Eurozone Wirtschaftentwicklung weiter sehr uneinheitlich


25.05.12 14:04
Meldung
 
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Während die Arbeitslosigkeit in der Eurozone im März im zehnten Monat in Folge gestiegen war und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung prognostiziert, dass das BIP in der Eurozone 2012 nur 0,2% wächst, entwickelt sich die Wirtschaft in der Währungsunion weiter sehr uneinheitlich, so die Experten von Franklin Templeton.


Das in Deutschland 2011 über weite Strecken verzeichnete Wachstum lasse offenbar nach, was auf die Rezession in anderen Teilen Europas zurückzuführen sei. Dennoch wirke das Land im Vergleich robust, was aktuell extrem niedrige Arbeitslosenzahlen, steigende Verbraucherausgaben und gutes Geschäfts- und Konsumklima belegen würden. Deutschlands westlicher Nachbar Frankreich habe positiv überrascht, als er fürs letzte Quartal 2011 0,2% BIP-Wachstum ausgewiesen habe und damit 1,7% fürs ganze Jahr - gegenüber 1,4% im Vorjahr.

Außerdem habe Frankreich sein Defizitziel für 2011 unterschritten. Dass die Lage nicht so düster sei, wie von manchen Beobachtern dargestellt, lasse sich auch den festen Tendenzen der europäischen Aktienmärkte entnehmen. Der MSCI Euro Index habe in Euro im ersten Quartal 9,17% zugelegt. Außerhalb der Eurozone habe der dominante britische Dienstleistungssektor im ersten Quartal 2012 das höchste Quartalsplus seit zwei Jahren ausgewiesen. Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor habe so schnell zugelegt wie zuletzt vor vier Jahren, was dafür spreche, dass es auch Großbritannien gelungen sein könnte, eine neuerliche Rezession zu vermeiden.

Die Lage in der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone - Italien und Spanien - erscheine vielen Beobachtern weit weniger zufrieden stellend. Die italienische Notenbank rechne für 2012 mit einem Rückgang des italienischen BIP um 1,3% auf 1,5%, während das spanische Finanzministerium von einer Kontraktion um 1,7% ausgehe. Sorgen um die Aussichten Spaniens - einschließlich der Entscheidung zur Senkung des Defizitziels fürs laufende Jahr - hätten die Renditen spanischer Staatsanleihen im März und Anfang April anziehen lassen.

Trotz der von der EZB freigesetzten Liquiditätsflut hätten zehnjährige spanische Anleihen nach einer eher enttäuschenden Auktion am 10. April kurzfristig 6% erreicht. Noch besorgniserregender sei der Renditeanstieg bei kürzer laufenden spanischen und italienischen Emissionen (die Renditen einjähriger italienischer Papiere hätten sich von Mitte März bis zu einer Auktion am 11. April verdoppelt), was die Kreditkosten für die ganze Wirtschaft nach oben treiben könnte.

Es gebe aber noch weitere Gründe zur Sorge. Die EZB habe durch zwei langfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) im Dezember 2011 und im Februar 2012 rund 1 Bio. Euro ins kriselnde europäische Bankensystem gepumpt. Das billige Geld sei zu großen Teilen von italienischen und spanischen Banken geschluckt worden, die in Staatsanleihen der eigenen Regierung investiert hätten, um sich die Differenz zwischen den für EZB-Mittel berechneten Sätzen und den Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen zu sichern.

Auf diese Weise sei das Schicksal der Banken Italiens und Spaniens noch enger mit den Regierungen verknüpft, in deren Anleihen sie auf Anreize hin investiert hätten. Sollten die Renditen längerfristig steigen und die Kurse sinken, könnte das diesen Banken empfindliche Verluste bescheren. Die Vermögensqualität führender italienischer Banken sei ebenfalls in Zweifel gezogen worden und eine Rezession im eigenen Land wäre nicht hilfreich.

Positiver habe gestimmt, dass Spanien bereits knapp 50% des für dieses Jahr anvisierten Kapitals aufgebracht habe, was ein Polster gegen den aktuellen Marktdruck darstelle, und dass die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen noch deutlich unter dem Ende letzten Jahres verzeichneten Niveau liegen würden (wie zum Beispiel 6,7% am 25. November 2011).

Nach der dynamischen Rally, die spanische Anleihen seither hingelegt hätten, sei mit einem Rücksetzer zu rechnen gewesen. Zusammen mit dem Aufkauf von Staatspapieren durch die EZB im letzten Jahr habe das LTRO-Programm die Renditen der von Spanien und Italien seither begebenen Anleihen gedeckelt. Sollten die Anleiherenditen beider Länder weiter steigen, wäre ein weiteres LTRO der EZB vorstellbar, um sie zu entlasten. (Ausgabe April 2012) (25.05.2012/fc/a/m)


 
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