München (aktiencheck.de AG) - Nachdem zwei der drei Dollar-Belastungsfaktoren der vergangenen Wochen, das CNY (Chinesischer Yuan)-Aufwertungsgerangel und die Kandidatur der geldpolitischen Taube Janet Yellen für das FED-Vize-Amt abgearbeitet wurden, bzw.
sich erledigt haben, stürzten sich die Devisenmärkte natürlich sofort wieder auf Griechenland und Gerüchte hinsichtlich einer konkreten Hilfe zumindest in Form von Kreditgarantien oder wenn nicht sogar in Form von barer Münze, berichten die
Analysten von UniCredit Research.
Große Hoffnungen seien wieder einmal in das turnusmäßige EU-Finanzministertreffen gelegt worden. Seien konkrete Ergebnisse ausgeblieben, so hätten die Mutmaßungen gelautet, würde der Euro wieder kräftig einbrechen. Die Analysten würden bei ihrer Auffassung bleiben, dass Griechenland allein den Euro nicht in die Tiefe reiße, weil die Märkte bereits vor Wochen alle möglichen Worst-Case-Szenarien durchgespielt hätten. Für sie gelte, was die Finanzminister schon vor vier Wochen von sich gegeben hätten; dass nämlich konkrete Mittel und Wege vorhanden wären, die im Falle des Scheiterns des harten Reformkurses in Griechenland zur Anwendung kämen, man sie aber bewusst gegenüber den Finanzmärkten zurückhalte.
Die Finanzmärkte hätten sich seinerzeit, auch ob des engmaschigen Kontrollnetzes, deutlich beruhigt gezeigt. Das sollte auch so bleiben, solange nicht ähnlich krasse Probleme auf der iberischen Halbinsel auftauchen würden. Den ersten Test habe Griechenland übrigens bestanden. Die EU-Finanzminister hätten bestätigt, die vorgelegten Maßnahmen würden ausreichen, um das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr um 4%-Punkte zu senken. Was an den Währungsmärkten immer wieder hockgekocht werde, sei an den Zinsmärkten schon längst nicht mehr der ganz große Brüller. Die CDSs für Griechenland hätten sich spürbar abgebaut, sodass auch bezüglich der FX-Märkte und speziell im Falle des Euro momentan zwar noch von einer latenten aber nicht mehr akuten Belastung gesprochen werden sollte.
Die Analysten von UniCredit Research können sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass Griechenland immer wieder als Pausenfüller herhalten muss. Ab heute Nachmittag werde mit Sicherheit niemand mehr davon sprechen, sondern nur noch die bevorstehende FED-Zinsentscheidung, bzw. das FOMC-Statement im Kopf haben. Die Analysten würden von einer abermals leicht verbesserten US-Konjunktureinschätzung ausgehen, wobei der Arbeitsmarkt nach wie vor kritisch gesehen werde.
Insgesamt dürfte es nicht zu einer Änderung der Zinserwartungen reichen. Der Passus hinsichtlich einer längeren Aufrechterhaltung des sehr niedrigen Leitzinses dürfte weiter Bestand haben. Mit großem Interesse würden die Märkte verfolgen, ob neben Kansas-City FED-Präsident Hoenig, sofern dieses Mal erneut, auch weitere Mitglieder eine andere Tonart bezüglich der Zinseinschätzung favorisiert hätten. Dem US-Dollar würde dies indes recht wenig helfen, da, einen Vorlauf von sechs Monaten angenommen, der September-Termin als Beginn des Straffungszyklus ohnehin so gut wie "weg" wäre, sofern es bei einer "extended period" bliebe.
Da auch die restliche Woche unter dem Einfluss des FOMC-Treffens stehen dürfte, würden die Analysten mit einer regional begrenzten und dabei asymmetrischen Wirkung der anstehenden US-Daten rechnen. Während gute Daten weitgehend ignoriert würden, sollten schlechte Daten, insbesondere vom Immobilienmarkt, dem Dollar eher schlecht bekommen. Eine global ausgerichtete Wirkung der US-Daten, d. h. schlechte Daten als Nachweis der Risikoaversion und damit Dollar positiv, würden die Analysten nicht erwarten. Ungeachtet dieser für EUR/USD soliden Aussichten würden sie jedoch noch immer nicht von einem graduellen Kursanstieg Richtung 1,40 ausgehen. Diese Option eröffne sich erst mit einem Bruch des Widerstandes um 1,3840.
Wie die ausgewiesenen Custody Holdings der FED-New York bereits hätten vermuten lassen, seien die US-Netto-Kapitalzuflüsse im Januar alles andere als üppig gewesen. Die so genannten langfristigen TIC-Flows hätten gerade einmal USD 19,092 Mrd. betragen, unter Abzug der Transaktionen gebietsfremder Papiere habe der Wert bei USD 36,129 Mrd. gelegen. Zur Finanzierung des monatlichen Leistungsbilanzdefizits seien bis Ende des 3. Quartals 2009 knapp 36 Mrd. benötigt worden. Sehr dürftig seien insbesondere die Beiträge ausländischer offizieller Institutionen, in der Regel Zentralbanken gewesen, die sogar einen negativen Gesamtwert von USD -4.192 Mrd. geliefert hätten.
Die einzelnen Asset-Klassen betreffend hätten Treasury-Papiere mit USD 61.392 Mrd. noch den größten Zuspruch verbucht, mit weitem Abstand gefolgt von Aktien (4.337). Unternehmensanleihen und Anleihen der von der Regierung unterstützten Institutionen seien hingegen abgestoßen worden.
Bemerkenswert bei den Bondholdings sei wieder einmal der leichte Rückgang des Anteil Chinas auf USD 889 Mrd. gewesen. Hier habe die Spitze im September 2009 bei 938,3 Mrd. gelegen. Relativ große Sprünge seien wieder bei den Staaten mit internationalen Finanzzentren, wie die Karibik oder Großbritannien mit seinen Kanalinseln zu verzeichnen gewesen (insgesamt +43 Mrd.). Wie immer seien verdeckte Transaktionen asiatischer Zentralbanken auf diesem Wege nicht auszuschließen. (16.03.2010/ac/a/m)