2016 wird das schwächste Jahr seit 2009


24.02.16 10:23
Meldung
 
Köln (www.fondscheck.de) - Die Investmentstrategen von AXA Investment Managers senken ihre Prognose für das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr von 3,1 auf 2,7 Prozent.


"Damit wäre 2016 das schwächste Jahr seit 2009, mit einem um einen halben Prozentpunkt niedrigeren Weltwirtschaftswachstum als im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2015", schreibe das Team für Research und Investmentstrategie in seiner monatlichen Publikation "Investmentstrategie". Zum Vergleich: Der IWF habe seine Prognose zwar gesenkt, erwarte aber immer noch 3,4 Prozent. Eine Rezession erwarte das Team rund um Chefstratege Franz Wenzel allerdings nicht: "Wir gehen einfach nur von einem weltweiten Nachfragemangel aus."

Die Konjunktur habe sich seit Jahresbeginn unerwartet schwach entwickelt. Die Wirtschaft schwächele nicht nur in den bekannten Krisenländern Russland und Brasilien, auch aus den USA, China, den Emerging Markets und mit Einschränkungen Europa sowie Japan seien schwache Zahlen gekommen. Dabei habe die amerikanische Industrie am meisten überrascht: "Das Verarbeitende Gewerbe wächst nicht, und die Verbraucher legen ihr Geld auf die Kante, anstatt es auszugeben." Dennoch würden die Investmentstrategen eine Rezession in den USA und eine harte Landung in China "für äußerst unwahrscheinlich" halten.

AXA IM erwarte aufgrund der weltweiten Wirtschaftslage, dass sich die Notenbanken mit einer expansiven Geldpolitik wie die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of Japan (BoJ) und die People's Bank of China (PBC) zu einer noch stärkeren Lockerung entschließen würden und die Federal Reserve (FED) die Zinsen bis Ende 2016 nur ein Mal erhöhe. Noch zu Jahresbeginn haetten die Vertreter der FED von möglichen vier Zinserhöhungen in diesem Jahr gesprochen.

"Die schwächere Weltkonjunktur hatte unerwartet starke Auswirkungen auf die USA", heiße es zur Begründung in der "Investmentstrategie". Der US-Export habe sich in den letzten drei Monaten erheblich verschlechtert. Gleichzeitig sei der handelsgewichtete Dollar-Wechselkurs in dieser Zeit um vier Prozent gestiegen. In Folge dessen sei die Produktion nicht mehr gewachsen und der Energiesektor noch stärker eingebrochen. Einen anhaltenden Abschwung würden die Strategen dennoch nicht erwarten: "Es gibt wenig Hinweise auf ein Übergreifen der Schwäche auf andere Sektoren, und der Konsum ist in den ersten Wochen des Jahres stabil geblieben."

Im Euroraum gebe es für die Experten von AXA IM keine klaren Anzeichen für einen Abschwung: "Der private Verbrauch, Staatsausgaben und die Bauwirtschaft treiben die Wirtschaft voran." Gleichwohl würden die Strategen auch hier ihre Wachstumsprognose um 0,2 Prozent auf 1,4 Prozent senken. Ein Grund dafür seien Zweifel an der Rentabilität der europäischen Banken. Neue Bilanz- und Regulierungsvorschriften hätten ihnen die Refinanzierung erschwert, vor allem in Italien. Das könnte die Kreditvergabe einschränken und Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben.

Für die Emerging Markets rechne AXA IM mit einem Wachstum von 3,6 Prozent (2015: 3,7 Prozent). Grund für den schwächeren Ausblick seien die fallenden Rohstoffpreise, der schwache Welthandel und das niedrige Wachstum in China.

Aktuell rate AXA IM zu einer taktischen Übergewichtung von Aktien, zugleich aber zu einer langfristigen Untergewichtung. Nach Ansicht der Strategen hätten die Märkte auf die mäßige Konjunktur übertrieben reagiert. Seit ihrem Höchststand hätten sie weltweit 20 Prozent verloren, was zwar bei einer leichten Rezession angemessen wäre. Aber mit einer solchen würden die Experten nicht rechnen. Auf derart schwache Entwicklungen, so ihre Erfahrung, folge meist eine Erholung um fünf bis zehn Prozent. Das sei bislang nur in einem von zwölf Fällen anders gewesen, nämlich im Januar 2008.

Die pessimistische Langfristeinschätzung stütze AXA IM auf die Annahme, dass das Wachstum der Unternehmensgewinne 2016 weltweit bei 0 Prozent liegen werde, und auf die Möglichkeit steigender Risiken im Jahresverlauf. Im Euroraum würden die Experten den Gewinnausblick optimistischer sehen und hier eine Übergewichtung von Aktien empfehlen. Die Umsatz- und Gewinnindikatoren sprächen noch immer für fünf Prozent Wachstum. Nur die derzeitige Eurostärke dämpfe den Gewinnausblick. (24.02.2016/fc/a/m)


 

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