Solutronic Altaktionäre bitten zur Kasse


18.11.10 11:29
Meldung
 
Lichtenstein (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "TradeCentre.de" raten von der Zeichnung der Aktie von Solutronic (ISIN DE000A1E8NE7 / WKN A1E8NE ) auf gewünschtem Emissionspreis ab.


Der Hersteller von Solarwechselrichtern aus dem Schwabenland wage sich auf das glatte Börsenparkett. Das Timing sei nicht wirklich ideal. Vor vier Wochen wäre diese Emission wohl noch glatt über die Bühne gegangen. Aber inzwischen sei bei den Aktien der Solarbranche Ernüchterung eingekehrt. Investoren würden sich große Sorgen über die zukünftigen Margen in der Branche machen. Zahlreiche Aktien aus der Solarindustrie habe es in den letzten Wochen heftig zerlegt. Selbst SMA Solar Technology (ISIN DE000A0DJ6J9 / WKN A0DJ6J ), der Branchenprimus unter den Herstellern von Solarwechselrichtern, sei an der Börse zusammengefaltet worden und habe in kurzer Zeit fast 30 Prozent an Kurswert verloren.

Die Solutronic AG scheine diese Tatsache allerdings wenig zu kümmern. Das Unternehmen rufe eine atemberaubende Bewertung auf. Dazu müsse man wissen: Gegründet worden sei die Gesellschaft vor sechs Jahren. Im Jahr 2007 seien erst lumpige zwei Millionen Euro umgesetzt worden, 2008 seien es 3,7 Millionen Euro und im vergangenen Jahr 4,7 Millionen Euro gewesen. Das EBIT sei in diesen Jahren jeweils im Wesentlichen ausgeglichen und 2009 minimal positiv gewesen.

Prinzipiell handle es sich bei der Firma um ein Start-up. Gewiss kein Schlechtes. Aber zu welchem Preis? 2010 hätten die Schwaben den Durchbruch erreicht. Nach neun Monaten habe der Umsatz bei 16,6 Millionen Euro und das EBIT bei 4,4 Millionen Euro erreicht. Die EBIT-Marge von über 26 Prozent sei sehr gut. Netto hätten fast drei Millionen Euro in der Kasse geklingelt. In der Analysevon Equinet, die den Betrieb an die Börse bringe, werde für dieses Jahr ein Umsatz von 22,6 Millionen Euro und ein EBIT von 5,7 Millionen Euro erwartet. Diese Erwartungen dürften erfüllt werden.

Das Start-up sei sodann ein durchaus flottes Unternehmen mit vielen Chancen. Allerdings auch vielen Risiken. Solarwechselrichter seien keine hoch technologischen Produkte. Der Wettbewerb werde drastisch zunehmen. Chinesische Anbieter dürften diesen Markt früher oder später aufrollen und qualitativ den Anschluss finden. Die aktuellen EBIT-Margen seien somit nicht nachhaltig und dürften schnell ins Rutschen kommen. Dann implodiere der Gewinn.

Für das Jahr 2011 würden Analysten einen Umsatz von sage und schreibe 65,3 Millionen Euro, ein EBIT von 16,5 Millionen Euro sowie einen Überschuss von fast zwölf Millionen Euro erwarten. Das würde gegenüber 2011 einer Verdreifachung im Zahlenwerk entsprechen. Die Experten würden diese Annahmen für übertrieben halten. Solutronic beschäftige aktuell 38 Mitarbeiter. Die Strukturen dürften an die Wachstumserwartungen längst nicht angepasst sein. Dieser Prozess koste schnell viel Geld und sei ein großes Risiko für das doch sehr junge Unternehmen.

Der Hammer sei aber nunmehr der Emissionspreis und insbesondere die hohe Abgabe der Altaktionäre. Die Preisspanne betrage zwischen 11 und 12,50 Euro. Auf Basis der rund sechs Millionen Aktien entspreche dies einem Börsenwert zwischen 66 und 75 Millionen Euro. Das sei üppig. Einschließlich Greenshoe-Option liege das Emissionsvolumen bei bis zu 23 Millionen Euro. Würde der Erlös vollständig der Gesellschaft zufließen, wäre die Geschichte insgesamt vermutlich halbwegs noch akzeptabel. Dann wäre ein Drittel des angestrebten Börsenwertes immerhin mit Cash hinterlegt.

