Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Zwar hat der
DAX die 6.000 Punkte-Marke geknackt, Charttechniker warnen aber weiter vor Euphorie, so die Deutsche Börse AG.
Viele würden die Aufwärtschancen für begrenzt halten.
Die Marktstimmung habe sich indessen wieder verbessert, bei den Bluechips gebe es jetzt nahezu doppelt so viele Optimisten wie Pessimisten. Am frühen Nachmittag notiere der deutsche Leitindex bei 6.024 Punkten.
Karen Szola, technische
Analystin von "Euro am Sonntag" und finanzen.net, rechne mit einer Konsolidierung: "Nach der Eroberung des Oktoberhochs bei 5.888 Punkten besteht aus rein technischer Sicht weiteres Kurspotenzial bis zum Jahreshoch bei 6.094 Zählern, wenn da nicht die heillos überkaufte Markttechnik wäre", meine sie. Die Tatsache, dass die kurzfristigen Trading-Indikatoren den Scheitel ihrer oberen überkauften Extremzone durchlaufen hätten und ein Verkaufssignal generiert hätten, lasse Szola zufolge die Hoffnung auf weitere Kursgewinne schwinden: "Zwar bleibt ein Restaufwärtspotenzial bis auf 6.094 Stellen bestehen, doch nur mit Rückenwind der amerikanischen Indizes lässt sich diese Marke noch erreichen." Auf der Unterseite werde das Oktoberhoch bei 5.888 Punkten wieder in den Fokus rücken.
Ihr Fazit: Da die Konsolidierung mehr als überfällig sei, könnte diese sogar recht kräftig ausfallen. Unterstützungen böten neben dem Oktoberhoch noch Supports bei 5.800 und 5.750/5.730 Punkten, beim letztgenannten Niveau handle es sich zudem um das 50-Prozent-Fibonacci-Retracement. "Fällt die Korrektur heftiger aus, so steht die noch offene Kurslücke bei 5.641/5.605 Zählern zur Disposition", erläutere Szola weiter. Immerhin würden laut Statistik rund 75 Prozent aller Gaps wieder geschlossen: "Und der DAX ist sogar zu 95 Prozent ein notorischer Kurslücken-Schließer."
Auch nach Ansicht von Jörg Scherer von HSBC Trinkaus & Burkhardt sei das weitere Aufwärtspotenzial für den DAX limitiert. "Bei 6.000 Punkten beginnt ein massiver Widerstandsgürtel, der sich aus verschiedenen alten Hoch- und Tiefpunkten speist und sich bis rund 6.200 Punkte erstreckt", argumentiere Scherer. In diese Zone seien auch das rechnerische
Kursziel - abgeleitet aus der kurzfristigen Bodenbildung vom Januar bzw. Februar - sowie das bisherige Jahreshoch bei 6.094 Punkten gefallen. Gegen eine weitere Aufwärtsbewegung würden Scherer zufolge vor allem die kurzfristig heißgelaufenen Indikatoren sowie die Investorenstimmung sprechen: "Gemäß der Sentimenterhebung der "American Association of Individual Investors" sind die US-Privatanleger aktuell ähnlich sorglos wie zu Jahresbeginn, so dass neue Nachfrage nur noch schwerlich zu generieren ist."
Auf der Unterseite sollten Investoren die Kombination aus dem jüngsten Verlaufstief bei 5.898 Punkten und dem Hoch vom 20. Oktober 2009 bei 5.888 Punkten beachten: "Ein Abgleiten unter diese Zone würde aus Sicht des Stundencharts eine kleine Topformation komplettieren und damit die Basis für einen Test der Hochs vom letzten Quartal 2009 bei rund 5.850 Punkten legen."
Alexander Krämer, technischer Analyst bei der Commerzbank, sehe den DAX zwar mittelfristig in einer moderaten Aufwärtsbewegung, die von einem im August begonnenen Aufwärtstrend begleitet werde. "Mit der Verteidigung der 200-Tage-Linie konnte der Index im März eine kurzfristige beschleunigte Aufwärtsbewegung etablieren, die ihn in die gestaffelte Widerstandszone 5.900 bis 6.100 geführt hat", erkläre Krämer. Ihm zufolge sei die aktuelle kurzfristige Aufwärtsbewegung ab Anfang März aber von einer klassischen technischen Divergenz mit sinkenden Handelsvolumina bei steigenden Kursen begleitet. "Das legt nahe, dass sich das Aufwärtsmomentum der Bewegung abschwächt", resümiere Krämer. Klare technische Signale für ein zügiges Überwinden der gestaffelten Widerstandszone 5.900 bis 6.100 hätten zurzeit noch gefehlt.
Die Marktstimmung habe sich gegenüber der Vorwoche abermals verbessert, das ergebe zumindest die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Der Bull/Bear-Index bei den Bluechips sei auf 64,4 Punkte gestiegen. Von den befragten Anlegern würden 5 Prozent mehr als in der Vorwoche mit steigenden Kursen rechnen, insgesamt seien es nun 53 Prozent. Das Pessimistenlager sei hingegen um 3 Prozent geschrumpft und mache nur noch 27 Prozent der Anleger aus. Beim TecDAX sei der Bull/Bear-Index ebenfalls geklettert, und zwar auf 65 Prozent. Die Bullen hätten ein Plus von 6 Prozent der Befragten auf 52 Prozent verzeichnet, die Pessimisten seien mit einem Minus von 1 auf 31 Prozent nun noch deutlicher in der Minderheit. (17.03.2010/ac/a/m)