Wien (aktiencheck.de AG) - Nach einem positiven Start in den ersten Tagen des Jahres korrigierten die Aktienmärkte im weiteren Monatsverlauf deutlich, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".
Ein maßgeblicher Auslöser sei die Ankündigung der chinesischen Regierung gewesen, das Kreditwachstum zu drosseln, um sowohl einer wirtschaftlichen Überhitzung als auch möglichen Spekulationsblasen entgegenzuwirken. Da China von vielen derzeit als die globale Konjunkturlokomotive und als der entscheidende Rohstoffkäufer angesehen werde, seien die Regierungsankündigungen und ihre potenziell wachstumshemmenden Wirkungen vom Markt negativ aufgenommen worden und hätten eine weltweite Verkaufswelle für riskante Assets ausgelöst.
Gute Konjunkturdaten und Vorlaufindikatoren aus den entwickelten Ländern sowie eine optimistische Einschätzung für die US-Wirtschaft seitens der FED hätten den Abwärtstrend Ende Januar vorerst beendet. Ob damit die aktuelle Korrekturbewegung bereits abgeschlossen sei, bleibe allerdings abzuwarten; sie könnte durchaus noch etwas weiter laufen.
In den Fokus der Marktteilnehmer sei in den vergangenen Wochen verstärkt das rasant steigende Budgetdefizit in Griechenland und die damit verbundenen möglichen Finanzierungsprobleme und eventuell drohende Herabstufungen Griechenlands unter die Investment Grade-Marke durch die
Ratingagenturen gerückt. Ein solcher Schritt würde zwar die griechischen Anleihen unter einen enormen Druck bringen, er müsste aber keinesfalls zwangsläufig auf die CEE-Märkte durchschlagen. Zugleich würden mit den Problemen Griechenlands auch die anfälligen Euro-Staaten Spanien, Portugal und Irland in den Blickpunkt rücken und damit die Stabilität der Eurozone insgesamt. Die europäische Einheitswährung habe auch infolgedessen gegenüber dem US-Dollar zuletzt deutlich an Boden verloren.
Die US-Konjunkturdaten hätten eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage in den letzten beiden Quartalen gezeigt, die positive Dynamik habe zuletzt offenbar wieder etwas zugenommen. Die meisten Vorlauf- und Stimmungsindikatoren (Konsumentenvertrauen, ISM) seien positiv zu werten. Es stelle sich allerdings weiterhin die Frage, wie nachhaltig die Konjunkturerholung ausfallen könne, nachdem die positiven Effekte staatlicher Programme zur Wirtschaftsbelebung auslaufen würden. Der Wohnimmobilienmarkt in den USA ringe weiterhin darum, einen Boden zu bilden.
Auf dem Arbeitsmarkt sei ein wirtschaftlicher Aufschwung noch nicht sichtbar; allerdings könnten bereits zum Jahresbeginn 2010 netto erstmals seit langem wieder Arbeitsplätze aufgebaut werden. Die Arbeitslosenrate sei gegenüber dem Vormonat konstant geblieben und noch immer zweistellig (10,0%). Würden verdeckte Formen der Arbeitslosigkeit, (unfreiwillige Kurz- und Teilzeitarbeit und ähnliches) einbezogen, dann seien bereits über 16% der arbeitsfähigen US-Bevölkerung direkt von der Krise auf dem Arbeitsmarkt betroffen. Die wirtschaftliche Erholung dürfte in den USA alles in allem langsam und gedämpft erfolgen.
US-Notenbankchef Ben Bernanke habe Ende Januar betont, dass der Leitzins noch für längere Zeit sehr niedrig bleiben werde und auch die EZB stelle derzeit noch keine steigenden Leitzinsen in Aussicht. Angesichts weiterhin steigender Arbeitslosigkeit und sehr niedriger Kapazitätsauslastung sei bis auf weiteres auch kein inflationärer Druck in den Volkswirtschaften der entwickelten Industrienationen zu erwarten. Die Zinsniveaus der Industrieländer würden daher zumindest im Bereich kurzer Laufzeiten in den nächsten Monaten auf den aktuell tiefen Niveaus verharren.
In Anbetracht des wahrscheinlich auf Jahre hinaus deutlich unter Potenzial verlaufenden Wirtschaftswachstums und niedriger Inflation in den kommenden Quartalen sollten auch die längerfristigen Renditeniveaus bis auf weiteres nur begrenztes Potenzial nach oben haben. Allerdings seien kurzfristig auch jederzeit leichte Renditeanstiege im Zuge wechselnder Konjunkturaussichten und aufgrund des anhaltend hohen Finanzierungsbedarfs der US-Regierung möglich. Zugleich bleibe abzuwarten, ob die US-Notenbank ihre massiv ausgeweitete Bilanz bei einer nachhaltigen Konjunkturbelebung tatsächlich rasch wieder zurückfahren werde bzw. zurückfahren könne.
Bei osteuropäischen Eurobonds (Staats- sowie Unternehmensanleihen) seien die Renditeaufschläge gegenüber EMU-Staatsanleihen im Monatsverlauf angestiegen. Die zentral- und osteuropäischen Volkswirtschaften seien noch immer unter Druck, vor allem aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit der EU. Die wieder etwas anziehende Industrieproduktion in den "alten" EU-Mitgliedstaaten dürfte sich in den kommenden Monaten in den osteuropäischen Volkswirtschaften positiv niederschlagen und einen Anstieg der Exporte forcieren. Wichtig für eine nachhaltige Konjunkturerholung in den CEE-Ländern sei daneben jedoch die Binnennachfrage, die allerdings fast überall in der Region noch rückläufig sei (mit Ausnahme Polens). Der Weg zurück zu den Vorkrisen-Niveaus dürfte in jedem Fall ein langer sein.
Zuletzt sei von Marktbeobachtern verstärkt geäußert worden, dass Emerging Markets-Aktien nach dem rund 70%igen Anstieg des vergangenen Jahres bereits wieder überbewertet seien. Werde das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der für 2010 erwarteten Gewinne als Grundlage genommen, dann könne diese Aussage nicht bestätigt werden. So liege das KGV für Emerging Markets (gemessen am MSCI Emerging Markets Index) derzeit bei 12,9 und damit rund 10% unter dem Vergleichswert für entwickelte Aktienmärkte.
Gleichzeitig würden Emerging Markets deutlich höhere Wachstumsraten für die nächsten Jahre bieten und im Gegensatz zu westlichen Ländern, wie den USA, UK und Japan über eine stabilere und weniger verschuldete Bankenlandschaft verfügen. Innerhalb der Schwellenländer würden sich freilich deutliche Bewertungsunterschiede ergeben - die KGV-Bandbreite reiche von 8,7 (Russland) bis zu 16,8 für den historisch teureren indischen Aktienmarkt. (Ausgabe Februar 2010) (09.02.2010/fc/a/m)