Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Entwicklungen der letzten Wochen haben China wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, so Dr. Mark Mobius, Schwellenländer-Experte bei Franklin Templeton Investments.
Das Land habe vor kurzem mehr Flexibilität für seine Währung, den Renminbi (RMB), angekündigt. Die Experten hätten erst kürzlich angemerkt, dass eine bevorstehende Aufwertung des Renminbi keine dramatischen Auswirkungen auf die chinesischen Aktienmärkte haben sollte, da sie sich allmählich vollziehen dürfte. Und tatsächlich werde die Währung den Beobachtungen der Experten seit der Ankündigung nach vermutlich sanft und kontrolliert anziehen, da die chinesischen Behörden die Wechselkursbewegung aufmerksam überwachen würden.
Da die Experten mit einer behutsamen Entwicklung rechnen würden, ändere sich ihr Gesamtausblick für chinesische Aktien dadurch nicht wesentlich. Sie sollten ihres Erachtens mittelfristig Stärke zeigen. Die Experten würden vereinzelt immer noch reizvolle Titel entdecken. Unternehmen aus den rohstoff- und konsumabhängigen Sektoren und aus dem Dienstleistungsgewerbe würden offenbar die interessanteren Chancen bieten. Vor allem aber gelte, dass die chinesische Regierung US-Schatzpapiere im Wert von über 800 Mrd. US-Dollar halte, was der Flexibilität des Renminbi gewisse Grenzen setze. Ein heftiger Ausschlag in die eine oder andere Richtung wäre für beide Parteien potenziell schädlich - für die ausländische und die chinesische.
In Bezug auf die Binnenwirtschaft würden die chinesischen Behörden nach Ansicht der Experten erkennen, dass ein stärkerer Renminbi aufgrund der anziehenden Material- und Rohstoffimporte längerfristig vorteilhaft sein könnte. Auch wisse die People's Bank of China, dass sie den Wechselkurs anstelle von Zinserhöhungen als Instrument zur Inflationskontrolle verwenden könnte, denn die Inflationsraten hätten in den letzten Monaten angezogen.
China sei per saldo Rohstoffimportland, obwohl manche chinesischen Unternehmen zu den ganz großen Produzenten gehören würden. Höhere Preise könnten auf die Rohstoffunternehmen in China belastend wirken, dürften das Wachstum aber nicht bremsen, da diese Unternehmen in der Lage seien, die im Falle weiter steigender Nachfrage zulegenden Preise zu zahlen. Das größere Risiko bestehe in der Volatilität der Preise, die die Produktionsplanung der Unternehmen über den Haufen werfen könne. Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass die Preise auf kurze Sicht volatil bleiben würden, solange auf den Märkten weiter Ungewissheit herrsche. Langfristig rechnen die Experten von Franklin Templeton jedoch mit hoher Rohstoffnachfrage, gestützt von steigenden verfügbaren Einkommen in Staaten wie China, Indonesien, Indien und anderen Entwicklungsländern.
Ein Bereich, der bereits einen kräftigen Preisanstieg erlebt habe, sei der chinesische Immobilienmarkt. Das wecke Ängste vor Blasenbildung. Eine Blase bedeute, dass die Preise auf unhaltbares Niveau steigen und dann verfallen würden. Nach Erachten der Experten dürfte das für ganz China unwahrscheinlich sein. Das Land sei enorm groß und der Immobilienmarkt vielgestaltig. Eine einfache
Analysesei daher nicht möglich. Ein paar Fakten würden vielleicht erhellen, warum die Experten glauben würden, dass die Lage in China heute ganz anders sei als in den USA vor der jüngsten Subprime-Krise.
In China müssten Eigenheimkäufer erst rund 20 bis 30% des Gesamtwertes in bar als Eigenkapital vorweisen, bevor sie eine Hypothek aufnehmen dürften. Das Verhältnis der Verbraucherkredite zum BIP liege in China bei rund 17% gegenüber 94% in den USA und 56% in Hongkong. Auch seien die Haushalte in China mit rund 26% gegenüber 124% in den USA deutlich geringer verschuldet.
Der chinesische Immobilienmarkt lasse sich nicht über einen Kamm scheren. Kräftige Preiserhöhungen habe es vor allem in den großen Küstenstädten Schanghai, Peking, Shenzhen und Guangzhou gegeben. Auf diese Städte würden jedoch nur 8% der Stadtbevölkerung des Landes und 8% der gesamten Umsätze mit Wohnimmobilien nach Fläche entfallen. Es gebe noch über 150 andere Millionenstädte.
Von Januar 2005 bis Januar 2010 hätten die Preise in den Großstädten enorm angezogen - in Shenzhen beispielsweise um fast 300% und in Schanghai um rund 132%. In anderen Städten wie Chengdu, Chongqing und Xi'an hätten sich die Preise kaum verändert. Chengdu habe den größten Preisanstieg unter den "kleineren" Städten verzeichnet. Die durchschnittlichen Eigenheimpreise seien von Januar 2005 bis Januar 2010 von rund 3.000 auf 5.800 Renminbi pro Quadratmeter geklettert. In Xi'an dagegen hätten sie sich im selben Zeitraum im Schnitt von 2.000 auf 4.500 Renminbi pro Quadratmeter erhöht.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass der Anstieg der Immobilienpreise in China insgesamt in etwa dem Anstieg der Haushaltseinkommen entspreche. Der Immobilienmarkt habe vielleicht in bestimmten Regionen Blasenmerkmale entwickelt, doch die Regierung habe umgehend darauf reagiert, um Blasenbildung zu kontrollieren und zu verhindern - etwa durch Maßnahmen zur Einschränkung von Bankkrediten für den Erwerb von Zweit- und Drittwohnungen. Insgesamt sei die Blasengefahr auf dem chinesischen Immobilienmarkt nach dem Dafürhalten der Experten nicht besonders groß. (Ausgabe Juli 2010) (07.07.2010/fc/a/m)