DWS Invest SDG Global Equities Fonds: Mehr als ein Grund, um in Gesundheit zu investieren - Fondsanalyse


25.09.20 13:30
Meldung
 
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der demografische Wandel sollte die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in den nächsten Jahren weiter steigern - das eröffnet Anlegern Renditechancen, so die Experten von DWS im Kommentar zum DWS Invest SDG Global Equities (ISIN LU1891311430 / WKN DWS2Y8 ).


Stapel von Patientenakten, Röntgencouverts, Blutbildtabellen und Dreifachdurchschläge. Dazu ein genervtes Pflegepersonal, das die oft handschriftlichen Rezepte und Arztbriefe nicht habe lesen können: Als Barack Obama 2009 US-Präsident geworden sei, habe er die papierlastige Krankenhausverwaltung zum Anlass genommen, um zu massiven Investitionen in moderne Infrastrukturen im Gesundheitssektor aufzurufen.

Gut elf Jahre und eine Pandemiekrise später rücke der Gesundheitssektor noch stärker in den Fokus von Investoren - dieses Mal weltweit und mit einem deutlich erweiterten Spektrum an Unternehmen. Es gehe nicht mehr nur um eine moderne digitale Krankenhausorganisation. Vielmehr würden die Anleger auch auf neue Impfstoffe, Medikamente und innovative Behandlungsmethoden wie Gentherapien und personalisierte Medizin blicken.

"Viele Investoren haben die Chancen des Gesundheitswesens bereits vor der Coronakrise erkannt", sage Sergej Shelesnjak, Portfoliomanager und Analyst für Pharma und Biotech bei der DWS. "Sie gehen weitaus tiefer in den Sektor hinein. Dort tummeln sich derzeit zahlreiche Unternehmen mit enormer Innovationskraft."

Die Gründe, weshalb ein Investment in das Gesundheitswesen für Anleger interessant sein könnte, seien vielfältig. Zum einen herrsche in der Branche derzeit sehr reges Übernahmefieber, das immer wieder attraktive Gewinnchancen biete. Zum anderen zeichne sich der Sektor durch vergleichsweise geringe Kursschwankungen und Konjunktursensitivität aus. Medikamente und neue Therapieverfahren würden immer gebraucht, auch wenn es gesamtwirtschaftlich mal nicht so gut laufe. Daher könnten Gesundheitsaktien oder Fonds, die gezielt in den Gesundheitssektor investieren würden, dem Depot auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Stabilität verleihen.

Steigende Bevölkerungszahlen und alternde Gesellschaften in den vermögenden Industrieländern dürften die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen künftig weiter ankurbeln. Hinzu kämen neue und weitgehend unerforschte Krankheitsbilder, die es erfolgreich zu behandeln gelte. Und auch der Wunsch einer zunehmenden Zahl von Anlegern nach nachhaltigen Geldanlagen spiele vielen Titeln aus dem Gesundheitssektor in die Hände. Würden sich doch die Ziele vieler Healthcare-Unternehmen gut mit nachhaltigen Geldanlagezielen von ESG- oder SDG-orientierten Investoren in Einklang bringen lassen.

Bereits in den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Aktien aus dem Gesundheitssektor deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Wie der Zehn-Jahres-Vergleich der Wertentwicklung zeige, habe der Branchenindex MSCI World Health Care den breiten Marktindex MSCI World um fast das Doppelte geschlagen.

Aber das müsse noch keineswegs das Ende der Fahnenstange sein. Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sage voraus, dass der globale Gesundheitssektor in den nächsten 40 Jahren überdurchschnittlich wachsen könne. Die Autoren würden damit rechnen, dass der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt in OECD-Ländern bis 2060 auf etwa 9,5 Prozent steigen könnte. Das entspräche einer Vervierfachung des Volumens des Gesundheitsmarktes dieser Länder seit 2010.

Was die rasche Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes betreffe, ruhe die Hoffnung derzeit vor allem auf dem Pharma- und Biotechsektor. Die Branche registriere aktuell sehr hohe Mittelzuflüsse von Investoren. Zwar dürften die zu erwartenden Margen durch den Abverkauf an staatliche Stellen aus humanitären Gründen eher niedrig ausfallen. Dafür sei das zu erwartende Volumen umso größer: Immerhin sei es das Ziel, Milliarden von Menschen rund um den Globus zu impfen.

