Thyssenkrupp steht an einem entscheidenden Punkt: Der geplante Teilverkauf der Stahlsparte und ein möglicher Milliardenauftrag aus Indien könnten den Konzern grundlegend verändern. Die Aktie hat sich zuletzt klar über die Marke von 10 Euro geschoben – doch wie stabil ist dieser neue Bereich?
Stahlgeschäft vor Auslagerung
Die Diskussion um die Zukunft der Stahlsparte (TKSE) ist in eine neue Phase eingetreten. Das Unternehmen führt fortgeschrittene Gespräche mit Jindal Steel International (JSI) über den Verkauf von 60 Prozent an der Stahlsparte. Damit würde Thyssenkrupp einen Großteil des traditionell schwankungsanfälligen Bereichs aus dem Konzernverbund herauslösen.
Der Knackpunkt liegt in den Pensionsverpflichtungen von rund 2,5 Milliarden Euro. Erst wenn geklärt ist, wie diese Last zwischen den Parteien aufgeteilt wird, kann eine Transaktion beschlossen werden. Für den Kapitalmarkt ist diese Frage zentral, weil eine Entlastung von Stahlrisiken die Ergebnisvolatilität von Thyssenkrupp deutlich verringern könnte.
Ein Teil-Exit aus dem Stahlgeschäft würde zudem die Konzernstruktur klarer machen. Investoren richten den Blick daher verstärkt auf die Fortschritte in den Verhandlungen und mögliche Eckdaten eines Deals.
U-Boot-Großprojekt als zweite Säule
Parallel dazu gewinnt die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) an Bedeutung. Im Fokus steht das U-Boot-Projekt P-75(I) der indischen Marine. Marktberichte aus Indien und Deutschland sprechen von einem Auftragsvolumen von rund 8 Milliarden US-Dollar.
Lokaler Partner ist Mazagon Dock Shipbuilders (MDL). Deren Aktie legte am Freitag um etwa 5 Prozent zu – ein Indiz dafür, dass der Markt mit einem Zuschlag rechnet. Im Erfolgsfall würde TKMS sechs U-Boote mit luftunabhängigem Antrieb liefern und seine Position als Rüstungspartner Indiens deutlich ausbauen.
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Daneben verfolgt TKMS auch in Deutschland eine Expansionsstrategie. Dazu zählen:
- Ergebnisoffene Gespräche über die Übernahme von German Naval Yards in Kiel
- Der Kapazitätsausbau am Standort Wismar
- Geplante Neueinstellungen von mehr als 400 Mitarbeitenden zur Abarbeitung der vollen Auftragsbücher
Damit entwickelt sich die Marinesparte zunehmend zu einem Kernbaustein der künftigen Thyssenkrupp-Struktur.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
- Schlusskurs Freitag: 10,29 Euro (+1,33 % zum Vortag)
- Kursentwicklung 12 Monate: +166 %
- Geplanter Verkauf von 60 % der Stahlsparte an Jindal Steel International
- Offene Frage der Pensionslasten von rund 2,5 Mrd. Euro als zentrale Hürde
- Potenzieller Indien-Auftrag (P-75(I)) über rund 8 Mrd. US-Dollar
- Erweiterungspläne bei TKMS inkl. Gesprächen mit German Naval Yards und Kapazitätsaufbau in Wismar
Charttechnik: Über 10 Euro etabliert
Aus technischer Sicht hat der Ausbruch über die Marke von 10 Euro Signalwirkung. Mit einem Schlusskurs von 10,29 Euro liegt der Wert klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,32 Euro und rund 10 Prozent darüber. Auch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 9,74 Euro ist mit etwa 5,6 Prozent positiv, was auf einen intakten Aufwärtstrend hinweist.
Auf Jahressicht hat die Aktie um mehr als 160 Prozent zugelegt. Gleichzeitig notiert sie noch rund 22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro. Das zeigt: Nach der starken Rally bleibt kurzfristig Korrekturpotenzial, die übergeordnete Bewegung ist aber weiterhin aufwärtsgerichtet.
Der RSI (14 Tage) liegt mit 68,2 nahe an der überkauften Zone, während die 30-Tage-Volatilität annualisiert bei über 75 Prozent liegt. Beides unterstreicht, dass der Wert schwankungsanfällig bleibt und Nachrichten zur Stahl- und Rüstungsstrategie schnell im Kurs sichtbar werden können.
Fazit: 2026 als Weichenstellungsjahr
Die Kombination aus möglichem Teilverkauf der Stahlsparte und einem potenziellen Milliardenauftrag aus Indien macht 2026 zu einem entscheidenden Jahr für Thyssenkrupp. Gelingt eine Einigung mit Jindal Steel über die Pensionsverpflichtungen und kommt das U-Boot-Projekt P-75(I) wie skizziert zustande, dürfte der Konzern deutlich fokussierter und weniger stahlabhängig dastehen. Für die Aktie bleibt damit vorerst die Verteidigung des zweistelligen Kursniveaus der zentrale Orientierungspunkt.
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