Devisenmärkte im Fokus


06.09.10 14:12
Meldung
 
München (aktiencheck.de AG) - Anstatt Logik und Umsicht walten zu lassen, handeln die Märkte weiterhin aufgrund ihrer selektiven Wahrnehmung, so die Analysten von UniCredit Research.


Gestern sei alles schlecht gewesen, heute sei alles gut. Ein paar zweifellos ermutigende Konjunkturdaten aus den USA und anderswo hätten ausgereicht, um die Risikobereitschaft wieder anzufeuern. So auch geschehen am letzten Freitag nach Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten, als die Anzahl der Jobverluste nicht so hoch wie befürchtet ausgefallen seien. Auch der Vormonat Juli sei auf die gleiche Zahl von -54k revidiert worden.

Streng genommen sei allerdings nicht viel passiert. Die USA würden weiterhin Stellen abbauen, die Arbeitslosenrate sei mit 9,6% unverändert hoch und die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt alles andere als rosig. Nehme man den ebenfalls kränkelnden Häusermarkt und die durch die Blume doch als sorgende Haltung zu verstehende FED-Rhetorik hinzu, so gebe es kaum eine Rechtfertigung für einen bereits wieder derart übertriebenen globalen Optimismus.

Das Kaufinteresse für risikoreiche Assets sei wie immer anhand steigender Aktienbörsen zum Ausdruck gekommen. Die Aktienvolas seien stark abgesackt und die Credit-Spreads hätten sich deutlich eingeengt. Bei den Bondrenditen rund um den Globus hätten die Zeichen zumindest auf Bodenbildung gestanden. An den Devisenmärkten habe sich die bis Mitte letzter Woche noch vorherrschende Risikoaversion ebenfalls wie der Morgennebel verflüchtigt. Insbesondere EUR/USD, EUR/CHF, aber auch vermeintliche Hochzinswährungen wie der AUD (Australischer Dollar) hätten kräftig zulegen können. Letzterer profitiere außerdem von dem offensichtlich kurz bevorstehenden Abschluss der Regierungsbildung in Down Under.

Diese Woche sei der Datenkalender extrem ausgedünnt. In den USA stünden lediglich das FED-Beige-Book, US-Konsumentenkredite und die Handelsbilanz auf der Agenda. Die Eurozone werde auch nur mit Produktionsdaten aus Deutschland, Frankreich und Italien aufwarten. Heute sei schon mal US-Feiertag und Eigeninitiative seitens der Europäer gewöhnlich ohnehin Mangelware. Mithin rechne man damit, dass sich im gesamten Wochenverlauf die Devisenmärkte an den Aktienbörsen und den Bondmärkten orientieren würden. Dabei dürfte die positive Wahrnehmung des US-Arbeitsmarktberichts noch einige Tage Nachwirken. Bezüglich EUR/USD schließe man eine weitere Annäherung an die 1,30 nicht aus.

Andererseits werde das globale Risikobild nicht von den Konjunkturdaten allein bestimmt. Ein zumindest latenter Einflussfaktor sei weiterhin die Verschuldungsproblematik in der Eurozone. Die Rendite-Spreads zwischen den Peripheriestaaten und Deutschland hätten sich heute Früh ausgeweitet, basierend auf der Restunsicherheit über den Verlauf der im September anstehenden Auktionen in Höhe von rund EUR 80 Mrd. Insofern gehe man nicht davon aus, dass die Währungsmärkte das Gaspedal schon in dieser Woche bis zum Anschlag durchdrücken würden.

Außerhalb der Eurozone seien noch drei Zinsentscheidungen von Interesse. Die Bank of Canada werde übermorgen ihre Leitzinsen vermutlich um 25 BP anheben, während Reserve Bank of Australia (morgen) und Bank of England (Donnerstag) voraussichtlich keine geldpolitischen Änderungen vornehmen würden. Die BoE könnte sogar erneut auf ein anschließendes Statement verzichten. (06.09.2010/ac/a/m)


 
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