleichsweise wenig Emissionsaktivität. Daher werde es aus dieser Richtung also keinen nennenswerten Druck auf die Renditen geben.
Die Marktteilnehmer könnten sich dementsprechend auf die
Analysevon Konjunkturdaten stürzen. Allerdings sei der Datenkalender nicht sonderlich voll. Industrieproduktion und gerade die Kapazitätsauslastung würden auf niedrigem Niveau bleiben. Sowohl Erzeuger- als auch Verbraucherpreise würden keinen Anlass zur Sorge geben, sofern man nur auf die Kernraten schaue. Auf den Vorstufen mache sich das Auslaufen des Energiepreiseffekts deutlich bemerkbar, so dass die Jahresrate kräftig zulege. Das werde nicht ausreichen, um Inflationssorgen auszulösen, zumal die Kapazitätsauslastung niedrig sei. Baugenehmigungen und Baubeginne würden einmal mehr keine Belebung des Immobilienmarktes ankündigen. Die Werte würden auf niedrigem Niveau bleiben. Es wäre schon viel erreicht, wenn sich der US-Immobilienmarkt zu stabilisieren beginne.
Das zentrale Ereignis der Woche werde zweifelsohne das FOMC-Treffen am Dienstag und Mittwoch sein. Das Überraschungspotenzial sei jedoch überschaubar. Die Notenbanker würden sich zufrieden über die jüngste wirtschaftliche Entwicklung zeigen, ohne die üblichen Warnhinweise auszusparen. So würden sie auf die Risiken im Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt hinweisen.
Neben dem Immobilienmarkt bleibe die Situation auf dem Arbeitsmarkt die Achillesferse und der Hemmschuh für einen dynamischeren Aufschwung. Obwohl sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt u.a. bedingt durch die Sondereffekte aus der Volkszählung in den kommenden Monaten verbessern sollte, werde es dauern, bis der Aufschwung den Jobmotor anwerfe. Da die Arbeitslosenquote auf einem für US-Verhältnisse hohem Niveau längere Zeit verharre und die Verbraucher sparen würden, würden künftig Konsumausgaben fehlen. Darüber sollten die jüngsten Einzelhandelsumsätze nicht hinwegtäuschen, die trotz snowgeddon im Monatsvergleich kräftig hätten zulegen können. Joe Sixpack habe vergleichsweise viel Geld für Benzin ausgeben müssen, was einen Teil des starken Anstiegs der Einzelhandelsumsätze erkläre.
Vermutlich würden die Notenbanker den Ankauf von mortgage backed securities mit dem Erreichen des geplanten Ankaufvolumens von 1.250 Mrd. USD Ende des Monats planmäßig einstellen. Damit werde eine weitere Säule des QE wegfallen, die bisher für niedrige Hypothekenzinsen gesorgt habe. Außerdem habe Ben Bernanke in einem Redemanuskript bereits Mitte letzter Woche zum Exit aus der lockeren Geldpolitik Stellung genommen. Der Redetext habe die bereits seit einigen Wochen am Markt kursierenden Mutmaßungen spezifiziert.
Die FED werde die überbordende Liquidität allmählich abschöpfen, sich mit Leitzinsanhebungen aber noch einige Zeit lassen. Die Abschöpfung solle durch einen Zins auf Einlagen - Interest on Excess Reserves - geschehen. Die Banken könnten zu diesem Zins Liquidität bei der FED anlegen und so ihre Liquidität verringern. Dass sich die Notenbanker zu weiteren konkreten Maßnahmen zur Reduzierung der FED-Bilanz äußern würden, sei daher genauso unwahrscheinlich wie eine umfangreiche Anpassung des Textes der Presseerklärung am Ende des zweitägigen Treffens. Der Kansas City FED Chef Thomas Hoenig werde zwar erneut gegen die Beibehaltung der Formulierung "extended period" stimmen. Dass sich weitere FOMC-Mitglieder zu einem ähnlichen Schritt hinreißen lassen würden, sei nicht zu erwarten.
Zusammengenommen spreche das zumindest für stabile Renditen. Einzig der Aktienmarkt könnte die Kurse der Treasuries unter Druck bringen, sofern die Investoren risikofreudiger würden. Doch am Aktienmarkt habe die Kursdynamik etwas nachgelassen, so dass selbst von der Seite kein Druck auf die Kurse aufkommen sollte. (15.03.2010/ac/a/m)