Solar Millennium kein Kauf


25.01.10 10:07
Meldung
 
Berlin (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "Heibel-Ticker" raten vom Kauf der Solar Millennium-Aktie (ISIN DE0007218406 / WKN 721840 ) ab.


Solar Millenium habe ein Problem: Der Bau der Solaranlagen sei so gigantisch und die wesentlichen Zahlungen würden erst zu einem so späten Projektfortschritt erfolgen, dass die Durststrecke bis zur endgültigen Fertigstellung manchmal sehr lang sein könne. An der Börse werde eines geliebt: Kontinuität. Und eines werde gehasst: Sprunghaftigkeit. Wenn ein Unternehmen beispielsweise alle zwei Jahre 200 Mio. Euro Umsatz mache, dann würden Anleger für zwei Jahre in der Ungewissheit leben, ob die Endzahlung auch wirklich erfolgen werde.

Würden die 200 Mio. Euro hingegen quartalsweise regelmäßig fließen, also jedes Quartal in diesem Beispiel 25 Mio. Euro, dann wären die Anleger wesentlich beruhigter: Immer wieder könnten sie sehen, dass Geld fließe, dass die Projekte vorangehen und die Zahlungen planmäßig erfolgen würden. Unternehmen mit gleichmäßigen Zahlungsströmen würden an der Börse höher bewertet als Unternehmen mit sporadisch hohen Umsätzen.

So habe Solar Millenium der "Wirtschaftswoche" zufolge Tochtergesellschaften geschaffen, die regelmäßig entsprechende Zahlungen an ihre Mutter geleistet hätten. Regelmäßig sei dann von Solar Millenium dieser Umsatz gemeldet worden und die Anleger hätten sich beruhigt zurückgelehnt. Zum Projektende, wenn der ganz große Betrag dann vom externen Kunden überwiesen worden sei, habe Solar Millenium dann wiederum diesen Umsatz als konzerneigenen Umsatz vermeldet, auch wenn ein Großteil davon an die Tochtergesellschaften gegangen sei, die zuvor in Vorleistung getreten seien. Dieser Umstand sei bei dieser Meldung dann nicht mehr explizit erwähnt worden.

Solar Millenium wehre sich natürlich gegen diesen Vorwand, denn in der Jahresbilanz seien diese doppelten beziehungsweise konzerninternen Umsätze sicherlich herausgerechnet worden. Dennoch bestehe der Vorwurf, dass die vorgetäuschte Kontinuität der Umsätze, die nur über eigene Tochtergesellschaften habe erreicht werden können, das Bewertungsniveau des Unternehmens erhöht habe.

Dank dieses erhöhten Unternehmenswertes sowie dank der Kontinuität der Einnahmen habe Solar Millenium sodann Zugang zu günstigeren Refinanzierungskonditionen: Unternehmensanleihen müssten niedriger verzinst werden als die von anderen Unternehmen mit vergleichbar sporadischen Umsätzen. Das sei ein Wettbewerbsvorteil, der nicht meinem Gerechtigkeitsempfinden entspreche.

Wenn man also die Meldung der kreativen Bilanzierungspraktiken von Solar Millenium lese, dann würden damit nicht Umsätze vorgetäuscht, die nicht stattgefunden hätten. Es würden auch nicht Konzernkonsolidierungen vermieden. Unterm Strich sei alles sauber bei Solar Millenium. Doch durch diesen kleinen Trick mit den Tochtergesellschaften werde der Öffentlichkeit und damit auch den Käufern von Unternehmensanleihen ein positiveres Bild vorgetäuscht als es der Realität entspreche: Die Kontinuität sei so nicht vorhanden.

In einer Solarstudie vom vergangenen Herbst hätten die Experten schon auf die dünne Kapitaldecke des Unternehmens hingewiesen. Technologisch nehme das Unternehmen eine führende Position ein und auch das Unternehmenswachstum sowie die technologische Wettbewerbsfähigkeit seien gut. Doch für neue Projekte brauche das Unternehmen finanzkräftige Partner. Und diese Partner würden sich den Löwenanteil der mit den Parabolrinnen-Kraftwerken erzielten Gewinne in die eigene Tasche stecken. Für Solar Millenium bleibe nach der Zinslast wenig übrig.

Die Aktie von Solar Millennium ist daher nach Einschätzung der Experten von "Heibel-Ticker" kein Kauf - auch nicht nach dem Kurssturz von 14%. (Ausgabe 3 vom 22.01.2010) (25.01.2010/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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