Darüber hinaus habe die biowissenschaftliche Industrie in den vergangenen Jahren immer wieder technologische Quantensprünge erzielt - zum Beispiel bei der Entwicklung von neuen Therapien gegen Krebs. Immer mehr Patienten mit chronischen Krankheiten infolge von Alter oder gesundheitlich belastender Lebensgewohnheiten dürften in den kommenden Jahren die Nachfrage und damit die Innovationskraft weiter antreiben.

"Dennoch werden sich nicht alle Biotechfirmen gleichermaßen behaupten können", sage der DWS-Experte. "Deshalb lohnt es sich für Anleger, bei der Titelauswahl genau hinzusehen, denn potenzielle Medikamente, die in der Theorie und in vorklinischen Studien funktionieren, scheitern sehr oft in klinischen Studien am Menschen." Fakt sei: Nur jedes 10.000ste potenzielle Medikament, das in der 1. vorklinischen Studie gescreent werde, schaffe es im Schnitt auf den Markt. Und nur jedes fünfte Medikament, das in die erste klinische Phase komme, schaffe es im Schnitt auf den Markt. Bei einigen Krankheiten - wie zum Beispiel bei Depression - sei die Quote der gescheiterten Produkte noch viel höher. Bislang habe es zum Beispiel noch kein Alzheimer-Medikament auf den Markt geschafft.

"Wenn ein Produkt bei einem Biotech-Unternehmen scheitert, kann das dem Scheitern des Unternehmens gleich kommen", erkläre der Portfoliomanager. Auch wenn ein deutlich besseres Produkt auf den Markt komme, könne das dazu führen, dass der Umsatz eines Medikaments, das bereits auf dem Markt sei, komplett einbreche. "Deshalb ist es essenziell die Präparate im Detail zu verstehen und die Pipeline von anderen Unternehmen innerhalb eines Krankheitsgebiets gut zu kennen."

Apropos Kosten: Die gelte es im Gesundheitswesen schon lange zu drücken, um die Effizienz von Ärzten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu steigern. Hier könne E-Health einen entscheidenden Beitrag leisten.

Für neue Impulse zur Digitalisierung der Gesundheitsbranche habe zuletzt die Coronakrise gesorgt. So habe etwa die Telemedizin ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen können. "Die Pandemie hat der Telemedizin-Technologie einen starken Schub verliehen. In den USA gab es sogar von staatlicher Seite Unterstützung, um das Thema voranzutreiben", sage Shelesnjak.

Die Chancen, die die Digitalisierung biete, seien aber weitaus facettenreicher. Sie sei nicht nur ein Kostensenker und eine Option, wenn ein persönlicher Besuch beim Arzt nicht möglich sei. Sie eröffne auch neue Gesundheitsanwendungen via Sensor und App sowie innovative Behandlungsmethoden, mit deren Hilfe Heilungschancen von Patienten verbessert und ihre Regeneration beschleunigt werden könnten.

Zur digitalen Medizin der Zukunft würden darüber hinaus auch Firmen aus dem Bereich Medizinrobotik und -technik gehören. Durch Roboterchirurgie könnten zum Beispiel operative Eingriffe vorgenommen werden, welche die Verletzung von Gewebe geringhalten würden. Das sorge für einen schnelleren Heilungsprozess und verkürze den Krankenhausaufenthalt. Systeme zur Blutzuckerüberwachung und Krebsfrühdiagnostik sowie digitale Röntgensysteme seien weitere Beispiele.

Innerhalb des Gesundheitssektors könnten die einzelnen Teilbranchen zudem von Synergieeffekten profitieren. Die neuen Player aus dem technologischen und biowissenschaftlichen Bereich würden die klassischen Gesundheitsdienstleister wie Krankenhäuser, Ärzte und Pflegeheime mit neuen Möglichkeiten ausstatten, die sich positiv auf ihre Wirtschaftlichkeit und den Fortschritt bei der Behandlung von Patienten auswirken würden.

Alternde Gesellschaften und die heranwachsende Mittelschicht in Entwicklungsländern sollten weiterhin für eine steigende Nachfrage nach Arzneimitteln sorgen. Das wiederum dürfte auch das Geschäft von klassischen Pharmaunternehmen sowie stationären und digitalen Apotheken gut unterstützen. (Ausgabe vom 24.09.2020) (25.09.2020/fc/a/f)


 

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