Hamburg (aktiencheck.de AG) - Bis ins Jahr 2005 herrschte in der Wissenschaft noch die Meinung vor, passives Anlagemanagement (einmal getätigte Anlageentscheidung wird durchgehalten = Buy and Hold) sei dem aktiven Management (Anpassung der Investmententscheidung) überlegen - allein schon wegen der Kosten könne der aktive Ansatz auf Dauer nicht besser sein, so die
Analysten der Berenberg Bank.
Neuere Forschungsresultate würden hingegen den Anhängern des aktiven Anlegens Auftrieb geben. Ein Grund sei, dass die Märkte weder vollkommen rational noch vollkommen irrational seien - was aktiven Anlegern ein gutes Betätigungsfeld eröffne. So sei eine klare und dauerhafte Outperformance (d. h. positivere Entwicklung als der Gesamtmarkt) mit aktivem Investieren sehr wohl möglich, beispielsweise in gewissen Marktsegmenten oder in bestimmten Konjunkturzyklen. Es sei zudem bewiesen worden, dass Performancevergleiche, die die angebliche Unterlegenheit des aktiven Ansatzes hätten beweisen wollen, methodisch nicht korrekt gewesen seien.
Aktivismus per se bringe dann aber nichts, wenn allein auf kurzfristige Prognosen gesetzt werde. Wer jedoch umgekehrt das Heil in einer rigorosen Passivierung respektive Indexierung der Anlagen suche, übersehe, dass der Investor immer aktiv entscheiden und verantworten müsse. Welche Anlagekategorien sollten abgedeckt werden? Welche Aktienquote sei adäquat? Welcher Vergleichsindex solle herangezogen werden? Hier müsse vielmehr langfristig mit einer individuell auf den Anleger abgestimmten Allokationsstrategie gearbeitet werden, die im Laufe der Zeit an sich gegebenenfalls ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden könne (entsprechend dem Berenberg SIGMA-Vermögenskonzept).
Hervorzuheben sei jedoch, dass ein aktives Management überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen könne. Wer als Investor die passive Lösung wähle, gebe sich zumeist mit der Durchschnittlichkeit zufrieden. Auch gehe er das Risiko ein, indirekt Titel im Portfolio zu halten, die er eigentlich nie besitzen mochte - seien es Griechenlandanleihen oder Aktien des Ölunternehmens BP.
Ein Beispiel: Ein Anleger hätte Anfang der 90er Jahre indexiert auf den MSCI Welt in ein Weltaktienportfolio investiert. Damals habe der Anteil japanischer Aktien im MSCI Welt bei rund 50% gelegen. Das heiße, japanische Titel, die in den darauf folgenden zehn Jahren massiv an Wert verloren hätten, wären entsprechend hoch gewichtet worden. Gleichzeitig wären die anhaltend steigenden Kurse an den US-Börsen zu einem Teil am Investor vorbeigegangen. Ähnliche Erfahrungen hätten Anleger auch am Ende des Technologiebooms im Jahr 2000 und am Ende des Booms der Finanzwerte 2007 gemacht. Aktives Management funktioniere dann besonders gut, wenn Bewertungsunterschiede (im historischen Vergleich) hoch seien, wie dies zum Beispiel auch Anfang 2009 der Fall gewesen sei.
Aktive Anleger würden sich dadurch von passiven unterscheiden, dass sie sich zutrauen würden, Chancen zu erkennen und sie auch unter Inkaufnahme möglicher (Verlust-)Risiken rasch und konsequent vor der großen Masse zu nutzen. Gerade mit einem aktiven Ansatz könne man die vielen Gelegenheiten ergreifen, welche die derzeit volatilen Märkte böten. Mit aktivem Anlage-Management sei man flexibel und könne unmittelbar reagieren, wenn es notwendig sei.
Weil die bereits genannten BP-Aktien nach wie vor in zahlreichen Indices mit hohem Anteil gewichtet seien, würden passive Investoren über Indexfonds auch an deren derzeit negativer Performance partizipieren. Der aktive Investor hätte das Verlustrisiko durch einen rechtzeitigen Verkauf der Aktie aus seinem Portfolio entfernen können.
Erfolgreiches aktives Investieren bedeute allerdings auch, dass man hin und wieder gegen eine vorherrschende Marktmeinung handle und seine Handelsweise entsprechend vertrete bzw. bereit sein müsse, mögliche Verluste zu tragen, wenn man Entwicklungen einmal falsch eingeschätzt habe. (07.07.2010/ac/a/m)