In die Firmenkasse würden brutto allerdings nur bis zu 5,88 Millionen Euro fließen. Der Rest wandere in die Kasse der Altaktionäre. Sie würden sodann kräftig zur Kasse bitten. Zu den Abgebern gehöre Firmengründer und Vorstand Wieland Scheuerle. Er werde übrigens im Aufsichtsrat unter anderem durch seine Ehefrau kontrolliert.

Einen Superdeal mache indes die EKK Dr. Engelhardt, Kaupp, Kiefer Unternehmensbeteiligungen GmbH. Die Gruppe sei erst vor zwei Jahren mit kleinem Geld bei der Firma eingestiegen und halte vor Börsengang ein Viertel des Kapitals. Durch den Börsengang falle die Beteiligung auf unter zwölf Prozent. Gelinge das IPO zu diesen Konditionen, hätte die EKK auf ihren Einsatz eine Performance von mehreren 1.000 Prozent! Glückwunsch!

Angesichts der hohen Abgabe der Altgesellschafter sei der Preis schon dreist. Investoren sollten nunmehr die Party bezahlen und die Taschen der Altaktionäre füllen. Das geplante Wachstum, insbesondere im Ausland, koste Geld. Der Emissionserlös für die Gesellschaft werde für das Vorhaben sicherlich nicht reichen. Vermutlich werde sich das Fremdkapital erhöhen. Ob die recht kleine Firma dieses Wachstum verdauen könne, müsse der Vorstand erst einmal beweisen. Das Risiko dafür würden bei dem Emissionspreis natürlich voll die neuen Investoren tragen, die zudem diese Wachstumsfantasie bezahlen sollten.

So gehe es nicht! Solutronic sei sicherlich ein spannendes Unternehmen. Aber die Preisvorstellung unter diesen Parametern und der Risiken im operativen Geschäft durch einen Margenschwund sei schlicht überzogen. Ein Niveau auf dem Level von 40 Millionen Euro Börsenwert oder circa sieben Euro je Aktie sei fairer unter den Bedingungen des gesamten Börsengangs gewesen. Auf diesem Niveau hätten nämlich auch die Investoren noch Chancen mit der Aktie zu performen.

Die Experten würden hoffen, dass die Investoren in der Lage seien, den angestrebten Preis zu drücken. Dann hätte übrigens die begleitende Emissionsbank ebenfalls eine gute Chance, sich für einen erfolgreichen Börsengang feiern zu lassen. Die bisherigen Emissionen von Equinet seien nämlich im Wesentlichen ein Trauerspiel gewesen. EOP Biodiesel (ISIN DE000A0DP374 / WKN A0DP37 ) ringe mit dem Aus und Biopetrol (ISIN CH0023225938 / WKN A0HNQ5 ) sei eigentlich schon am Ende gewesen, hätte Glencore das Unternehmen nicht gerettet. Beide Firmen seien damals im Hype um Biodiesel teuer platziert worden.

Auch bei TWINTEC (ISIN DE000A0LSAT7 / WKN A0LSAT ) habe die Bank wenig Fortune gehabt. Das Papier notiere deutlich unter dem Platzierungspreis. Den Experten sei nicht bewusst, dass aus diesem Hause schon einmal eine nachhaltige gute Firma an die Börse gebracht worden sei.

Man solle einen Blick auf die Charts von Solarunternehmen werfen. Die Margen in dem Sektor würden sich in der Zukunft massiv verringern. Die Experten würden seit Jahren vor diesem Prozess warnen. Solutronic dürfte sich dieser Entwicklung kaum entziehen können. Frage sich nur, wo sich ein Boden bilde. Wahrscheinlich bei Wechselrichtern in der Range zwischen zehn und 15 Prozent.

Die Experten von "TradeCentre.de" raten die Aktie von Solutronic auf dem gewünschten Emissionspreis jedenfalls nicht zu zeichnen. (Analyse vom 18.11.2010) (18.11.2010/ac/a/n)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.


 

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