USA und Japan kein üblicher Konjunkturzyklus


06.09.10 09:43
Meldung
 
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Einen Konjunkturzyklus nach dem volkswirtschaftlichen Lehrbuch in Form einer Sinuskurve gibt es in der Realität nicht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".


Am ehesten komme diesem Muster noch der Wirtschaftsverlauf in Deutschland nahe. Nach der Rezession in 2009 sei ein kräftiger Aufschwung bis Mitte 2010 erfolgt, dem sich jetzt wieder eine Beruhigung anschließe. Doch wie weit diese führe, sei aus den Frühindikatoren noch nicht erkennbar. Auftragseingang, -bestand, Kapazitätsauslastung, Arbeitsmarkt usw. würden gegen eine neue Rezession sprechen.

Enttäuschend sei im Vergleich dazu die Entwicklung in den USA. Die Rezession in 2009 sei mit den in der Geschichte umfangreichsten Lockerungsmaßnahmen und der größten Neuverschuldung bekämpft worden. Dennoch habe sich das US-BIP nur geringfügig erholt und drohe, schon wieder nachzulassen. Noch schlechter verlaufe die Konjunktur in Japan. Dort könne von einem "Zyklus" überhaupt keine Rede sein. Nach dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 1990 sei die Konjunktur Nippons in eine Stagnationsphase gestürzt, von der sie sich trotz Nullzinspolitik und einer Verschuldung von 220% des BIPs auch nach 20 Jahren noch nicht habe erholen können.

Ein gegenteiliges Bild würden die Schwellenländer bieten, zum Beispiel China und Indien. Dort steige das BIP schon seit zehn Jahren, allenfalls die Wachstumsraten würden geringfügige (gemessen an den Relationen in den Industrieländern) Schwankungen zeigen.

Problematisch bleibe der Vergleich der Wachstumsraten verschiedener Volkswirtschaften miteinander. Die Medien würden gegenwärtig von einem realen BIP-Anstieg im 2Q/2010 gegenüber dem 1Q/2010 um 2,2% in Deutschland und um 1,6% in den USA berichten (vgl. Eurozone +1,0%, Japan +0,1%, Schweiz +0,9%). Auf den ersten Blick sehe das nach einem etwa gleich hohen Wachstum in den USA aus. Doch in beiden Ländern würden unterschiedliche Rechenmethoden angewandt. In den USA würden die Daten annualisiert, in Deutschland, in der Eurozone, auch in Großbritannien aber nicht. Würden die deutschen Zahlen nach der amerikanischen Rechenmethode ermittelt, also annualisiert, auf Jahresbasis hochgerechnet, sei das deutsche BIP im 2Q/2010 gegenüber dem 1Q/2010 um 8,8% gewachsen. US-BIP nach deutscher Methode +0,4%.

Es ergebe sich ein völlig anderes Bild über beide Volkswirtschaften. Durch die US-Methode werde die Konjunktur "schöngerechnet". Die gleiche Aussage gelte für die Statistik des Arbeitsmarktes und der Inflationsrate in den USA. (06.09.2010/ac/a/m)


 
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