EUR/GBP Abschwächung erwartet


16.03.10 10:45
Meldung
 
München (aktiencheck.de AG) - Die britische Währung hatte in den vergangenen Wochen einiges auszuhalten, berichten die Analysten von UniCredit Research.


Dabei habe die seitens verschiedener MPC-Mitglieder geäußerte Möglichkeit einer Ausweitung der BoE-Wertpapierankäufe eine ganz besondere Rolle gespielt. Bis Ende Februar habe die Bank of England zumeist Gilt-Titel im Wert von GBP 200 Mrd. erworben. Eine Wiederaufnahme der Ankäufe nach Genehmigung durch das Schatzamt würde bedeuten, dass die BoE neben der Bank of Japan so ziemlich als einzige der maßgeblichen Zentralbanken meilenweit von einer Exit-Strategie entfernt sei, im Umkehr gleichbedeutend mit einer von großer Unsicherheit behafteten Konjunkturerwartung.

Der zweite Schauplatz für Marktakteure war und ist zweifellos die bevorstehende Parlamentswahl in Großbritannien, da sich bis vor kurzem für keine der beiden großen Parteien eine klare Mehrheit abzeichnete, so die Analysten von UniCredit Research. Gegenwärtig würden die Tories jedoch einen klaren Vorsprung herauszuarbeiten scheinen.

Das dritte und besonders heikle Sterling belastende Thema sei die extrem hohe Neuverschuldung und einige im Markt umgehende Zweifel am Ziel der Regierung, diese in den nächsten vier Jahren halbieren zu können. Ein kleiner, aber angesichts der schlechten Sterling-Stimmung durchaus wichtiger Schritt wäre eine halbwegs akzeptable Netto-Kreditaufnahme für Februar, die am Donnerstag veröffentlicht werde. Wichtig auch deshalb, weil weder der britische Arbeitsmarktbericht, noch die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe die Investoren vom Hocker reißen würden. Schon die jüngsten Produktionsdaten seien sehr schlecht gewesen.

Es wäre jedoch völlig verfrüht, selbst angesichts dieser Fülle an Belastungsmaterial von einem erneuten Abschmieren der britischen Währung allgemein und einer Aufwärtsexplosion in EUR/GBP im Besonderen auszugehen. Die Analysten würden nicht nachlassen zu betonen, dass man sich stets vor Augen halten sollte, wie viel an Kursverlusten die Währung in den letzten drei Jahren habe verkraften müssen und vieles an jenem, was derzeit noch vermeintlich imageschädigend hinzukomme, in diesen Verlusten bereits eingepreist sei. Im Vergleich der britischen Währung zu den Swap-Spreads als Risikoindikator werde diese Antizipation recht deutlich. Auch in den Phasen optimistischerer Wachstumserwartungen im Herbst letzten Jahres habe sich Sterling nicht außergewöhnlich befestigt.

Natürlich sei EUR/GBP nicht für alle Zeiten vor einem wiederholten kräftigen Anstieg gefeit, sollten beispielsweise die Töne der Rating-Agenturen gegenüber Großbritannien schärfer werden oder die Konjunktur dieses und nächstes Quartal einen Double-Dip ausweisen. Aber solange sich die Konjunkturerwartungen nicht über das bisherige Ausmaß hinaus verschlechtern würden und zumindest die Defizitprognosen der Regierung für das laufende Jahr nicht gesprengt würden, würden die Analysten davon ausgehen, dass man die Höchstkurse in EUR/GBP Anfang letzten Jahres gesehen habe und spätestens ab Jahresmitte eine behutsame Abschwächung erfolge. Sie würden damit rechnen, dass EUR/GBP sogar eine Wiederaufnahme des Gilt-Ankaufprogramms aushalten würde und im Falle eines Ausbleibens schwächer notiere. (16.03.2010/ac/a/m)


 

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